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12.10.2012

17:12 Uhr

Hafner will nicht mehr

Praktiker-Chef geht von Bord

Gestern nimmt Aufsichtsratschef Kersten von Schenk seinen Hut, heute will der Vorstandschef nicht mehr. Kay Hafner bittet um die vorzeitige Auflösung seines Vertrages – der dritte Chefwechsel binnen anderthalb Jahren.

Will nicht mehr weiter machen: Der Vorstandsvorsitzende der Praktiker AG, Kay Hafner. dapd

Will nicht mehr weiter machen: Der Vorstandsvorsitzende der Praktiker AG, Kay Hafner.

FrankfurtDer angeschlagene Baumarktkonzern Praktiker wechselt zum dritten Mal binnen anderthalb Jahren seinen Vorstandschef aus. Der amtierende Vorstandsvorsitzende Kay Hafner hat um vorzeitige Auflösung seines Vertrags zum Ablauf des 14. Oktober gebeten, teilte Praktiker am Freitag im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung mit. Sein Nachfolger wird der Aldi-Manager Armin Burger, der seit August dieses Jahres im Kontrollgremium des Konzerns sitzt und als Favorit galt.

Die beliebtesten Baumärkte

Ruinöser Preiskampf

Experten sind sich weitgehend einig: In Deutschland gibt es schlichtweg zu viele Baumärkte. Unter diesen Bedingungen ist der Preiskampf hoch und die Margen gering. Es folgt eine Übersicht über die beliebtesten Baumärkte.

Platz 10

Auf Rang zehn liegt Marktkauf. 3,2 Prozent der befragten Deutschen gaben an, 2010 dort eingekauft zu haben. 32,7 Prozent der 23.000 Befragten gaben übrigens an, gar keinen Baumarkt besucht zu haben.

Platz 9

Auf Platz 9 landet Hellweg Baumarkt mit 3,7 Prozent.

Platz 8

Die Globus-Kette steht auf Rang acht: 4,6 Prozent der Befragten gaben an, hier eingekauft zu haben.

Platz 7

Max Bahr rangiert auf dem sechsten Platz mit einem Anteil von 5,5 Prozent.

Platz 6

Nicht unter den Top-Five steht Bauhaus, nämlich nur auf Rang sechs. Mit 9,3 Prozent liegt die Kette nur knapp hinter ...

Platz 5

... Hornbach. Die auch durch intensive TV-Werbung recht bekannte Kette kommt auf zehn Prozent.

Platz 4

Knapp davor rangiert mit 10,4 Prozent Hagebaumarkt.

Platz 3

Etwas überraschend liegen die Baumärkte von Toom vor der Konkurrenz von Hagebaumarkt und Hornbach. Allerdings nur knapp: 10,6 Prozent der Befragten gehen hier gern shoppen.

Platz 2

Mit deutlichem Abstand liegen die beiden Dickschiffe der Branche vorne. Die Silbermedaille geht an Praktiker. Die Kette befindet sich in einem umfangreichen Umbauprozess und musste dabei so manchen Rückschlag einstecken. 20,8 Prozent der Deutschen waren 2010 in einem der blau-gelben Märkte.

Platz 1

Branchenführer im Hinblick auf die Beliebtheit ist Obi. Der Wert liegt bei 26,3 Prozent.

Bei Aldi leitete Burger, der aus dem Schwarzwald stammt und in Wien lebt, von 1999 bis 2008 erfolgreich die österreichische Aldi-Süd-Tochter Hofer, bevor er 2009 den Großbritanien-Chef Paul Foley ablöste. Der Manager fühlt sich auch im Einzelhandel wohl, wo er mit „Avenue 18“, das sich auf koschere Nahrung spezialisiert, und „Victualia“ zwei Lebensmittelhandelsfirmen gestartet hat. Burger ist außerdem geschäftsführender Direktor des Immobilieninvestors Vienna Estate.

