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19.11.2013

17:43 Uhr

Handelsriese

Metro prüft Börsengang russischer Großmärkte

Der Handelsriese Metro prüft einen Börsengang seines russischen Großhandelsgeschäfts. Kontakte zu Banken sollen bestehen bereits. Der Gang auf das Parkett könnte mehr als eine Milliarde Dollar einbringen.

Einkaufswagen eines Metro-Markts: Das Düsseldorfer Handelsunternehmen betreibt 70 Cash&Carry-Großmärkte in Russland. dpa

Einkaufswagen eines Metro-Markts: Das Düsseldorfer Handelsunternehmen betreibt 70 Cash&Carry-Großmärkte in Russland.

DüsseldorfDer Metro winken aus Russland womöglich Einnahmen von mehr als einer Milliarde Euro. Der Handelsriese prüft „einen Minderheitsanteil von Metro Cash & Carry Russland an die Börse zu bringen“, teilte der Konzern am Dienstag mit und bestätigte damit Informationen der Nachrichtenagentur Reuters. Metro prüfe, einen Teil des Geschäfts an die Börse bringen und einen Teil zu behalten, hatte Reuters zuvor berichtet. Entscheidungen gebe es aber noch nicht, unterstrich ein Konzernsprecher: „Zu den Überlegungen für einen möglichen, teilweisen Börsengang von Metro Cash & Carry Russland gibt es keine Gremienbeschlüsse.“

Mit frischem Geld neuer Investoren könnte Metro-Chef Olaf Koch das Wachstum des dortigen Geschäfts ankurbeln und weiter davon profitieren. Bei den Investoren kamen die Überlegungen gut an: Metro-Aktien legten deutlich zu.

Metro stehe wegen der Börsen-Pläne bereits in Kontakt mit Banken, hieß es in Finanzkreisen weiter. Voraussichtlich die russische Sberbank und die US-Investmentbank Goldman Sachs bereiteten mit Metro den Gang aufs Börsenparkett vor. Ein Volumen von mehr als einer Milliarde Euro sei möglich. Die Überlegungen befänden sich aber noch in einem frühen Stadium, sagte ein Insider. Mit einer Entscheidung noch 2013 sei voraussichtlich nicht zu rechnen.

Metro betreibt rund 70 Cash&Carry-Großmärkte in Russland, der Jahresumsatz lag zuletzt bei rund 4,1 Milliarden Euro. Erst vor 13 Jahren hatte der Handelsriese den Einstieg in Russland beschlossen. Erste Märkte eröffneten danach in der Region um Moskau die Pforten, die Sparte expandierte rasch weiter. Metro war in Russland Branchenbeobachtern zufolge aber langsamer gewachsen als der Gesamtmarkt. Mit neuen Investoren an Bord soll sich dies ändern. Die Sparte Cash&Carry fuhr im ersten Halbjahr einen Umsatz von rund 14,8 Milliarden Euro ein, 5,6 Milliarden Euro davon in Osteuropa. „Russland blieb weiterhin das wichtigste Wachstumsland in der Region“, erklärte Metro bei Vorlage der Zahlen im August.

Größte Einzelhändler weltweit (Umsatz 2012)

Platz 10

Best Buy (USA)

Die US-Amerikaner aus Richfield, Minnesota, sind einer der führenden Anbieter für Unterhaltungselektronik. Der Umsatz im Jahr 2012 betrug 50,7 Milliarden Dollar.

Platz 9

Walgreens (USA)

Mit rund 7.000 Filialen in den USA und Puerto Rico, von denen ein Drittel 24 Stunden am Tag geöffnet sind, schafft es Walgreens unter die zehn größten Einzelhändler. Am Hauptsitz in Deerfield, Illinois, konnte man sich 2012 über einen Umsatz von 71,6 Milliarden Dollar freuen.

Platz 8

Home Depot (USA)

Die Amerikaner bezeichnen sich selbst als größte Baumarktkette der Welt. Was den Umsatz angeht, haben sie recht. Mit rund 74,8 Milliarden Dollar kann keine andere Baumarktkette mitthalten.

