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25.11.2015

10:37 Uhr

Handelskonzern erhöht Dividende

Metro zahlt Aktionären zehn Cent mehr

Olaf Koch hat den Kaufhof verkauft – und kommt mit dem Umbau der Metro voran. Der Handelskonzern zahlt seinen Anteilseigner eine höhere Dividende. Und das soll mittelfristig so bleiben.

Der Handelskonzern beglückt seinen Aktionäre mit einer höheren Dividende. dpa

Metro-Einkaufswagen

Der Handelskonzern beglückt seinen Aktionäre mit einer höheren Dividende.

DüsseldorfDer Handelskonzern Metro kommt bei seinem Umbau voran und will deshalb mehr Geld an seine Anteilseigner ausschütten. Für das Geschäftsjahr 2014/15 sollen die Aktionäre je Stammaktie einen Euro und damit zehn Cent mehr als im Vorjahr bekommen, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Auch künftig können die Anteilseigner um den Großaktionär Haniel auf höhere Ausschüttungen hoffen: Metro will in Zukunft 45 bis 55 Prozent des Ergebnisses je Aktie vor Sonderfaktoren ausschütten, bisher lag die Bandbreite bei 40 bis 50 Prozent.

An der Börse griffen die Anleger zu: Die Metro-Aktien legten am Morgen um rund fünf Prozent auf 30,36 Euro zu.

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„Der positive und nachhaltige Fortschritt unserer Neuausrichtung sowie die stark verbesserte Nettoverschuldung markieren einen Meilenstein in der Entwicklung der Metro Group“, bilanzierte Konzernchef Olaf Koch. Eine Sonderdividende aus dem Verkauf der Warenhaustochter Kaufhof gibt es indes nicht - Koch hatte angekündigt, die Mittel für Investitionen und den Schuldenabbau nutzen zu wollen.

„Das Geschäftsjahr 2014/15 markiert eine Zeitenwende für die Metro Group“, hatte Koch seine Aktionäre bereits im Oktober auf eine Erhöhung der Dividende eingestimmt. „Wir haben es geschafft, wieder Dynamik in unser Kerngeschäft zu bringen.“ Metro hatte in dem im September abgelaufenen Geschäftsjahr bereinigt um Wechselkurseffekte und Marktschließungen ein Umsatzplus von 1,5 Prozent erreicht.

Koch trimmt den Konzern auf mehr Umsatz und Profit - und dürfte bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr die Gewinne gesteigert haben. Denn die Ausschüttungsquote für 2014/15 soll bei 52,4 Prozent liegen. Basis für die Bemessung der Quote ist das Ergebnis je Aktie vor Sonderfaktoren, dieses dürfte damit bei über 1,90 Euro liegen. Im Geschäftsjahr 2013/14 waren es 1,84 Euro.

„Bei Metro Cash&Carry haben wir bereits neun Quartale mit flächenbereinigtem Umsatzwachstum erreicht, bei Media-Saturn fünf“, sagte Koch. Vor allem das langjährige Sorgenkind Media-Saturn hatte Metro wieder auf Kurs gebracht, das Online-Geschäft wurde massiv ausgebaut und besser mit den bestehenden Märkten verschränkt. Europas größte Elektronikhandelskette blickt nun optimistisch auf das wichtige Weihnachtsgeschäft. Im Heimatmarkt könnte die Kette zulegen: „Der Umsatz wird voraussichtlich besser werden als noch im Vorjahr“, hatte Media-Saturn-Deutschlandchef Wolfgang Kirsch erst Ende Oktober gesagt.

Fakten zu Media-Saturn

Der Chef

Der 52-Jährige Pieter Haas hat gut ein Jahrzehnt für Media-Saturn gearbeitet, zuletzt als Geschäftsführer in der Zentrale in Ingolstadt. 2013 wechselte er in den Vorstand von Mehrheitsgesellschafter Metro, um sich von dort um die Kette zu kümmern. Nach dem abrupten Abgang von Media-Saturn-Chef Horst Norberg im Frühjahr 2014 wurde der Betriebswirt von Metro entsandt, um die Geschäfte des Elektronikhändlers übergangsweise wieder zu leiten.

