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10.02.2005

09:38 Uhr

Güterzüge halten nicht länger an der Grenze

DB und SNCF wollen Transportgeschäft ausbauen

Im deutsch-französischen Schienengüterverkehr wollen die französische Staatsbahn SNCF und die Deutsche Bahn AG (DB) über die Grenze hinweg kooperieren.

HB/ek KÖLN. Die Bahnchefs Louis Gallois und Hartmut Mehdorn unterzeichneten am Mittwoch im Rangierbahnhof Köln-Gremberghoven eine entsprechende Vereinbarung. Danach werden alle Güterzüge zwischen Deutschland und Frankreich ab sofort ohne Halt an der Grenze fahren.

Französische Loks und Lokführer kommen künftig bis Köln und Mannheim, deutsche Maschinen fahren durch nach Metz und Lyon. Es handelt sich vorerst um täglich gut 100 Züge. Der Schienengüterverkehr zwischen beiden Ländern wird überwiegend über die Grenzstationen Saarbrücken/Forbach und Apach/ Perl an der Mosel sowie in geringem Umfang über Kehl/Straßburg abgewickelt. Die Organisation, Produktion und Überwachung der deutsch-französischen Züge übernimmt eine neue gemeinsame Tochtergesellschaft, die Rail Euro Concept (REC).

Die Bahnen erhofften sich von Mehrsystemloks, die in beiden Ländern eingesetzt werden können, und von eigens geschulten zweisprachiger Lokführern Wettbewerbsvorteile gegenüber der Straße, betonten Mehdorn und Gallois. Denn durch den Verzicht auf Grenzaufenthalte würden die Züge im Schnitt zwei Stunden Zeit gewinnen. Getestet wurde die neue Zusammenarbeit seit über einem Jahr beim Verkehr zwischen den Rangierbahnhöfen von Mannheim und Metz.

Der deutsche Bahnchef räumte ein, dass der Schienengüterverkehr im deutsch-französischen Warenaustausch mit sechs Prozent Marktanteil bisher schwach positioniert sei. Das Verkehrsaufkommen liege bei acht Mill. Tonnen im Jahr. „Unser bescheidenes Ziel wäre es, da um 30 bis 50 Prozent zuzulegen“, sagte Mehdorn. Doch der Wettbewerb mit der Straße sei schwierig: „Lohn- und Sozialdumping, Tanktourismus und ungerechte Steuersysteme“ vereitelten viele Chancen.

SNCF-Chef Gallois betonte, dass die Kooperation weiter ausgebaut werden soll. „Wir sind dabei unsere Systeme zu integrieren, um nahtlose Verkehrsverbindungen zu schaffen“, sagte Gallois. Aufgabe der REC werde es sein, über die direkten Güterzüge zwischen den deutschen und französischen Rangierbahnhöfen hinaus den Lauf internationaler Güterzüge auf ihrem gesamten Weg zu steuern, ergänzte der Chef der DB-Gütertochter Railion AG, Klaus Kremper, gegenüber dem Handelsblatt. Insbesondere auf der Langstrecke Spanien – Mitteleuropa bestehe hohe Nachfrage nach schnellen Shuttle-Zügen.

Über der Zukunft des Bahnalltags lasten aber nach wie vor die nationalen Bürokratien. So hatte es Monate gedauert, bis die deutschen Loks von den französischen Behörden die Betriebszulassung bekamen. Und die gestern in Köln vorgestellte französische Lok durfte nicht mit eigener Kraft anrollen: Ihr fehlt noch die Zulassung des Eisenbahnbundesamtes für den Einsatz in Deutschland. Vor dem Sommer rechnen die Bahnen nicht damit.

„Wir haben einen Haufen Probleme“, beklagte Mehdorn. Die Zulassungsprozeduren, die sich teilweise über Jahre hinzögen, könnten „einfach nicht wahr sein“. Es müsse möglich sein, dass die Staaten sich endlich darauf verständigten, wechselseitig die Zulassung für Mehrsystemloks anzuerkennen.

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