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20.07.2014

12:35 Uhr

Handelsexperte

29 Karstadt-Häuser sind bedroht

Welche Karstadt-Filialen werden geschlossen? Nach einer Studie hat jedes dritte Haus keine Chance. Die Mitarbeiter wollen sich nicht mit Schließungen abfinden: Sie fordern von Eigentümer Berggruen ein Sanierungskonzept.

Karstadt-Filiale in Hamburg: Ein Handelsexperte sieht für zahlreiche Warenhäuser keine Zukunft. Reuters

Karstadt-Filiale in Hamburg: Ein Handelsexperte sieht für zahlreiche Warenhäuser keine Zukunft.

Insgesamt 29 der bundesweit 83 Filialen des Essener Warenhaus-Konzerns Karstadt haben nach einem „Focus“-Bericht keine langfristig tragfähige Marktposition. Wie das Magazin in seiner neuen Ausgabe unter Berufung auf eine Studie des Warenhausexperten Gerd Hessert berichtet, reicht die Liste der bedrohten Häuser von Neumünster und Bremerhaven im Norden über Fulda und Mainz in der Mitte bis München sowie Lörrach im Süden.

„An diesen Standorten kommt vieles zusammen: die generelle Konkurrenz durch Online-Anbieter, die sinkende Attraktivität des Warenhauses als Einkaufsstätte, aber auch eine geringe Wirtschaftskraft der Umgebung“, bilanzierte Hessert, der Lehrbeauftragter für Handelsmanagement an der Uni Leipzig ist. Er war früher selbst im Management des Essener Konzerns. Karstadt-Aufsichtsratschef Stephan Fanderl hatte am vergangenen Dienstag in einem Interview gesagt, das Unternehmen mache sich Sorgen um die Profitabilität „von mehr als 20 Häusern“.

Karstadt verfügt derzeit noch über 83 Warenhäuser. Die 28 Sporthäuser sowie die drei Premiumhäuser Kadewe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München wurden im vergangenen Jahr an eine Investorengruppe um den österreichischen Immobilienentwickler René Benko verkauft.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Gewerkschaft und Betriebsrat haben für die angeschlagene Warenhauskette Investitionen und ein Zukunftskonzept verlangt. Zu den Pflichten des Eigentümers Nicolas Berggruen gehöre im Interesse der rund 17.000 Mitarbeiter, ein Konzept zur nachhaltigen Sicherung der Standorte und Arbeitsplätze vorzulegen, verlangte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger in der „Bild am Sonntag“. Karstadt droht die Schließung zahlreicher Filialen, die Zukunft der Beschäftigten ist ungewiss.

Der Vorsitzende des Karstadt-Gesamtbetriebsrats, Hellmut Patzelt, kritisierte in dem Zeitungsbericht, es sei unverständlich, dass der Eigentümer zur aktuellen Lage schweige. Man habe die Unternehmensleitung aufgefordert, unverzüglich Sanierungspläne auf den Tisch zu legen. Der Gesamtbetriebsrat werde sich nicht einfach eine Liste mit Häusern vorlegen lassen, die geschlossen werden sollten.

Kommentare (1)

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Herr D. Dino54

21.07.2014, 09:09 Uhr

"Sie fordern von Eigentümer Berggruen..."

Er ist kein Unternehmer, nur ein Investor, mehr nicht !
Hier wären seriöse, gestandene Unternehmer gefragt !

"Die Mitarbeiter wollen sich nicht mit Schließungen abfinden.."

Werdet Ihr leider, dazu wurden viel zu viele handwerkliche Fehler begangen, in der Vergangenheit !

NUR, last euch nicht Verars..en wie die "Schleckerfrauen", die durch ALIBI-Politik statt qualifizierte Hilfe nur Kosten bisher hatten !

Es werden weiter Einkaufszentren geplant und gebaut auf der "grünen Wiese". Der Stadtkern/Einkaufsstraßen incl. Fachhandel und Karstadt & Co. leiden weiter durch die Leere !

Bekloppte,Kompetenleere Politik !

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