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02.11.2017

11:18 Uhr

Hamburg-Köln-Express

Flixbus lässt den HKX wieder fahren

Flixbus lässt nach Locomore nun auch den Hamburg-Köln-Express wieder rollen. Zu den Weihnachtsfeiertagen soll die Privatbahn wieder fahren. Ein einmaliges Projekt oder ein Testlauf für größere Pläne?

Anfang Oktober hatte HKX bekannt gegeben, den Betrieb bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 pausieren zu lassen. dpa

Hamburg-Köln-Express

Anfang Oktober hatte HKX bekannt gegeben, den Betrieb bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 pausieren zu lassen.

Köln/MünchenOffiziell soll es sich laut Flixbus bei der Wiederaufnahme des Hamburg-Köln-Express (HKX) zunächst nur um eine temporäre Kooperation handeln. Rund zwei Monate nach dem Relaunch des Locomore zwischen Berlin und Stuttgart hilft das Busunternehmen aus München erneut einem privaten Fernzugbetreiber auf die Beine – und wagt sich damit abermals auf die Schiene. Flixbus soll nun den Verkauf der HKX-Tickets übernehmen. Das Verkehrsunternehmen BahnTouristikExpress aus Nürnberg betreibt in der Zeit den Zug.

Es könnte ein Vorgeschmack auf Größeres sein. „Wir glauben, dass die Vernetzung von öffentlichen Verkehrsmitteln auch in Deutschland die Zukunft der Mobilität ist“, sagt Flixbus-Chef André Schwämmlein. Intermodale Konzepte seien eine Alternative zum eigenen Auto. Wie auch in der Vergangenheit bewirbt Flixbus das neue Angebot aggressiv mit niedrigen Preisen.

Private Zugbetreiber: Konkurrenz fährt der Bahn davon

Private Zugbetreiber

Konkurrenz fährt der Bahn davon

Lange galt die Deutsche Bahn auf der Schiene als konkurrenzlos. Doch die Wettbewerber des Staatskonzerns erkämpfen sich immer mehr Marktanteile. Für den Kunden sinken die Preise bislang trotzdem nicht.

Erst im August gründete das Unternehmen die Gesellschaft Flixtrain. Während Flixbus in Deutschland erst seit wenigen Monaten den Fahrkartenvertrieb von Locomore verantwortet, läuft der Ticketverkauf in Tschechien und Österreich für Züge schon seit 2015.

Einer der Gründe für die Expansion auf die Schiene könnte auch die marktbeherrschende Position im Fernbussegment sein: MeinFernbus, Megabus, ADAC Postbus, Hellö - sie alle hat sich Flixbus in den vergangenen Jahren einverleibt. Mittlerweile hält das Unternehmen nach Angaben des Berliner Marktforschungsinstitut Iges 94 Prozent des Fernbusmarktes. Eurolines schafft es noch auf drei Prozent. DeinBus, Regiojet oder der IC Bus, der zur Deutschen Bahn gehört, und andere teilen sich die wenigen Restprozente.

Der Fernbus-Markt

Wie viele Passagiere gab es 2016?

Die Fernbusse auf Deutschlands Straßen haben sich etabliert. 25 Millionen Passagiere werden wohl 2016 mit der deutschen Fernbus-Flotte unterwegs gewesen sein. Der Markt ist hart umkämpft. Viele haben es versucht, manche sind gescheitert, andere wurden geschluckt, einer hat den Markt im Griff.

Wer hat im Markt das Sagen?

Seit 2016 definitiv der unangefochtene Marktführer Flixbus. Marktanteil: etwa 80 Prozent. Das Unternehmen, das als Start-up begann, übernahm im Vorjahr den jungen Rivalen Megabus und die Nummer drei, Postbus. Seit 2015 sind die grünen Busse auch international unterwegs. Seit der Gründung nutzten 60 Millionen Fahrgäste Flixbusse, allein 2015 waren es europaweit 20 Millionen Fahrgäste. 2016 werden es nach Unternehmensangaben wohl 30 Millionen sein. Das Unternehmen zählt über 1000 Beschäftigte. Hinzu kommen mehr als 5000 Fahrer bei rund 250 regionalen Buspartnern, davon 150 in Deutschland.

Was sind die Probleme?

