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30.10.2015

09:13 Uhr

Halloween

Die hässlichsten Kürbisse der Welt

Blaue, rosafarbene, weiße mit roten Venen – Familie Ackerman aus Illinois baut richtig hässliche Kürbisse an. Warum? Weil Amerikaner vor Halloween nicht genug von ihnen bekommen können. Denn je hässlicher, desto besser.

Blaue Kürbisse, rosafarbene und weiße mit roten Venen – Familie Ackerman in Illinois baut die bizarrsten Kürbisse an. dpa

Kürbisse

Blaue Kürbisse, rosafarbene und weiße mit roten Venen – Familie Ackerman in Illinois baut die bizarrsten Kürbisse an.

Die Familie Ackerman aus dem US-Bundesstaat Illinois baut seit 1999 orangefarbene Kürbisse an, die von den meisten Amerikaner an jedem Halloween in eine „Jack O'Lantern“ verwandelt werden – eine ausgehöhlte Kürbislaterne mit eingeschnitzter Fratze. Doch in den letzten Jahren ist die Sache noch viel bizarrer geworden.

Das ist volle Absicht. Eine Menge Kunden kaufen zu dieser Jahreszeit zwar noch immer die traditionellen Kürbisse, doch die Nachfrage nach anderen Farben, Formen und Deformierungen ist explodiert. Darunter finden sich beispielsweise rosafarbene Exemplare, weiße mit roten Venen oder solche, die mit knolligen Warzen übersät sind. Die Ackermans verkaufen nun 160 unterschiedliche Sorten, konstatiert John Ackerman. Er hatte vor 16 Jahren aus einer Laune heraus ein paar blaue Kürbisse angebaut, um das Einkommen aus der Viehzucht und dem Anbau von Mais und Sojabohnen aufzubessern, die sich seit 1909 in der Familie befinden.

„Die Leute kommen her, sehen den Kürbis und sagen: 'Das ist das hässlichste Ding, das ich jemals gesehen habe'“, sagt telefonisch von seiner Farm in Morton aus, auf der 30 Hektar für Kürbisse vorgesehen sind. „Und die nächsten Worte aus ihrem Munde wären: 'Bitte gib mir drei von denen!'“

Halloween: Geschichte und Geschäft

Der Tag

Halloween wird am 31. Oktober gefeiert, dem Vorabend des Allerheiligentages (englisch: „(All) Hallows' Eve(ning)“.

Keltische Wurzeln

Die Tradition, schauerlich grinsende Kürbisköpfe aufzustellen, hat ihren Ursprung in einem Fest der Kelten, dem Samhain („Ende des Sommers“).

Geister beschwichtigen

In der irischen Mythologie kommen im Jahr zuvor Gestorbene in dieser Nacht aus dem Totenreich zurück. Geister und Dämonen ziehen mit ihnen umher. Opfer sollen böse Wesen besänftigen, Masken erschrecken und Feuer vertreiben.

Über Einwanderer in die USA

Einwanderer aus Irland brachten Ende des 19. Jahrhunderts den Brauch in ihre neue Heimat USA. Halloween wird dort mit Umzügen, gruseligem Schabernack und makabren Partys gefeiert. Aus Amerika kam der Brauch nach Europa zurück.

In Deutschland noch neu

War Halloween vor einigen Jahren hierzulande noch nahezu unbekannt, fordern inzwischen auch in Deutschland viele verkleidete Kinder an den Türen Geschenke und drohen mit Streichen („Süßes oder Saures“). Erwachsene feiern Gruselpartys.

Dickes Geschäft

Rund 200 Millionen Euro lassen sich die Deutschen jährlich den Spaß kosten. Davon werden knapp 31 Millionen laut Fachgruppe Karneval im Verband der Spielwaren-Industrie allein für Grusel-Kleidung und Monster-Masken für Kinder und Erwachsene ausgegeben.

Kritik aus der Kirche

Die Kirchen stehen dem Geister-Boom kritisch gegenüber. Katholiken fürchten, dass das Totengedenken an Allerheiligen einer Spaßkultur zum Opfer fällt. Protestanten sehen ihren am 31. Oktober begangenen Reformationstag in Gefahr.

Für seltsam aussehende und ungewöhnliche Kürbisse bekommen die Bauern einen strammen Aufschlag gezahlt. Saatgutunternehmen wie W. Atlee Burpee und Rispens Seeds haben auf die Nachfrage reagiert und hunderte neue Varianten entwickelt. Die schrulligeren Kürbisse gewinnen einen größeren Anteil am wachsenden Markt für dekorative Kürbisse in den USA, sagt Mohammad Babadoost, Professor für Pflanzenpathologie an der Universität von Illinois in Urbana.

Kürbisse, „die einzigartig und andersgeartet sind, werden von den Konsumenten zuerst gekauft“, weil sich die meisten mit ihren saisonalen Dekorationen von der Masse abheben wollen, erklärt Phil King, Manager für Vertriebskommunikation von Rupp Seeds in Wauseon, Ohio. Das Unternehmen verkauft 78 Variationen von Kürbiskernen und damit fast das Doppelte des Sortenangebots von vor zwei Jahrzehnten.

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