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18.06.2016

12:26 Uhr

Handel

Warum Discounter in Südafrika durchstarten könnten

VonChristoph Kapalschinski, Wolfgang Drechsler

Die südafrikanischen Supermarktketten profitieren von hohen Preisen. Könnten die deutschen Discounter Lebensmittel in dem Land bezahlbarer machen?

Wagen die Discounter den Schritt nach Afrika? dpa

Aldi und Lidl

Wagen die Discounter den Schritt nach Afrika?

KapstadtEs war ein jahrelanger Kampf für Gareth Ackerman. Der Sohn des Gründers der südafrikanischen Supermarktkette Pick n Pay hat lange vergeblich versucht, das hochkarätigste Treffen der Konsumbranche in seine Heimatstadt Kapstadt zu bringen. Und nun, im Juni 2016, als er am Ziel ist, ist ausgerechnet der ganz große Enthusiasmus der vergangenen Jahre für den Kontinent verflogen. Die Spitzenmanager von 50 internationalen Konzernen, versammelt im Konsumgüterforum CGF, schauen kritisch auf den Kontinent, nachdem dessen Rohstoffeinnahmen deutlich zurückgegangen sind.

„Die gefallenen Rohstoffpreise drücken sicherlich das Wachstum. Aber Afrika bleibt die letzte ungenutzte Chance für viele“, beteuert Ackerman im Gespräch mit dem Handelsblatt am Rande der Konferenz.

Eine Chance bietet der Kontinent auch dort, wo es Ackerman wenig gefallen könnte: Südafrikas organisierter Einzelhandel, fest in der Hand von vier großen Spielern, wäre nach Meinung von Experten ein fast perfekter Ort für die weitere Expansion von Discountern, also allen voran die international tätigen deutschen Ketten Aldi und Lidl. Schließlich haben die Deutschen bereits in Großbritannien, den USA und sogar Australien gezeigt, dass sie Märkte umkrempeln können.

„Es ist zu hoffen, dass ein Discounter in das Land kommt. Südafrika braucht das“, sagt Bart van Dijk, Landeschef der Beratung AT Kearney. Die Flaute, die auch die Einzelhändler trifft, könne eine Chance sein, den Markt aufzurollen. Tatsächlich war Südafrika seit dem Ende der Apartheid nur in der globalen Finanzkrise so wachstumsschwach wie heute. Und so sagt auch Andrew Cosgorve, Lead-Analyst für Konsumgüter bei der globalen Beratung EY: „Es gibt Platz für einen Discounter in Südafrika.“ Mit preiswerten und gut ausgewählten Produkten könne solch ein Laden-Format die Kunden überzeugen.

AT Kearney-Experte Van Dijk hat die Strukturen auf dem gut 27 Milliarden Euro schweren Markt genau analysiert: Beim Umsatz je Fläche, der wichtigsten Kennzahlen für die Effizienz, liegen Südafrikas Supermärkte weit hinter den europäischen Supermärkten. Zugleich sind die Preise vergleichsweise hoch. Ein Angreifer könnte also mit gut eingespielten Abläufen bei Logistik und Verkauf als Preisbrecher auftreten – und damit sogar Kunden von den informellen selbstständigen Läden in den Townships abwerben.

„Es gibt bislang keinen Hard-Discount in Südafrika“, sagt van Dijk. In anderen Bereichen feierten Preisbrecher beim südafrikanischen Mittelstand bereits Erfolge – etwa H&M. Die südafrikanischen Einzelhändler dagegen sind bislang weitgehend unter sich – allein Wal-Mart ist 2012 bei Massmart eingestiegen, hat aber an den Strukturen wenig verändert. Einen Preiskampf will bislang keiner von ihnen riskieren. Und Walmart-Chef Doug McMillon muss sogar Gerüchte zerstreuen, er wolle am liebsten aus dem Markt aussteigen: „Südafrika ist ein großartiger Markt“, ruft er von der Bühne.

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Der südafrikanische Supermarkt-Unternehmer Gareth Ackerman sieht in Afrika Chancen für deutsche Anleger – und für den Mittelstand. Er warnt jedoch davor, auf dem Kontinent innerhalb weniger Jahre Profit machen zu wollen.

Glaubt der lokale Supermarkt-König Ackerman an einen Angriff der Billigheimer Aldi und Lidl? „Ich hoffe nicht“, sagt er. „Sie sind zwar sehr erfolgreich in der entwickelten Welt, müssten hier aber sicherlich noch viel lernen.“ Probleme etwa durch schlechte Infrastruktur und Strom- und Wassermangel seien den deutschen Discountern unbekannt. Zudem seien die Margen im südafrikanischen Einzelhandel sehr niedrig.

Berater van Dijk will letzteres nicht gelten lassen. Mit fünf Prozent seien die Margen dank relativ hoher Verkaufspreise im Schnitt sogar höher als im internationalen Wettbewerb. Und: Nur zehn Prozent der Produkte in den Supermarktregalen sind Eigenmarken – ein Drittel des deutschen Werts. Mit solchen Produkten kann der Handel jedoch seine Margen steigern und zugleich Preise senken. Discounter wie Aldi und Lidl setzen fast ausschließlich auf solche selbst in Auftrag gegebenen Produkte – und könnten diese wohl auch in Südafrika produzieren lassen. „Die Regierung würde solch einen Vorstoß sicherlich unterstützen. Schließlich brächte er Aufträge auch für den schwarzen Mittelstand und könnte die Preise für die Verbraucher, die oft an der Armutsgrenze leben, deutlich senken“, meint van Dijk.´

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