Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.10.2015

08:28 Uhr

Gute Zahlen zum Eurowings-Start

Wichtiger Rückenwind für die Lufthansa

VonJens Koenen

Gute Quartalszahlen stärken Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei seinem radikalen Umbau. Ein Beleg für den langfristigen Erfolg seiner Strategie sind sie aber noch nicht. Wesentliche Strukturprobleme bleiben ungelöst.

Die Fluggesellschaft präsentiert gute Zahlen – doch Probleme bleiben. dpa

Boeing der Lufthansa

Die Fluggesellschaft präsentiert gute Zahlen – doch Probleme bleiben.

FrankfurtAuch das Damoklesschwert eines neuen Streiks soll die gute Botschaft für die Investoren nicht trüben. Zwar endet an diesem Sonntag die Frist für Tarifgespräche mit der Kabinen-Gewerkschaft Ufo. Und da der Gesprächsfaden derzeit abgerissen ist, sind Arbeitsniederlegungen nicht ausgeschlossen. Doch die Lufthansa-Spitze hält das nicht vom Jubeln ab. Sie feiert die guten Zahlen des dritten Quartals und auch bereits die des Gesamtjahrs. „Die Lufthansa Group erwartet in diesem Jahr das beste operative Ergebnis ihrer Geschichte“, heißt es im Quartalsbericht vom Donnerstag.

Nach mehreren Quartalen mit absoluter Schonkost gibt es für die Aktionäre endlich mal wieder einen gut gedeckten Tisch. Die nach Umsatz und Passagierzahlen größte europäische Fluggesellschaft steigerte ihren Umsatz im dritten Quartal um 5,7 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro. Das ist exakt das, was Analysten im Schnitt erwartet hatten. Der um Sondereffekte wie etwa Streikkosten bereinigte Gewinn schnellte um 51,2 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro in die Höhe. Das liegt sogar über den Prognosen der Branchenexperten von 1,1 Milliarden Euro.

Lufthansa spart an Bonusprogramm: Miles & More wird zum großen Ärgernis

Lufthansa spart an Bonusprogramm

Premium Miles & More wird zum großen Ärgernis

Airlines sparen bei ihren Meilenprogrammen, der Kundenärger darüber wächst. Besonders auch bei der Lufthansa.

Die gute Laune im Management dokumentiert sich aber vor allem bei dessen Blick in die Zukunft. Eigentlich hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr den Aktionären, die im vergangenen Jahr auf ihre Dividende verzichten mussten, zugesagt, im laufenden Jahr ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ohne Streikosten in Höhe von 1,5 Milliarden Euro erreichen zu wollen. Nun legt das Management eine Schippe drauf. Das um Streikkosten bereinigte Ergebnis soll im Gesamtjahr sogar 1,75 bis 1,95 Milliarden Euro erreichen.

Analysten hatten mit eine Anhebung der Prognose erwartet. Schließlich hatte Spohr vor einigen Wochen bereits angedeutet, die 1,5 Milliarden Euro auch ohne Herausrechnung der Streikaufwendungen – immerhin 150 Millionen seit Jahresbeginn – schaffen zu können.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Auf den ersten Blick mag irritieren, dass der Konzern für das Gesamtjahr nur höchstens 1,95 Milliarden Euro als Ergebnis erwartet, wenn alleine im dritten Quartal bereits ein bereinigten Ebit von 1,2 Milliarden Euro in den Büchern steht. Doch das erklärt sich mit dem in der Branche üblichen schwachen Jahresauftakt. Im Winter wird weniger geflogen, Lufthansa musste deshalb im ersten Quartal einen bereinigten Betriebsverlust von 167 Millionen Euro verdauen.

Selbst nach sechs Monaten hatte sich dieser Wert gerade einmal auf bescheidene 468 Millionen Euro berappelt. Geld verdienen Airlines vor allem im dritten Quartal, im vierten lässt der Schwung dann schon wieder nach. Die guten Ergebnisse geben Spohr Kraft für den wichtigen Konzernumbau.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×