Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.03.2012

19:25 Uhr

Handelskonzern

Douglas will Thalia allein auf die Beine helfen

Douglas hat sich dazu entschlossen, sein Sorgenkind Thalia aus eigener Kraft zu sanieren, statt zu verkaufen. Das bedeutet möglicherweise auch die Schließung von Filialen - und dementsprechend Personalkonsequenzen.

Die Umsatzrückgänge bei Thalia müssen so schnell wie möglich gestoppt werden. dpa

Die Umsatzrückgänge bei Thalia müssen so schnell wie möglich gestoppt werden.

DüsseldorfDer Handelskonzern Douglas will sich nicht von seiner Buchhandelskette Thalia trennen. „Ein Verkauf von Thalia wird ... nicht angestrebt“, teilte die Douglas Holding am Donnerstag mit und schaffte damit vor der Hauptversammlung in der kommenden Woche Klarheit. Der Vorstand habe dem Aufsichtsrat bei einer Sitzung am Vortag vielmehr ein Konzept für die Neuausrichtung der Kette vorgelegt, die mit der Konkurrenz von Online-Händlern wie Amazon und rapide sinkenden Erträgen kämpft. Der Konzern wolle die Sanierung nun „in Eigenregie zum Erfolg bringen“. Der Neuausrichtung könnten auch Filialen zum Opfer fallen. Keinen neuen Stand gebe es dagegen bei den Plänen der Aktionärsfamilie Kreke, Douglas von der Börse zu nehmen: „Wann oder ob es überhaupt zu einer Transaktion kommt, ist weiterhin absolut offen“.

Thalia stehe vor der Aufgabe, die Umsatzrückgänge in den Sortimentsbuchhandlungen so schnell wie möglich zu stoppen, hatte Kreke bereits im Januar verkündet. Die Probleme der Kette drohen Kreke das Geschäftsjahr 2011/12 zu verhageln. Denn immer mehr Kunden bestellen ihre Schmöker bei Internethändlern oder greifen gleich zum Amazon-Lesegerät Kindle, mit dem sie Bücher aus dem Netz herunterladen können. Kreke hatte angekündigt, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) werde im Geschäftsjahr 2011/12 wegen der zu erwartenden Restrukturierungen bei Thalia zwischen 200 und 250 Millionen Euro erwartet - deutlich weniger als im Vorjahr.

Nun könnte es bei einer Sanierung in Eigenregie zu Rückstellungen und Abschreibungen kommen. Die Kette betreibt knapp 300 Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit knapp 5300 Mitarbeitern. Bei dem anstehenden Umbau könne er „Personalkonsequenzen“ nicht ausschließen, hatte Kreke gesagt. Er hatte vor allem große Buchhandlungen auf den Prüfstand gestellt, die Unternehmensberatung McKinsey hatte in den vergangenen Wochen Pläne für eine Sanierung ausgearbeitet. Bis zu 15 Filialen könnten von einer Schließung betroffen sein, sagte ein Douglas-Sprecher nun. Darüber berichtete auch das „Hamburger Abendblatt“ - überall dort, wo dauerhafte Verluste aufliefen, müsse ein Aus für Filialen in Betracht gezogen werden, zitierte das Blatt aus einem Schreiben an die Mitarbeiter.

Konzernchef Henning Kreke prüft zudem seit einigen Wochen Pläne, Douglas von der Börse nehmen, und strebt dabei die Unterstützung von Finanzinvestoren an. Er stehe dabei aber nicht unter Zeitdruck und müsse die Pläne nicht umsetzen, hatte es in Finanzkreisen geheißen. „Wann oder ob es überhaupt zu einer Transaktion kommt, ist weiterhin absolut offen“, hieß es in der Mitteilung weiter. Ein Beschluss dazu ist zudem nicht Sache des Aufsichtsrats - er obliege „ohnehin den Aktionären“, hieß es.

Kreke hatte immer wieder betont, es werde geprüft, ob eine Transaktion mit Finanzinvestoren überhaupt sinnvoll und machbar sei. Zu den von Kreke angesprochenen Finanzinvestoren gehören unter anderem Apax Partners und BC Partners, wie Insider aus der Private-Equity-Branche gesagt hatten.

Der große Unbekannte in dieser Rechnung ist Erwin Müller. Der Drogerie-Unternehmer pirscht sich seit Monaten an Douglas heran und kontrolliert bereits über zehn Prozent. Zudem hat er indirekt Zugriff auf weitere 15,55 Prozent. Die Krekes selbst halten rund 12,6 Prozent, größter Aktionär ist der Oetker-Konzern, der 25,8 Prozent kontrolliert. Müller hat erklärt, er werde sich nicht vor der Hauptversammlung zu seinen Absichten äußern. Die Douglas-Anteilseigner kommen am 21. März in Essen zusammen. 

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×