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14.08.2011

10:43 Uhr

Handel

Wie Fälscher sogar ganze Städte kopieren

VonFinn Mayer-Kuckuk

Chinas Fälscher werden immer dreister. Darunter leiden nicht nur internationale Unternehmen wie Ikea und Apple, sondern immer häufiger auch einheimische Betriebe.

Nachgemachter Ikea-Markt in der südchinesischen Stadt Kumming: Die Schweden wollen klagen. Quelle: Reuters

Nachgemachter Ikea-Markt in der südchinesischen Stadt Kumming: Die Schweden wollen klagen.

PekingDer Kunde war richtig wütend, als er der Unternehmerin Mao Shuhong ein Paar Schuhe auf die Ladentheke knalle. Die Ware sei vor drei Monaten erst gekauft - und schon falle das Leder auseinander, beklagte sich der Mann, der extra für seine Beschwerde in die Hauptfiliale gekommen war. Mao sah sich die Schuhe genauer an. Zwar trugen sie das Logo ihrer Firma, doch sie musste dem Mann erklären: "Da haben sie sich eine Fälschung andrehen lassen."

Auch zehn Jahre nach Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO müssen sich Markenhersteller in China mit groben Schutzverletzungen herumschlagen. Außer globalen Warenzeichen aus Amerika oder Europa trifft der Ärger immer öfter auch chinesische Anbieter - denn diese haben zuletzt immer stärkere eigene Marken aufgebaut. Mao Shuhong beispielsweise bietet in knapp 70 Läden in ganz China selbst gestaltete Lederwaren an. Produktfälschungen sind für die Mittelständlerin mit 150 Mitarbeitern ein Riesenproblem: "Der wirtschaftliche Schaden ist enorm - auch wenn wir zuletzt gute Erfolge im Kampf gegen die Fälscher erzielten."
Dreistigkeit der Fälscher nimmt zu.

Ein gefakter Apple Store in Kunming: Die Behörden haben die Schließung angeordnet. Quelle: Reuters

Ein gefakter Apple Store in Kunming: Die Behörden haben die Schließung angeordnet.

Mao ist in Peking so etwas wie Aktivistin gegen Markenpiraterie geworden. Sie gehört damit zu einer breiten Front von Unternehmen, die sich die Abkupferei nicht länger gefallen lassen wollen - und kämpft Seite an Seite mit bekannten Namen wie Apple oder Microsoft, aber auch großen deutschen Familienunternehmen wie der Freudenberg-Gruppe. Vor kurzem erst hat Mao zusammen mit der Pekinger Handelskammer eine Polizeirazzia in fünf Lagerhäusern angeleiert.

Während die Behörden inzwischen immer öfter einschreiten, nimmt jedoch auch die Dreistigkeit der Fälscher zu - vor allem da, wo prominente Marken im Spiel sind. Im Süden des Landes sind kürzlich innerhalb kurzer Zeit zwei nachgemachte Apple-Stores aufgeflogen. In Kunming, der Hauptstadt der Südwestprovinz Yunnan, war die Ladenfälschung besonders perfekt. Selbst die jungen Mitarbeiter glaubten, für Apple zu arbeiten.

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