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07.02.2013

13:08 Uhr

Hamburger Hafen

Konjunkturflaute erfasst Hafenkonzern HHLA

Der Warenverkehr nach Asien stockt. Das beschert dem Hamburger Hafen- und Logistikkonzern HHLA einen Umsatz- und Gewinnrückgang. Die Anleger greifen dennoch zu der Aktie. Analysten hatten Schlimmeres erwartet.

Containerterminal des Hamburger Hafen. Der Warenverkehr nach Asien geht zurück. dpa

Containerterminal des Hamburger Hafen. Der Warenverkehr nach Asien geht zurück.

HamburgDie Hängepartie bei der Elbvertiefung und die Flaute im wichtigen Warenverkehr mit Asien haben dem Hamburger Hafen- und Logistikkonzern HHLA einen Umsatz- und Gewinnrückgang eingebrockt. Während die Erlöse im Containerumschlag im abgelaufenen Jahr um knapp acht Prozent auf 1,1 Milliarden Euro schrumpften, sank der Betriebsgewinn um elf Prozent auf 173 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

Im Finanzergebnis schlugen zudem hohe Wertberichtungen auf Beteiligungen zu Buche. Dennoch griffen Anleger beherzt zu und schickten die HHLA-Aktie mit einem Kursaufschlag von fast sechs Prozent an die Spitze der Gewinnerliste im MDax. Analysten hatten mit schlechteren Zahlen gerechnet.

"Die HHLA hat sich 2012 in einem schwierigen Umfeld gut behauptet", sagte HHLA-Vorstandschef Klaus-Dieter Peters. Das Unternehmen habe mehr verdient als seine Kapitalkosten und seinen Wert erneut gesteigert.

Den Ergebnisrückgang begründete das Unternehmen mit Zusatzkosten aufgrund der Verzögerungen bei der Elbvertiefung. Die Baggerarbeiten ruhen derzeit, weil Umweltverbände beim Bundesverwaltungsgericht geklagt haben. Da die Reeder zudem immer größere Schiffe einsetzen, für die die Elbe nur zu bestimmten Zeiten ausreichend Wasser führt, sind die Zeitfenster klein, in denen die Container be- und entladen werden können. Dies lässt die Kosten anschwellen.

Die größten Werft-Pleiten Deutschlands

Mai 1996

Der Bremer Vulkan geht als größter deutscher Werftenverbund in Konkurs. Knapp 2000 Beschäftigte verlieren ihren Job. Der Konzern hatte umgerechnet mindestens 435 Millionen Euro Subventionen zweckentfremdet, die eigentlich für Tochterfirmen in Ostdeutschland bestimmt waren. Der im Herbst 1995 zurückgetretene Vorstandschef Friedrich Hennemann und zwei weitere Mitarbeiter werden später wegen Untreue zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Februar 2004

Die Lloyd Werft Bremerhaven mit rund 500 Beschäftigten beantragt Insolvenz. Die finanziellen Probleme entstanden vor allem durch die Havarie des gekenterten Kreuzfahrtschiffes „Pride of America“. In der Folgezeit gelingt die Sanierung des Unternehmens, 2006 steigen die italienische Staatswerft Fincantieri und eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes Bremen als Gesellschafter ein. 2011 arbeiten 200 Menschen bei Lloyd.

September 2008

Die Kieler Traditionswerft Lindenau stellt Insolvenzantrag. Die auf Doppelhüllen-Tanker spezialisierte Werft verfügt nach eigenen Angaben über Aufträge von zusammen 225 Millionen Euro. Anfang 2012 geht der Millionenauftrag für eine größere Reparatur des Marine-Segelschulschiffes Gorch Fock an die Konkurrenz. Von den ehemals 370 Beschäftigten arbeiten noch 38 bei Lindenau.

Januar 2009

Die Bremerhavener Schichau Seebeck Werft meldet Insolvenz an. Offene Verbindlichkeiten bei Lieferanten konnten trotz eines gut gefüllten Auftragsbuches nicht beglichen werden. Auf der Werft arbeiten mehr als 300 Beschäftigte. Kurz darauf wird die Werft geschlossen.

Juni 2009

Für die Wadan-Werften in Wismar und Rostock-Warnemünde wird trotz staatlich verbürgter Kredite in dreistelliger Millionenhöhe Insolvenz beantragt. Es scheitern zunächst alle Versuche, vorhandene Aufträge zu sichern und neue Investoren zu finden. Im August stimmt der Gläubigerausschuss dem Verkauf an den russischen Investor Igor Jussufow zu, der mit 40,5 Millionen Euro einsteigt. Auf den später in Nordic Yards umbenannten Werften arbeiten 2011 noch knapp 970 der einst 2400 Beschäftigten.

November 2011

Deutschlands älteste Werft, die Hamburger Sietas-Gruppe, geht in die Insolvenz. Im Juni 2012 wird das Unternehmen zerschlagen: Die Sietas-Werft geht an die niederländische Veka-Gruppe. Die Bremer Lürssen-Gruppe übernimmt die Reparaturwerft Norderwerft. Die norwegische TTS Group ASA erhält den Zuschlag für die Neuenfelder Maschinenfabrik. Seit dem Insolvenzantrag sind 350 der ehemals 1000 Arbeitsplätze gestrichen worden.

29. August 2012

Die P+S-Werften stellen beim Amtsgericht Stralsund einen Insolvenzantrag für die beiden Schiffbaubetriebe in Stralsund und Wolgast. Knapp 2000 Beschäftigte bangen um ihre Jobs.

Zugleich wurden mehr Container im Zubringerverkehr (Feeder) transportiert, an deren Verladung die HHLA weniger verdient. Dagegen wurden weniger Boxen auf der wichtigen Route zwischen Asien und Europa verschifft. Insgesamt stieg die Zahl der an den Kaimauern in Hamburg und dem Schwarzmeerhafen Odessa bewegten Standardkisten um 1,4 Prozent auf 7,2 Millionen Stück. Das kam bei Experten gut an. Vor allem das unerwartet hohe Umschlagsvolumen sei eine positive Überraschung, schrieb Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher in einem Kommentar.

Im Konzern, zu dem neben der Logistik auch das Immobiliengeschäft gehört, sanken Umsatz und Betriebsgewinn ebenfalls. Damit lag die HHLA im Rahmen ihrer im Sommer heruntergeschraubten Prognose. Die endgültigen Geschäftszahlen und einen Ausblick für das laufende Jahr will das Unternehmen am 27. März bekanntgeben.

Von

rtr

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