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06.11.2016

10:08 Uhr

Handy-Empfang im ICE

Bahn will Telefonprobleme bis 2018 abstellen

An Januar soll es kostenloses Wlan für alle Fahrgäste im ICE geben. Unterdessen geht die Deutsche Bahn ein weiteres Ärgernis der Kunden an – Konzernchef Rüdiger Grube verspricht störungsfreies Telefonieren.

Bis 2018 sollen Telefonate im ICE kein Problem mehr sein. Dafür sollen sämtliche Züge mit entsprechenden Verstärkern ausgerüstet werden. dpa

Telefonieren in der Bahn

Bis 2018 sollen Telefonate im ICE kein Problem mehr sein. Dafür sollen sämtliche Züge mit entsprechenden Verstärkern ausgerüstet werden.

BerlinAbgebrochene Telefonate soll es für Bahnreisende im ICE bald nicht mehr geben. „2018 wird die Telefonie kein Problem mehr sein“, kündigte Vorstandschef Rüdiger Grube im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur an. Die Züge erhalten bis dahin nach und nach neue Verstärker. „In den Zügen, die wir jetzt umgerüstet haben, ist es um den Faktor zehn besser geworden“, sagte Grube. „Die Leitungen sind stabil. Auch wenn Sie mit 250 km/h durch einen Tunnel oder durch dünn besiedelte Gegenden fahren – vorausgesetzt die Mobilfunkabdeckung stimmt.“ Hier arbeiteten die Anbieter an Verbesserungen.

„Heute lautet der erste Satz eines Telefonats häufig: „Hallo, ich bin im Zug. Wenn die Leitung zusammenbricht, rufe ich zurück““, sagte Grube. „Das darf nicht mehr sein im 21. Jahrhundert, im Zeitalter der Kommunikation und Digitalisierung.“ Bis Ende 2017 sollen deshalb die meisten Züge Verstärker erhalten. Ohne die sogenannten Repeater geht es nicht, weil die Karosserie der Züge kaum Mobilfunksignale durchlässt.

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Mit dem Verkauf von Schenker und Arriva wollte Bahn-Chef Rüdiger Grube Geld für Investitionen einstreichen. Doch nach dem Brexit-Votum ändert der Vorstand seine Pläne. Neues Geld kommt aus anderer Quelle.

Grube bekräftigte, zum Jahreswechsel auch die zweite Klasse im ICE mit kostenlosem Wlan auszustatten. „Wir werden am 1. Januar 2017 in allen ICE-Zügen Wlan haben und zwar in einer deutlich besseren Qualität. Das verspreche ich Ihnen.“

Von einem bestimmten Volumen an wird die Geschwindigkeit aber gedrosselt. „Wenn Sie die gleiche hohe Geschwindigkeit beibehalten wollen, dann müssen Sie entsprechend bezahlen“, sagte Grube, ohne Beträge oder Datenmengen zu nennen. Er versicherte: „Für das übliche Arbeiten und Kommunizieren reicht das kostenlose Datenvolumen aber völlig aus.“

Die Baustellen der Bahn

Fernverkehr

Im Herbst hat die Bahn den neuen ICE 4 vorgestellt – und sich im Fernverkehr Einiges vorgenommen. Um 25 Prozent soll das Angebot bis 2030 ausgebaut, fünfzig Millionen neue Fahrgäste gewonnen werden. Tatsächlich schafft es die Bahn mit ihrer Preisoffensive, etwa mit den 19-Euro-Tickets, mehr Fahrgäste in die Züge zu locken. Aber die Rendite leidet.

Güterverkehr

Der Güterverkehr der Bahn ist ein Sanierungsfall. Zwar verbesserte sich das Ergebnis von DB Cargo im ersten Halbjahr 2016, aber die Sparte ist defizitär – und das schon seit Jahren. Zwischen 2007 und 2015 stagnierte die Verkehrsleistung, und das in einer boomenden Wirtschaft. Private Anbieter, auch auf der Straße, machen der Bahn zunehmend Konkurrenz.

Pünktlichkeit

174,63 Millionen Minuten haben die Personen- und Güterzüge der Bahn 2015 an Verspätungen eingefahren. Hauptursache ist die wachsende Zahl von Baustellen. Zwar schneidet die Bahn im ersten Halbjahr 2016 besser ab. Aber: Das Bemühen um pünktliche Züge ist laut Bahnchef Grube „mit großen Kraftanstrengungen verbunden“.

Infrastruktur

Die Bahn investiert viel Geld in die Infrastruktur: Gut 5,2 Milliarden Euro flossen 2015 etwa in die Instandhaltung von Schienenwegen und Brücken. Doch es hapert bei der Koordinierung der vielen Baustellen. Und so verursacht die von Konzernchef Grube gefeierte „größte Modernisierungsoffensive in der Bahn-Geschichte“ vor allem eines: Verspätungen.

Privatisierung

Die Bahn braucht Geld, um den Schuldenanstieg zu bremsen. Geplant war deshalb ein Verkauf von maximal 40 Prozent der britischen Tochter Arriva und des Transport- und Logistikkonzerns DB Schenker. Arriva sollte im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker danach in Frankfurt. Doch die Pläne sind jetzt vom Tisch.

Stuttgart 21

Bahnchef Grube feierte kürzlich die Grundsteinlegung für den Stuttgarter Tiefbahnhof, aber das Großprojekt bleibt umstritten. Beim Volksentscheid 2011 war noch von 4,5 Milliarden Euro Kosten die Rede. Der Bundesrechnungshof hält nun offenbar zehn Milliarden Euro für möglich, Grube selbst spricht von 6,5 Milliarden Euro.

Zusätzlich sollen Fahrgäste von Februar an über das ICE-Portal auf Angebote der Online-Videothek Maxdome zugreifen können. „Diese kostenlos verfügbaren Filme und Serien belasten nicht das Datenkontingent unserer Fahrgäste, sondern liegen auf einem Server im Zug.“

Anders als im Fernverkehr, den die Bahn eigenwirtschaftlich betreibt, hängt ein Wlan-Angebot im Regionalzügen davon ab, ob die Bundesländer oder die regionalen Verkehrsverbünde es auch bestellen. Grube sagte, er sei mit Bestellern und Mobilfunkanbietern im Gespräch, um „baldmöglichst“ Wlan auch in Regionalzüge zu bringen. „WLAN im Zug ist für viele Kunden mittlerweile so wichtig wie die Toilette.“

Von

dpa

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