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13.09.2011

12:00 Uhr

Handelskonzern

Cordes' Zeit bei der Metro läuft ab

VonChristoph Schlautmann, Gabor Steingart

Die Tage von Eckhard Cordes als Metro-Vorstandschef sind gezählt. Er hat sich mit dem Aufsichtsratschef und den Mediamarkt-Gründern mächtige Feinde gemacht. Am 2. November wird über sein Schicksal entschieden.

Streit um Metro-Chef Cordes

Video: Streit um Metro-Chef Cordes

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DüsseldorfAm vorvergangenen Mittwoch saßen Metro-Chef Eckhard Cordes, Haniel-Vorstandschef Jürgen Kluge, der Vertreter der Familie Schmidt-Ruthenbeck, Peter Küpfer, und das Oberhaupt des Haniel-Clans, Franz Markus Haniel, in einem Besprechungszimmer am Düsseldorfer Flughafen. Thema: die anstehende Verlängerung des Vertrags von Eckhard Cordes. Doch Kluge hatte schlechte Nachrichten mitgebracht: Eine Zeitung würde morgen eine Geschichte veröffentlichen, wonach Cordes an der Bar eines noblen Hotels im russischen Sankt Petersburg den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Klockhaus als "Arschloch" bezeichnet haben soll. Die Oberhäupter der feinen Familien waren schockiert.

Alle starrten auf Cordes, der die Situation an der Theke nun präzise nacherzählte. Demnach habe Klockhaus beim Absacker gegen ihn gestichelt, wer von ihnen wohl länger im Unternehmen überleben werde. Der Metro-Chef, ein harter Sanierer und Freund derber Späße, habe erwidert: "Sie sind ein Arschloch, ich aber ein noch größeres." Gemeinsam habe man herzlich gelacht, bestätigte später auch Klockhaus: "Ich habe ihm das nicht übelgenommen. Das war ein Flachs." Andere Aufsichtsratsmitglieder haben die Szene anders erlebt. Die Zeitungsgeschichte ist nie erschienen.

Die Familie Haniel war nicht amüsiert. Der Vorfall vom 28. Juli war der Schlussakt eines Dramas, das sich schon seit Monaten innerhalb des Dax-Konzerns abspielt. Großaktionär Haniel, der gemeinsam mit dem Metro-Gründer Schmidt-Ruthenbeck 50,01 Prozent der Stimmrechte am Düsseldorfer Dax-Konzern hält, ist entschlossen, den Anstellungsvertrag des 60-jährigen Vorstandsvorsitzenden nicht zu verlängern. Am vergangenen Wochenende fand ein Familientreffen des Haniel-Clans statt, das zwar nicht mit einem formellen Beschluss, aber mit einer Mehrheitsstimmung endete: Und die richtet sich gegen Cordes.

Am 2. November steht die Vertragsverlängerung auf der Tagesordnung des Metro-Aufsichtsrats. Die Haniels sind um "Gesichtswahrung" für Cordes bemüht. Man träumt vom "geordneten Rückzug" des streitbaren Managers. Viele der 650 Familienmitglieder werfen dem ehemaligen Mercedes-Chef vor, zu viele Konfliktherde gleichzeitig entzündet zu haben. Die Dauerfehde mit Aufsichtsratschef Kluge, aber auch der zermürbende und für den Aktienkurs schädliche Konflikt mit den Media-Saturn-Gründern um den Einstieg ins Onlinegeschäft haben an den Nerven gezerrt.

Zugleich räumen auch die Haniels bereitwillig ein, dass Cordes ein Zupacker von Format sei. Seit Amtsantritt hat er allein an Haniel eine Dividende in Höhe von rund 500 Millionen Euro ausgeschüttet. Seine Vorwärtsstrategie brachte Media-Saturn den Markteintritt in China, insgesamt erlöst der Handelsriese mittlerweile 61 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Die Sanierung der angeschlagenen Kette "Real" scheint auf gutem Wege. Kaufhof wächst profitabel, derweil Konkurrent Karstadt nur mühsam den Weg aus der Insolvenz findet.

Cordes wäre nicht Cordes, wenn er angesichts dieser Erfolge nicht selbstbewusst kämpfen würde. Er tut das bis zum Ende - aber womöglich bereits darüber hinaus.

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