Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.01.2007

15:03 Uhr

Handelskonzern John Lewis

Wo Partner an der Kasse sitzen

VonDirk Heilmann

Der britische Handelskonzern John Lewis sieht für den Kunden aus wie jeder andere Händler. Für die Mitarbeiter gibt es jedoch einen himmelweiten Unterschied zur Konkurrenz. John Lewis gehört der Belegschaft – und ist mit diesem Modell höchst erfolgreich.

LONDON. Ein Führungswechsel mitten im Weihnachtsgeschäft – eine Horror-Vorstellung für jeden Handelskonzern. Nicht so für die John Lewis Partnership. Während die ganze Branche wegen des bis kurz vor dem Fest ungewöhnlich schwachen Weihnachtsgeschäfts zitterte, gab Chairman Sir Stuart Hampson fast beiläufig nach 14 Jahren an der Spitze bekannt, dass er im März die Führung an den 40-jährigen Charlie Mayfield übergeben wird. Er kann sich’s leisten: Auch dieses Jahr scheint John Lewis im entscheidenden Dezember der Sieger unter den großen Einzelhandelsgruppen gewesen zu sein. Mit einem zehnprozentigen Umsatzplus in der Woche zum 16. Dezember dürfte er die Konkurrenz wie im Vorjahr hinter sich gelassen haben.

John Lewis kümmert sich auch sonst nicht allzu sehr um die Regeln der Branche: Die 26 Kaufhäuser der gleichnamigen Kette haben heute wie vor Jahrzehnten den Anspruch, alles unter einem Dach zu bieten – von Sofas über Stereoanlagen und Schuluniformen bis zu Schnittblumen. Die 184 Supermärkte der „Waitrose“-Kette lassen sich nicht auf den erbarmungslosen Preiskampf der Branche ein und schließen langfristige Lieferverträge mit Bauern noch per Handschlag. „John Lewis ist das stärkste Kaufhaus in Großbritannien und Waitrose ein Supermarkt mit einer besonders guten Kundenstruktur“, sagt Bryan Roberts vom Beratungsunternehmen Planet Retail. Doch der wichtigste Unterschied liegt in der Eigentümerstruktur des Unternehmens: Es gehört den Mitarbeitern, die entsprechend Partner heißen. Sie bestimmen auf allen Ebenen mit und kontrollieren die Geschäftsführung von der Filiale bis zur Konzernebene.

Das ist so, seit der Sohn des Firmengründers, John Spedan Lewis, 1929 beschloss, künftig alle Gewinne seiner Kaufhäuser unter den Angestellten zu verteilen. Inspiriert von sozialistischen Ideen, übertrug er 1950 auch alle seine Anteile an die Partnerschaft. Das Ziel der Partnerschaft lautet schlicht und schön: „Das Glück aller Mitglieder erreichen durch ihre lohnende und befriedigende Beschäftigung in einem erfolgreichen Geschäft.“

„Das macht uns neben dem Königreich Bhutan zur zweiten Organisation, die glückliche Mitglieder als Hauptziel hat“, sagt Chairman Hampson. Der 59-jährige mit dem Habitus des englischen Gentlemans hat sein Büro in der unscheinbaren Firmenzentrale nahe des Bahnhofs Victoria im Westen der Londoner Innenstadt, nicht weit entfernt vom Handelsministerium, wo er vor dem Wechsel in die Wirtschaft arbeitete, zuletzt als Staatssekretär. Hampson ist erst der vierte Chairman in der Geschichte der Partnerschaft. Als solcher hat er bei John Lewis eine Doppelfunktion: Er lenkt als Holdingchef das operative Geschäft und wacht zugleich darüber, dass die Prinzipien der Partnerschaft eingehalten werden. Relativ neu ist das Satzungsziel eines „ausreichenden Gewinns“ – nach den nötigen Investitionen soll genug Geld da sein, um allen einen Bonus von 15 Prozent des Jahresgehalts zu zahlen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×