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30.03.2016

10:06 Uhr

Handelskonzern

Metro plant Abspaltung von Media-Saturn

VonFlorian Kolf, Lars Ophüls

Metro-Chef Olaf Koch will den Handelskonzern in zwei unabhängige Unternehmen auftrennen. Die Aktionäre jubeln über den Plan. Denn so könnte sich das langjährige Problem mit der Elektronikkette Media-Saturn lösen.

Zur Metro-Aufspaltung

Chef-Anlagestratege im Gespräch: „Metro hat Nachholbedarf“

Zur Metro-Aufspaltung: Chef-Anlagestratege im Gespräch: „Metro hat Nachholbedarf“

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DüsseldorfDer Handelskonzern Metro will sich in zwei unabhängige börsennotierte Unternehmen aufspalten. Das teilte der Düsseldorfer Konzern am Mittwoch mit. So soll die Elektronikhandelskette Media-Saturn in eine eigene Gesellschaft abgespalten und damit von dem Großhandels- und Lebensmittelgeschäft um die Cash & Carry-Märkte und die Real-Supermärkte getrennt werden. Durch die Aufspaltung sollten beiden Teilen neue Wachstumsperspektiven eröffnet werden. Auch solle der Börsenwert deutlich gesteigert werden.

Metro-Chef Olaf Koch sprach von einem Befreiungsschlag für beide Teile. „Unsere Aktionäre würden Anteile an zwei hervorragend positionierten Marktführern erhalten, die sich noch stärker auf ihre jeweiligen Geschäfte konzentrieren und dadurch noch größeren Wert für Kunden, Mitarbeiter und Geschäftspartner schaffen würden“, sagte Koch. An beiden Gesellschaften sollen die Metro-Aktionäre entsprechend ihrer bisherigen Anteilsquote beteiligt sein. Noch sei aber weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat eine endgültige Entscheidung gefallen.

Fakten zu Media-Saturn

Der Chef

Der 52-Jährige Pieter Haas hat gut ein Jahrzehnt für Media-Saturn gearbeitet, zuletzt als Geschäftsführer in der Zentrale in Ingolstadt. 2013 wechselte er in den Vorstand von Mehrheitsgesellschafter Metro, um sich von dort um die Kette zu kümmern. Nach dem abrupten Abgang von Media-Saturn-Chef Horst Norberg im Frühjahr 2014 wurde der Betriebswirt von Metro entsandt, um die Geschäfte des Elektronikhändlers übergangsweise wieder zu leiten.

Erste Erfolge

Nicht nur das Verkaufskonzept war neu. „Eine aufmerksamkeitsstarke, freche, witzige Werbung“ soll die neuen Elektromärkte bekannt machen, meinte Stiefel einmal rückblickend. Aus biederen Prospekten machten Gunz und Stiefel „Extrablätter“, die mit griffigen Slogans in den Münchener Briefkästen landeten. Mit der Torwartlegende Sepp Maier veranstaltete Stiefel auf dem Media-Markt-Parkplatz einen „Videorekorder-Weitwurf“. Es folgten Filialen in ganz Bayern und Mitte der Achtziger in ganz Deutschland.

Der Fall

Media Saturn war bis Ende des vergangenen Jahrzehnts hoch erfolgreich, erkannte aber nicht, dass mit Online-Händlern wie Ebay und Amazon mächtige Wettbewerber entstanden waren. Erst spät und sehr zögerlich stiegen die Bayern selbst ins Internetgeschäft ein. Bis heute hat die Kette damit zu kämpfen, dass sie das Netz unterschätzt hat. Inzwischen nutzt die Gruppe ihre breite Präsenz in den Städten aber clever aus: Fast die Hälfte aller Online-Shopper holt die Ware in den Läden ab statt sich die Handys oder Fernseher nach Hause liefern zu lassen.

Der große Graben

Seit Jahren streiten sich Mehrheitseigner Metro und Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals um die Macht in der größten europäischen Elektronikkette. Das belastet das Unternehmen, das unter Onlinekonkurrenz und dem Preisdruck in der Elektronikbranche leidet. Zahllose Prozesse haben die beiden Parteien bereits gegeneinander geführt, mal gewann der eine, mal der andere. Kellerhals hat bei wegweisenden Entscheidungen ein Vetorecht. Damit kann die Metro große Strategieschwenks nicht durchsetzen, obwohl sie drei Viertel der Anteile hält. Eine Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht.