Die größten deutschen Firmenpleiten

Platz 16

Schlott

Druckerei/1480 Beschäftigte

(Quelle: Statista)

Platz 15

Hansa

Pflegeheim/1600 Mitarbeiter

Platz 14

Mäc Geiz

Discounter/1600 Mitarbeiter

Platz 13

Sellner

Autozulieferer/1600 Mitarbeiter

Platz 12

Escada

Modekonzern/2200 Mitarbeiter

Platz 11

Q-Cells

Solarindustrie/2300 Mitarbeiter

Platz 10

Schiesser

Textilhersteller/2300 Mitarbeiter

Platz 9

Edscha

Autozulieferer/2300 Mitarbeiter

Platz 8

Wadan-Werften

Schiffsbau/2400 Mitarbeiter

Platz 7

Honsel

Autozulieferer/3000 Mitarbeiter

Platz 6

Karmann

Autozulieferer/3400 Mitarbeiter

Platz 5

Quimonda

Chiphersteller/4600 Mitarbeiter

Platz 4

Manroland

Maschinenbauer/6500 Mitarbeiter

Platz 3

Woolworth

Kaufhaus/9300 Mitarbeiter

Platz 2

Schlecker

Drogeriekette/25.000 Mitarbeiter

Platz 1

Arcandor

Handel und Touristik/52.000 Mitarbeiter

Der einstige Hertie-Chef Hafner war im Mai aus dem Aufsichtsrat für drei Monate befristet an die Vorstandsspitze delegiert worden, um den geschassten Konzernchef Thomas Fox zu ersetzen. Dass er den Vorstandsvorsitz abgibt, kommt nicht unerwartet. Vor allem der Großaktionär Semper Constantia, der zusammen mit dem zypriotischen Fonds Maseltov 15 Prozent der Praktiker-Anteile kontrolliert, hat seit Monaten mit Hafner gerangelt. Viele Aktionäre hatten dem Handelsexperten die Sanierung nicht zugetraut. Vor allem das von Hafner als „alternativlos“ bezeichnete Angebot von Anchorage hatte auf der Hauptversammlung am 4. Juli für Unmut gesorgt.

Der US-Finanzinvestor hatte der maladen Baumarktkette ein Darlehen über 85 Millionen Euro angeboten, dass Isabella de Krassny - Vertreterin von Semper Constania und Maseltov - für Wucher hielt. Es war kein Geheimnis, dass sie Hafner gerne durch ihren Wunschkandidaten, den früheren Obi-Manager Andreas Sandmann, ersetzen wollte.

Auch im Ringen um Gelder für seine Sanierung ist Praktiker am Freitag einen weiteren Schritt vorangekommen. Mit dem Abschluss eines Kredits über 15 Millionen Euro von einem Privatinvestor sei das angestrebte Darlehenspaket komplett, erklärte das Unternehmen. Der Kredit werde von der Etris-Bank des Einkaufsbüros deutscher Eisenhändler (EDE) gewährt, sagten zwei mit der Transaktion vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Sprecher des Verbunds, in dem 1400 mittelständische Handelsunternehmen zusammengeschlossen sind, sagte dazu lediglich, die Etris-Bank habe ein Finanzgeschäft getätigt.

Kommentare (3)

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Bauer

12.10.2012, 13:09 Uhr

ob Praktiker noch zu retten ist?
Der AR Chef & der CEO werden wohl nicht umsonst das Handtuch geworfen haben
...als ob die 20 mio ausreichen, um die Märkte zu renovieren!
sind hier auch krasse Managementfehler, die vielleicht Praktiker pleite machen?
Die riesigen verluste können nicht NUR mit der Preistrategie (20% auf alles...) zu tun haben!

tomtigerxxl

12.10.2012, 13:58 Uhr

Es wird bei der Umrüstung laufen wie in der Vergangenheit. Ein paar flaggschiffe werden für die Investoren hübsch gemacht und dann wird abgespeckt. Ein Komplettumbau dürfte zwischen 750k€ und einer Mio kosten. Man kann sich ausrechnen, wieviele Märkte also umgebaut werden können, bis die Kasse leer ist. Ratlos ist man wohl noch bei der Verwertung der alten "Hütten", die sich nicht auf Bahr umrüsten lassen. Bei Easy-to-shop war es dasselbe.

Man sollte vielleicht mal jemanden aus der Branche als CEO einstellen, und keine Finanzfuzzies. Was soll denn ein Aldimanager reissen? Er kennt doch nur vorwärts und Kosten sparen.

Bauer

12.10.2012, 14:12 Uhr

750k EUR reichen bei Weitem nicht aus, um ein Markt komplett umzubauen, es geht um mehrere Milionen / Markt
das Problem sind nicht die Finazfuzzies (ich bin auch einer!), denn die haben zig "Manager" gewechselt in den letzten Jahren; das Problem ist, dass sie nicht wissen, was sie tun sollen

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