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18.12.2013

14:53 Uhr

Gutes Reisegeschäft

Tui überrascht mit schwarzen Zahlen

Europas größter Reisekonzern Tui litt lange unter der Flaute in der Touristik. Nun kommt eine überraschende Wende: Die Hannoveraner erzielen einen Gewinn. Und Aktionäre erhalten erstmals seit 2007 wieder eine Dividende.

Analyst über die Aussichten für TUI

„Die Zukunft kann nur gut sein“

Analyst über die Aussichten für TUI: „Die Zukunft kann nur gut sein“

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HannoverDer neue TUI -Chef reißt das Ruder herum: Knapp ein Jahr nach seinem Amtsantritt führt Friedrich Joussen den europäischen Reisemarktführer mit einem tiefgreifenden Umbau und dank guter Buchungen zurück in die schwarzen Zahlen. "Das Jahr hat mir viel Spaß gemacht, es konnte sehr viel bewegt werden", sagte der 50-jährige am Mittwoch in Hannover. Die Sanierung des Konzerns mit 75.000 Mitarbeitern und vielen Marken sei auf Kurs. Nach einer Durststrecke von sechs Jahren winkt den Aktionären wieder eine Dividende: Je Aktie will TUI 15 Cent zahlen. Das Geld dafür nimmt der Traditionskonzern auf unkonventionelle Weise ein: Durch den Verkauf von zwei Immobilien, die noch aus dem Besitz der TUI-Vorgängergesellschaft Preussag stammen. Anleger jubilierten trotzdem: Der Kurs der MDax-Aktie schoss um über vier Prozent nach oben auf 11,78 Euro, ein Fünfjahreshoch.

Mit der Dividendenzahlung kann Joussen ein großes Ziel früher abhaken als erhofft. Der frühere Vodafone -Deutschland-Chef krempelt den Konzern derzeit um, um die Kosten zu senken und TUI für den Kampf mit den zahlreichen Konkurrenten aus dem Internet zu rüsten. "Da gibt es noch viel zu tun, da wird uns nicht langweilig." TUI habe dafür noch Zeit, da Deutsche im Vergleich zu Schweden oder Briten noch selten Reisen im Internet buchen. Bei TUI liege der Anteil in Deutschland unter zehn Prozent.

Deutschlands größte Reiseveranstalter

Platz 7

Schauinsland Reisen - 701 Millionen Euro Umsatz (Stand: 2012)

Die Duisburger haben sich von einem Transportunternehmen zu einem der größten Reiseunternehmer gemausert. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 220 Mitarbeiter.

Platz 6

Aida Cruises - 1,1 Milliarden Euro Umsatz

Der Kreuzfahrtkonzern ist nicht nur der größte Arbeitgeber Mecklenburg-Vorpommerns, sondern auch einer der größten deutschen Reisekonzern. Zur Flotte des Unternehmens gehören derzeit zehn Kreuzfahrtschiffe.

Platz 5

Alltours - 1,4 Milliarden Euro Umsatz

Aus einem kleinen Reisebüro in Kleve hat Willi Verhuven einen der größten deutschen Reisekonzerne geformt. Heute sitzt die Firma in Duisburg.

Platz 4

FTI - 1,62 Milliarden Euro Umsatz

Als das Unternehmen in München gegründet wurde, konzentrierte es sich auf Reisen in den Mittelmeerraum. Inzwischen stehen über 80 Länder im FTI-Katalog.

Platz 3

Rewe-Touristik - 3,18 Milliarden Euro Umsatz

Jahn Reisen, Tjaereborg und Meier's Weltreisen - so heißen die großen Marken, die zum Rewe-Konzern gehören. Gemeinsam erwirtschaften Sie einen großen Teil des Umsatzes des Handelskonzerns.

Platz 2

Thomas Cook - 3,2 Milliarden Euro Umsatz

Durch Condor gehört das Reiseunternehmen aus London auch in Deutschland zu den größten Reiseveranstaltern.

Platz 1

Tui Deutschland - 4,47 Milliarden Euro Umsatz

Kein Touristikkonzern ist breiter aufgestellt als die Tui. Allein in Europa betreiben die Hannoveraner 3500 Reisebüros.

Der Elektrotechnik-Ingenieur Joussen hat von seinem Vorgänger Michael Frenzel ein komplexes Unternehmensgeflecht geerbt: Die TUI AG aus Hannover hat ihr Reisegeschäft vor Jahren nahezu komplett bei TUI Travel in Großbritannien gebündelt. Dieses steuert mehr als 95 Prozent zum Jahresumsatz von 18,5 Milliarden Euro bei. Mittlerweile bereuen die Niedersachen den Schritt, da sie nicht genug Geld in der Kasse haben, um die restlichen Anteile an der britischen Tochter zu kaufen. Der jüngste Anlauf scheiterte im Januar.

Keine Fortschritte vermeldete Joussen in Sachen Hapag-Lloyd. Der Konzern behalte sich weiter vor, den Anteil von 22 Prozent an der Container-Reederei zu verkaufen oder an die Börse zu bringen. Die mögliche Fusion von Hapag mit dem chilenischen Rivalen CSAV sehe er positiv.

Gut liefen die Geschäfte des Thomas-Cook -Rivalen voriges Geschäftsjahr vor allem dank der Reisefreude von Briten, Deutschen und Skandinaviern: In den zwölf Monaten bis Ende September fuhr TUI unter dem Strich einen Überschuss von 4,3 Millionen Euro ein. Im Zeitraum davor schlug hier noch ein Verlust von 15,1 Millionen Euro zu Buche. Wenig rosig sind jedoch die jüngsten Pauschalbuchungszahlen für den Winter, die acht Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen. Problemfall ist hier Frankreich mit einem Minus von 37 Prozent. Joussen begründet den Absturz mit der politisch unübersichtlichen Lage in Nordafrika. Viele Franzosen machten deshalb einen weiten Bogen um die einst beliebten Badedestinationen in Tunesien oder Ägypten. TUI reagiert und nimmt Flieger und Hotels aus dem Markt.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

18.12.2013, 09:58 Uhr

Joussen: Erstaunlich was eine fähige Person bewegen kann
Frenzen: Erstaunlich wie lange eine offensichtlich unfähige Person im Amt bleiben kann.

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