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02.12.2016

15:28 Uhr

Hamburg Süd

Demo für die deutsche Flagge

VonChristoph Kapalschinski

Die Oetker-Tochter Hamburg Süd wird an den Konkurrenten Maersk verkauft. Doch die Mitarbeiter misstrauen den Versicherungen von Maersk-Chef Skou: Sie fordern schriftliche Garantien für Arbeitsplätze und den Standort.

Übernahme durch Konkurrent Maersk

Zu viel Kapitalbedarf – Oetker verkauft Hamburg Süd

Übernahme durch Konkurrent Maersk: Zu viel Kapitalbedarf – Oetker verkauft Hamburg Süd

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HamburgDer Verkauf der Oetker-Reederei Hamburg Süd an den dänischen Konzern Maersk führt zu Unruhe unter den Mitarbeitern. Am Freitagmittag zogen rund 300 von ihnen vom Hamburg-Süd-Hochhaus zum Rathaus. Ihre Forderung: schriftliche Garantien für den Standort Hamburg und für die deutsche Flagge, unter der die Schiffe bislang fahren.

„Wir haben nicht nur Angst um unsere Arbeitsplätze, sondern wir fürchten auch, dass das den Todesstoß für den Schifffahrtsstandort Hamburg bedeutet“, rief Mathias Günther, Betriebsrat der Hamburg-Süd-Tochter Columbus. „Sicherlich gibt es eine Krise in der Schifffahrt. Aber muss man deshalb nun einen großen Teil der deutschen Schiffsflotte ins Ausland verkaufen?“

Oetker-Gruppe: Nicht nur Pudding, Pizza und Backmischung

Containerschifffahrt

Die Reederei Hamburg Süd hat 2015 mit knapp 6000 Beschäftigen über sechs Milliarden Euro umgesetzt. Dabei steht das Süd nicht für einen südlichen Stadtteil der Hansestadt sondern für das ursprüngliche Liniengeschäft zwischen Hamburg und Südamerika. 1871 wurde das Unternehmen unter dem Namen „Hamburg Südamerikanischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft“ von Hamburger Handelshäusern gegründet. Dr. Oetker stieg in den 1930er-Jahren als Investor ein.

Nahrungsmittel

Tiefkühlpizza, Backpulver und Backmischungen, Pudding – kaum ein deutscher Haushalt kommt ohne Produkte aus Bielefeld aus. 2015 setzte Dr. Oetker in dieser Sparte knapp 3 Milliarden Euro um. Und das mit fast 15.000 Mitarbeitern. Wachstum generiert Dr. Oetker vor allem durch Zukäufe im Ausland wie in Nordamerika, Australien und Mexiko. Aber auch auf dem heimischen Markt hat Dr. Oetker in den vergangenen Jahren Marken übernommen. So zählt der Tiefkühlanbieter Coppenrath & Wiese aus Osnabrück seit 2015 zum Konzern und liefert im laufenden Jahr voraussichtlich rund 400 Millionen Euro Umsatz zu.

Getränke

Mit der Tochter Radeberger Gruppe in Frankfurt/Main ist Oetker Marktführer auf dem deutschen Biermarkt. Zu den mehr als 40 Marken gehören Radeberger, Jever, Schöfferhofer und Clausthaler. Die Tochter Henkell stellt Sekt und Spirituosen her (Fürst von Metternich, Wodka Gorbatschow). Im vergangenen Jahr setzte die Gruppe knapp 690 Millionen Euro mit rund 2000 Mitarbeitern um.

Bank, Hotels und Chemie

Das Bankhaus Lampe, Luxushotels und eine Chemiefabrik gehören ebenfalls zu den 417 Unternehmen der Oetker-Gruppe.

Die Demonstranten trugen ein Transparten mit der Aufschrift: „1000 Arbeitsplätze vor dem Aus? Ist Verkaufen das beste Rezept.“ Viele schwenkten die Flagge der Reederei. Die Gewerkschaften waren nicht dabei, Organisatoren waren die Betriebsräte.

Maersk-Chef Søren Skou hatte zwar im Handelsblatt-Interview betont, Marke und Zentrale von Hamburg Süd sollten erhalten bleiben. Eine Garantie für alle Arbeitsplätze sei aber nicht möglich. Verkehr solle zunächst nicht von Hamburg abgeleitet werden. Allerdings setzt Maersk drauf, größere Schiffe für den Verkehr nach Südamerika einsetzen zu können, über die Hamburg Süd bislang nicht verfügt. Das würde die Kosten reduzieren.

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Die Containerreedereien sind vom Niedergang der Frachtraten schwer gebeutelt. Auf den Weltmärkten fahren sie derzeit vor allem eines ein: Verluste. Hamburg Süd hatte es als Einzelkämpfer schwer. Maersk will das ändern.

„Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass sich für uns nichts ändert“, sagte Betriebsrat Günther dem Handelsblatt. Wenn Maersk Synergien heben wolle, bedeute das eine Gefahr für mehrere Sparten von Hamburg Süd. Daher seien Arbeitsplätze auch dann in Gefahr, wenn die Zentrale erhalten bleibe. Er forderte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) auf, sich in die Verhandlungen einzuschalten und Garantien zu fordern. „Der Verkauf ist beschlossene Sache, der Untergang der deutschen Seefahrtflotte und des Schifffahrtsstandorts sind es nicht“, sagte Günther.

Eine Sprecherin der Hamburgischen Wirtschaftsbehörde sagte auf Anfrage, Senator Horch werde das Gespräch suchen, um die Bedeutung des Standorts Hamburg zu unterstreichen. In die Verhandlungen selbst könne sich die Politik nicht einschalten. Zunächst wolle sich Horch im Gespräch mit dem Maersk-Management ein Bild von den Planungen machen. In einer ersten Stellungnahme hatte er erklärt, er fürchte keine negativen Auswirkungen für den Hamburger Hafen.

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