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20.01.2012

15:42 Uhr

Handelsexperte Roeb

„Es gibt eine reelle Chance für Schlecker“

Schlecker ist pleite. Wie konnte es soweit kommen? Und wie geht es weiter? Thomas Roeb, Handelsexperte der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg über Schleckers Fehler, die Verantwortung der Erben und wie es weitergeht.

Thomas Roeb ist Handelsexperte der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Pressebild

Thomas Roeb ist Handelsexperte der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Schlecker ist pleite. Inwiefern überrascht Sie die Meldung?

Also ich habe Schlecker ja selbst beraten. Und was von der Geschäftsführung zuletzt zu hören, deutete auf alles hin, aber nicht auf eine Insolvenz. Nun bin ich auch ein Gläubiger des Unternehmens.

Was hat Schlecker konkret verkehrt gemacht?

Schlecker hat nicht rechtzeitig genug auf wettbewerbsfähige Filialen gesetzt. Die waren zu klein und die Gänge viel zu schmal. Konkurrenten wie DM, Müller und Rossmann haben ihnen so die Kunden abgejagt. Rund die Hälfte der 11.000 Geschäfte arbeitet seit Jahren nicht profitabel.

Wie konnte es so weit kommen?

Allem Anschein nach ging es Schlecker noch schlechter als befürchtet. Die haben ja keine offiziellen Zahlen herausgegeben. Der Unternehmen befindet sich seit mindestens vier bis fünf Jahren im Niedergang. Dass es dramatisch war, konnte man vor eineinhalb Jahren absehen. Aber ich ging davon aus, dass Schlecker hat ein, zwei Jahre mehr Zeit hat für die Kehrtwende.

Liveblog: „Wer kauft denn heute noch bei Schlecker?“

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„Wer kauft denn heute noch bei Schlecker?“

Die Pleite von Schlecker hat im Sozialen Netz sofort zu hunderten Reaktionen geführt. Handelsblatt Online trägt zusammen, was die Nutzer von Facebook, Twitter und anderen Plattformen zu dem Thema einfällt.

Wer trägt die Hauptschuld: Die Erben oder der Patriarch?

Die Erben konnten nichts mehr zum Guten wenden. Sie haben versucht, das Beste daraus zu machen und saniert, saniert, saniert. Aber einen so großen Tanker kann man nicht so schnell wenden.

Ist das Ende für das Unternehmen und der Marke Schlecker?

Vermutlich nicht. Es gibt eine reelle Chance, dass Schlecker als kleineres Unternehmen fortgeführt werden kann. Schlecker wird nun auf Kosten der Gläubiger saniert – die müssen nun auf viel Geld verzichten. Aber der Betrieb geht weiter. Die Filialen können grundsätzlich offen. Das Problem ist, dass die Lieferanten vermutlich davon absehen, Schlecker neue Produkte zu schicken.

Inwiefern dürften die Konkurrenten profitieren?

Zunächst wohl nur bedingt. Wenn tatsächlich immer mehr Schlecker-Filialen zumachen, sind da bis zu vier Milliarden Euro Umsatz, der noch getätigt werden muss. Aber der wandert nicht eins zu eins zu anderen Drogerien. Ein Teil schon, aber viel landet wohl auch im klassischen Einzelhandel.

Stichwort Planinsolvenz

Was ist eine Planinsolvenz?

Die sogenannte Planinsolvenz, die die Drogeriekette Schlecker anstrebt, ist ein Spezialfall des Insolvenzverfahrens. Ziel ist der Insolvenzordnung (InsO) zufolge der Erhalt des Unternehmens.

Was geschieht bei einer Planinsolvenz?

Bei einer Planinsolvenz wird beim zuständigen Amtsgericht neben dem Insolvenzantrag auch ein Vorschlag für ein Insolvenzplanverfahren und einem bereits erstellter Insolvenzplan eingereicht.

Was ist der Unterschied zur "normalen" Insolvenz?

Bei der Planinsolvenz oder strukturierten Insolvenz bleibt - abweichend vom „normalen“ Insolvenzverfahren - die alte Geschäftsführung im Amt, der bestellte Insolvenzverwalter tritt nur beratend auf. Die Planinsolvenz wird in der Regel von einem Sanierer begleitet, der zusammen mit der Unternehmensführung vor der Antragstellung den Insolvenzplan ausarbeitet. Über den zusammen mit dem Insolvenzantrag beim Amtsgericht eingereichten Plan entscheiden dann die Gläubiger.

Wie kann eine Planinsolvenz enden?

Wenn es eine Perspektive für den Fortbestand des Unternehmens gibt, soll es den Verfahrensbeteiligten durch diesen Plan ermöglicht werden, im Insolvenzverfahren ganz oder teilweise von der Insolvenzordnung abzuweichen. Der Plan soll vor allen Dingen ermöglichen, zumindest überlebensfähige Unternehmensteile zu erhalten, statt das Unternehmen zu zerschlagen.

Kommentare (2)

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Berggeist

20.01.2012, 22:55 Uhr

Seltsam, wie kann ein soriöser Berater von Schlecker sich für so einen Artikel hergeben?
1. Wichtigtuereien?
2. Verführung durch die Presse ?
3. Nachtreten ?
Bad Game

jaybraker

30.01.2012, 00:35 Uhr

@handelsblatt online: Es kann doch nicht sein, dass in dem Text unglaubliche 5 (in Worten: fünf!) Fehler sind. Auch wenn es nur Ihr "kostenloses" Online-Angebot ist, kann man doch wenigstens erwarten, dass die Texte vorher redigiert werden. mfg dm

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