Erste Erfolge

Nicht nur das Verkaufskonzept war neu. „Eine aufmerksamkeitsstarke, freche, witzige Werbung“ soll die neuen Elektromärkte bekannt machen, meinte Stiefel einmal rückblickend. Aus biederen Prospekten machten Gunz und Stiefel „Extrablätter“, die mit griffigen Slogans in den Münchener Briefkästen landeten. Mit der Torwartlegende Sepp Maier veranstaltete Stiefel auf dem Media-Markt-Parkplatz einen „Videorekorder-Weitwurf“. Es folgten Filialen in ganz Bayern und Mitte der Achtziger in ganz Deutschland.

Der Fall

Media Saturn war bis Ende des vergangenen Jahrzehnts hoch erfolgreich, erkannte aber nicht, dass mit Online-Händlern wie Ebay und Amazon mächtige Wettbewerber entstanden waren. Erst spät und sehr zögerlich stiegen die Bayern selbst ins Internetgeschäft ein. Bis heute hat die Kette damit zu kämpfen, dass sie das Netz unterschätzt hat. Inzwischen nutzt die Gruppe ihre breite Präsenz in den Städten aber clever aus: Fast die Hälfte aller Online-Shopper holt die Ware in den Läden ab statt sich die Handys oder Fernseher nach Hause liefern zu lassen.

Der große Graben

Seit Jahren streiten sich Mehrheitseigner Metro und Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals um die Macht in der größten europäischen Elektronikkette. Das belastet das Unternehmen, das unter Onlinekonkurrenz und dem Preisdruck in der Elektronikbranche leidet. Zahllose Prozesse haben die beiden Parteien bereits gegeneinander geführt, mal gewann der eine, mal der andere. Kellerhals hat bei wegweisenden Entscheidungen ein Vetorecht. Damit kann die Metro große Strategieschwenks nicht durchsetzen, obwohl sie drei Viertel der Anteile hält. Eine Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht.

Die Marken

Die einen rot, die anderen blau: Die Elektronikketten Media-Markt und Saturn gehören zu demselben Unternehmen, der Media Saturn Holding, treten am Markt jedoch gegeneinander an. Die Konkurrenz ist gewollt und soll das Geschäft antreiben. Sie profitieren allerdings von der Einkaufsmacht der Holding. Noch etwas ist besonders an der Konstruktion: Die Chefs der einzelnen Märkte sind am Geschäft beteiligt und haben daher ein Interesse, ihre Läden voran zu bringen. An den Online-Shops sind alle Geschäftsführer gemeinsam beteiligt und profitieren daher auch von den Verkäufen im Internet.

Das Unternehmen

Unter dem Dach der Media-Saturn-Holding sind Media-Markt und Saturn vereint, Deutschlands und Europas führende Elektrofachmärkte. Das Unternehmen aus Ingolstadt betreibt 990 Läden in 15 Ländern und beschäftigt 65.000 Mitarbeiter. Der Umsatz lag zuletzt bei 21 Milliarden Euro. Zum Konzern gehört auch der Onlinehändler Redcoon.

Der Verkauf

Doch das Rad, das sie drehten, wurde den Gründern zu groß: 1988 übernahm die Metro-Tochter Kaufhof die Mehrheit, die sich wenig später auch die Kölner Saturn-Märkte einverleibte. Stiefel wurde Geschäftsführer beider Gruppen - und behielt weiter die Fäden in der Hand. Sein Motto für die beiden Marken: getrennt marschieren, gemeinsam schlagen. In einem Ingolstädter Gewerbegebiet entstand die Holding. Das Konzept: Die Zentrale sucht sich einen lokalen Geschäftsführer. Der steigt mit eigenem Kapital ein, das Hauptquartier liefert die Ware und eine rote Managementfibel. Was zu welchem Preis angeboten wird, entscheidet alleine der Mann vor Ort. So wird die Kette zum führenden Elektronikhändler Europas.

Genaue Ziele für das laufende Geschäftsjahr 2015/16 könnte Koch nun am 15. Dezember vorlegen, dann will er auch die genauen Zahlen für das abgelaufene Jahr präsentieren. Koch hat zudem Geld für Zukäufe in der Kasse, denn rund 1,75 Milliarden Euro sind aus der Veräußerung des Kaufhofs an den nordamerikanischen Handelskonzern Hudson's Bay in die Kassen der Metro geflossen. Das Kerngeschäft rund um die Großhandelsmärkte und Media-Saturn sowie das Online-Geschäft sollen nun ausgebaut werden.

Von

rtr

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