Die Marken

Die einen rot, die anderen blau: Die Elektronikketten Media-Markt und Saturn gehören zu demselben Unternehmen, der Media Saturn Holding, treten am Markt jedoch gegeneinander an. Die Konkurrenz ist gewollt und soll das Geschäft antreiben. Sie profitieren allerdings von der Einkaufsmacht der Holding. Noch etwas ist besonders an der Konstruktion: Die Chefs der einzelnen Märkte sind am Geschäft beteiligt und haben daher ein Interesse, ihre Läden voran zu bringen. An den Online-Shops sind alle Geschäftsführer gemeinsam beteiligt und profitieren daher auch von den Verkäufen im Internet.

Das Unternehmen

Unter dem Dach der Media-Saturn-Holding sind Media-Markt und Saturn vereint, Deutschlands und Europas führende Elektrofachmärkte. Das Unternehmen aus Ingolstadt betreibt 990 Läden in 15 Ländern und beschäftigt 65.000 Mitarbeiter. Der Umsatz lag zuletzt bei 21 Milliarden Euro. Zum Konzern gehört auch der Onlinehändler Redcoon.

Der Verkauf

Doch das Rad, das sie drehten, wurde den Gründern zu groß: 1988 übernahm die Metro-Tochter Kaufhof die Mehrheit, die sich wenig später auch die Kölner Saturn-Märkte einverleibte. Stiefel wurde Geschäftsführer beider Gruppen - und behielt weiter die Fäden in der Hand. Sein Motto für die beiden Marken: getrennt marschieren, gemeinsam schlagen. In einem Ingolstädter Gewerbegebiet entstand die Holding. Das Konzept: Die Zentrale sucht sich einen lokalen Geschäftsführer. Der steigt mit eigenem Kapital ein, das Hauptquartier liefert die Ware und eine rote Managementfibel. Was zu welchem Preis angeboten wird, entscheidet alleine der Mann vor Ort. So wird die Kette zum führenden Elektronikhändler Europas.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Steinemann signalisiert aber bereits Zustimmung. „Ich glaube fest daran, dass eine Aufteilung des Konzerns in zwei unabhängige und fokussierte Unternehmen im besten Interesse aller Beteiligten wäre, weil wir damit beschleunigtes, profitables Wachstum ermöglichen“, so Steinemann. „Nach eingehenden Diskussionen unterstütze ich die bisherigen Ergebnisse der Prüfung durch den Vorstand.“

Bei den Aktionären kamen die Aufspaltungspläne gut an. Die Aktien schossen um mehr als 10 Prozent auf 27,09 Euro in die Höhe und setzten sich an die Spitze des Nebenwerteindex MDax.

Fährt der Handelskonzern die richtige Strategie?

Metro-Chef Koch soll das Großhandels- und Lebensmittel-Geschäft führen. Pieter Haas, aktuell für Media-Saturn verantwortlich, soll die Leitung der Consumer Electronics Gruppe übernehmen. Der Vollzug der Aufteilung werde bis Mitte 2017 angestrebt. Die Großaktionäre Haniel, Schmidt-Ruthenbeck und Beisheim unterstützen laut der Mitteilung das Vorhaben. „Wir begrüßen die strategische Entscheidung“, sagte ein Haniel-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters.

Koch hatte in den vergangen Jahren im Metro-Reich aufgeräumt und die Netto-Verschuldung um rund fünf Milliarden Euro abgebaut - unter anderem durch den Verkauf der Warenhaustochter Kaufhof. Metro erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von knapp 60 Milliarden Euro, rund 21 Milliarden Euro davon entfielen auf Media-Saturn.

Kommentare (10)

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Herr Helmut Weinberg

30.03.2016, 10:49 Uhr

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Herr Helmut Weinberg

30.03.2016, 11:06 Uhr

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Herr Helmut Weinberg

30.03.2016, 11:08 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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