Platz 7

Tesco (Großbritannien)

Die blau-weiße Handelskette aus Cheshunt gehört schon seit Jahren zu den größten Supermarktkonzernen. Weltweit beschäftigen die Briten 520.000 Mitarbeiter und machten 2012 einen Umsatz in Höhe von 83,5 Milliarden Dollar. Das US-Geschäft mit 5.000 Beschäftigen will Tesco abstoßen.

Platz 6

Metro (Deutschland)

Der deutsche Handelsriese aus Düsseldorf ist der drittgrößte Einzelhändler Europas. International erreicht der Dax-Konzern mit einem Umsatz von 87,8 Milliarden Dollar im Jahr 2012 ebenfalls einen Spitzenplatz, auch wenn das Unternehmen mit Schwierigkeiten kämpft.

Platz 5

Kroger

Was als kleiner Lebensmittelladen in Cincinnati begann, ist mittlerweile einer der größten Supermarktketten der Welt. Im Jahr 2012 setzte der Lebensmittelhändler 96,8 Milliarden Dollar um.

Platz 4

Costco Wholesale (USA)

Die 500 Cash&Carry-Märkte der US-Großhandelskette sind in den USA weit verbreitet. Der Hauptsitz liegt in der Kleinstadt Issaquah bei Seattle im Bundesstaat Washington. Mit 99,1 Milliarden Dollar fiel der Umsatz auch 2012 gigantisch aus.

Platz 3

Carrefour (Frankreich)

Kein europäischer Einzelhändler ist größer als Carrefour. Mit fast 500.000 Mitarbeitern weltweit machten die Franzosen im Jahr 2011 einen Umsatz von 104 Milliarden Dollar.

Platz 2

CVS Caremark (USA)

In der Kleinstadt Woonsocket im US-Bundesstaat Rhode Island ist die drittgrößte Handelskette der Welt beheimatet. Der Drogerie- und Pharmahändler setzten im Jahr 2012 rund 123 Milliarden Dollar um.

Platz 1

Walmart (USA)

Unangefochten an der Spitze bleibt der Handelsgigant aus Bentonville, Arkansas. Gigantische 443,85 Milliarden Dollar setzte der Konzern 2012 um - bei einem Gewinn von 15,7 Milliarden Dollar. Weltweit beschäftigt der Konzern mehr als zwei Millionen Mitarbeiter.

Quelle: Eigene Recherche.

Koch hat nach seinem Amtsantritt vor knapp zwei Jahren damit begonnen, im Konzern aufzuräumen. Vor einem Jahr hatte er den Verkauf weiter Teile des Osteuropa-Geschäfts der Supermarktkette Real an den französischen Konkurrenten Auchan bekannt gegeben. Die Transaktion sei kein Abschied aus Osteuropa, betonte Koch damals. Mit Media Markt und Saturn sowie seinen Großhandelsmärkten wolle Metro dort weiter wachsen. Dies gelte vor allem für Russland. Koch hat noch eine andere Tochter ins Schaufenster gestellt: Die Warenhaustochter Kaufhof habe langfristig keine Zukunft unter dem Dach der Metro.

Die Liste der Probleme bei dem Handelsriesen ist lang: Metro hatte den Abstieg seiner Aktien aus dem Dax verkraften müssen. Für 2012 hat Koch die Dividende je Stammaktie von 1,35 Euro auf einen Euro zusammengestrichen und damit Stirnrunzeln bei Großaktionären ausgelöst. Im Rumpfgeschäftsjahr 2013 verbuchte Metro fast stagnierende Umsätze. Zudem schwelt der seit Jahren andauernde Streit mit Media-Saturn-Miteigner Erich Kellerhals weiter. Für Europas größte Elektronikhandelskette hätten die Börsenpläne in Russland keine Geltung, hieß es in den Finanzkreisen. Die bezögen sich rein auf die Großhandelsmärkte.

Von

rtr

Kommentare (1)

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peterL

19.11.2013, 16:19 Uhr

Metro verkauft auch was noch gut lief, irgendwann steht die ganze Firma zum Verkauf, ganz schlimm, was aus dem einst gutgehendes Unternehmen geworden ist. Sagenhaft, die Versager, die sich Manager nennen

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