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17.01.2012

10:40 Uhr

Handelsexperte

„Die Warenhäuser haben nicht das geringste Potenzial“

VonTino Andresen

ExklusivNach dem Stopp des Kaufhof-Verkaufs durch Metro beurteilt Thomas Roeb, Handelsexperte der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, die Zukunft der Warenhauskette skeptisch. Dem Ex-Chef des Mutterkonzerns Metro, Eckhard Cordes, stellt er im Interview mit Handelsblatt Online ein vernichtendes Zeugnis aus.

Thomas Roeb ist Handelsexperte der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Pressebild

Thomas Roeb ist Handelsexperte der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Handelsblatt Online: Wie beurteilen Sie den Stopp des Kaufhof-Verkaufs durch Metro?

Thomas Roeb: Jetzt ist die Welt wieder in Ordnung. Ich habe nicht verstanden, dass jemand Kaufhof zum von Metro angepeilten Preis kaufen wollte. Mit meinem betriebswirtschaftlichen Sachverstand ließ sich das nicht erklären. Immerhin gab es jahrelang trotz Verkaufsabsichten keinen ernsthaften Interessenten. Das ist auch kein Wunder: Kaufhof hat keine Wachstumsaussichten und ist nicht sonderlich profitabel. Das jüngste Interesse ließ sich letztlich ohnehin nur über die Immobilien erklären und ob die wirklich den geforderten Preis wert sind, war zweifelhaft.

Was wird jetzt aus den deutschen Warenhäusern? Sind Kaufhof und Karstadt auf Dauer allein überlebensfähig?

Diese Frage stellt sich tatsächlich. Die Unternehmen sind jeweils im Prinzip groß genug. Zusammengelegt sparen sie zwar Zentralkosten. Ihre grundlegenden Probleme werden sich aber auch durch ein Zusammengehen nicht lösen lassen. Sie sind mit ihrem Geschäftsmodell nicht in der Lage, gegen ihre wahren Gegner wie etwa H&M zu bestehen. Wenn die großen Textilspezialisten keine Wachstumsmöglichkeiten mehr in Deutschland sähen und deshalb den Preiswettbewerb intensivieren würden, hätten die Warenhäuser nichts mehr zuzusetzen. Andererseits gelang Kaufhof und Karstadt aber bislang auch nicht die Flucht nach oben. Ihnen fehlt der Premium-Appeal von Peek & Cloppenburg.

Wie geht es für Metro nach dieser Entscheidung weiter?

Für den Konzern ist Kaufhof ein Klotz am Bein, der ihn bremst. Die Warenhäuser haben nicht das geringste Potenzial, binden Management-Kapazität und ihre Situation dürfte sich in den kommenden Jahren eher verschlechtern als verbessern.

Was bedeutet der Verkaufsstopp im Rückblick für die Bilanz des kürzlich abgetretenen Metro-Chefs Eckhard Cordes?

Der Verkaufsstopp ist symptomatisch für seine ganze Karriere bei Metro: Erst große Ankündigung, dann viel Aktion und dann ... nichts. Kein Rückschritt, kein Fortschritt, Situation wie vorher. In der Tat war sein größter Erfolg, dass er sich so lange an der Spitze eines Unternehmens halten konnte, von dessen Geschäft er nichts verstanden hat. Dies war jedem Insider ersichtlich, als Cordes sich zu Beginn seiner Amtszeit völlig unrealistische Ziele setzte, an deren Erreichung er dann ja auch gescheitert ist. So sollte Real drei Prozent Umsatzrendite erwirtschaften - mehr als Aldi Nord! - oder verkauft werden - aber an wen? Metro hat jetzt sogar mehr Baustellen, als zum Amtsantritt von Cordes und er konnte keine einzige beseitigen. Zusätzlich zu Kaufhof und Real laufen jetzt auch Metro Cash & Carry sowie Media-Saturn nicht mehr rund. Das hat Cordes zwar nicht verursacht, wie man fairerweise sagen muss, dass er auch sonst nicht viel kaputt gemacht hat. Er hat aber auch kein einziges dieser großen strukturellen Probleme der Gruppe gelöst.

Kommentare (1)

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Profit

17.01.2012, 12:34 Uhr

Mit Roeb spricht einer Klartext: Cordes ist ein Versager wie es viele auf deutschen Vorstandspositionen gibt. Bei Daimler hat er gemeinsam mit Schrempp nur Unfug angestellt und wurde dann von einer mindest genauso unfähigen Haniel-Crew als Metro-Vorstandschef eingestellt. Cordes hat wie Middelhoff will Geld für Null-Leistung (eigentlich: Negativ-Leistung) erhalten. Auch der neue Vorstandschef wird nichts bringen, weil er ein Mann von Cordes und kein spezifischer Handelsmann ist. Warum hat man damals eigentlich den Handelsprofi Körber rausgeschmissen? Wahrscheinlich weil er den Ignoranten von Haniel persönlich unbequem war. Da engagiert man doch lieber einen Dampfplauderer wie Cordes. Kompliment, ein wirklich gutes Interview.

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