Für Kunden ist es an vielen Orten oft nicht ganz so entspannt, in die Fernbusse einzusteigen. Kein Dach, keine Toiletten, nichts zum Sitzen: An vielen Fernbusbahnhöfen im Land ist das Reisen wenig bequem. Hitzig debattiert wird über die Einführung einer Fernbus-Maut, mit der auch die Infrastruktur finanziert und verbessert werden soll. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Martin Burkert (SPD), nennt für die Maut 0,4 Cent pro Fahrgast und Kilometer als Richtgröße. „Ich glaube, die Menschen wären bereit, das zu zahlen, wenn sie dafür eine vernünftige Businfrastruktur, also etwa ordentliche Busbahnhöfe mit Kiosk und Toiletten bekämen“, sagte er gerade erst der Deutschen Presse-Agentur.

Wie steht die Branche zu einer Maut?

„Verkehrter Ansatz“, ist die Ansicht des Internationalen Bustouristik Verbandes RDA. Am Fernbus-System seien nur einige Hundert Busunternehmen beteiligt, die für Portale wie Flixbus und andere als Auftragnehmer führen. Die übrigen rund 3800 deutschen privaten Busunternehmen profitierten nicht von diesem Geschäft, so RDA-Hauptgeschäftsführer Dieter Gauf. „Wenn jetzt eine Maut für Reisebusse eingeführt würde, würden eine große Anzahl von Unternehmen, die ganz hart für ihr Überleben kämpfen, und auch deren Kunden bestraft.“

Profitiert die gesamte Branche von Fernbussen?

Einerseits ja, denn der Verband RDA konstatierte in den vergangenen Jahren einen „enormen Image-Gewinn“ für die Branche durch die Fernbusse, die die Busse vom verstaubten Verkehrsmittel für Ältere zur hippen Alternative auch für die jüngere Generation machten. „Die Fernbusse haben die Zielgruppen zwischen 20 und 55 Jahren in den Bus gebracht“, so Gauf. Mit Sorge betrachtet man in der Branche aber das zunehmende Engagement von Flixbus im Mietomnibusgeschäft, bei dem etwa der Kegelverein einen Bus für seine Tour mietet. Das ist eigentlich die Domäne lokaler Busanbieter.

Wer ist die Konkurrenz?

Im Wettbewerberfeld treten weniger Fernbusse gegen Fernbusse an. Die Linie verläuft eher zwischen Straße, Schiene und Luft, also Bus, Bahn und Billigflieger. Die Bahn hatte 2016 mit Fahrschein-Sonderangeboten für 19 und 29 Euro auf die Konkurrenz reagiert und dadurch im ersten Halbjahr die Fahrgastzahlen in den ICE- und Intercity-Zügen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10,6 Prozent auf 66,7 Millionen erhöht.

Wird das Streckennetz ausgedünnt?

Das ist noch schwer abzusehen. Bundesweit gibt es knapp 300 Fernbuslinien mit wöchentlich etwa 4200 Hin- und Rückfahrten. Zumindest der Marktführer setzt auf Expansion. „Schon jetzt sind Strecken wie Lüdenscheid-Venedig oder Freilassing-Wien im Netz, direkt und ohne Umstieg. Bis zum Frühjahr kommen nochmal 50 neue Klein- und Mittelstädte hinzu, zum Teil mit internationaler Anbindung“, verspricht André Schwämmlein, Gründer und Geschäftsführer von Flixbus.

Längst hat die Deutsche Bahn den Ernst der Lage erkannt: Seit der Liberalisierung des Fernbuslinienverkehrs 2013, als noch Dutzende Fernbusunternehmen um die Gunst der Kunden buhlten, gingen die Fahrgastzahlen bei der Bahn nach unten. Das lag nicht zuletzt an den Kampfpreisen der Fernbusse - einstellige Ticketpreise für deutsche und europäische Fahrten waren keineswegs unüblich.

Erst mit dem Start der Sparpreis-Kampagne der Bahn 2015 saßen wieder mehr Menschen in Fernverkehrszügen. Zwischen 2014 und 2016 ging die Zahl der Fahrgäste von 129 Millionen auf 138,4 Millionen nach oben. Flixbusse beförderten im gleichen Jahr rund 30 Millionen Passagiere.

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