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01.09.2016

09:29 Uhr

Hanjin-Pleite

Ein Containerriese in Seenot

VonMartin Kölling

Die weltweite Schifffahrtskrise führt zu einer Großpleite: Hanjin aus Südkorea hat Zwangsverwaltung beantragt. Die Regierung in Seoul greift ein, um den Kollaps zu verhindern – doch auch der Retter ist hoch verschuldet.

Der Schuldenberg der Reederei ist auf umgerechnet rund 4,5 Milliarden Euro angestiegen. Imago

Hanjin-Schiff auf der Elbe

Der Schuldenberg der Reederei ist auf umgerechnet rund 4,5 Milliarden Euro angestiegen.

TokioNiedrige Frachtraten im internationalen Containerverkehr sorgen für eine Konsolidierung unter Südkoreas notleidenden Reedereien. Die Regierung in Seoul kündigte am Mittwoch an, dass Hyundai Merchant Marine (HMM) wichtige, finanziell gesunde Teile von Südkoreas größter Reederei Hanjin Shipping übernehmen werden.

Dadurch solle die Wettbewerbsfähigkeit dieses Industriezweigs bewahrt werden, erklärte der Vizechef von Südkoreas Finanzaufsicht, Jeong Eun-bo, unumwunden. Der Grund für das Krisenmanagement: Die in Schieflage geratene Reederei Hanjin musste am Mittwoch bei Gericht die Zwangsverwaltung beantragen. Denn die Gläubiger hatten zuvor den jüngsten Sanierungsplan des Unternehmens als unzureichend abgelehnt und damit überlebensnotwendige Kapitalspritzen versagt.

Hanjin sollte eigentlich Teil des neuen Reederei-Verbunds „THE Alliance“ werden, der im kommenden April an den Start gehen soll. Federführend dabei ist die deutsche Hapag-Lloyd. Die Allianz würde mehr als 620 Schiffe und damit 18 Prozent der weltweiten Flottenkapazität umfassen.

Falls das Gericht den Antrag von Hanjin annimmt, werden das Vermögen und die Verbindlichkeiten des hoch verschuldeten Unternehmens vorerst eingefroren. Danach entscheiden die Richter, ob die siebtgrößte Reederei der Welt saniert oder aufgelöst werden soll.

Allerdings wäre es eine große Überraschung, wenn HMM leer ausginge. Denn die Geldgeber des Konzerns, allen voran die staatliche Koreanische Entwicklungsbank (KDB), haben ihr Urteil schon gesprochen. Neue Finanzhilfen für Hanjin wären so, als ob man frisches Wasser in einen zerbrochenen Krug füllen würde, lautete die Begründung örtlichen Medien zufolge.

Der Bankrott wäre der Beratungsfirma Alphaliner zufolge weltweit der bislang größte in der Branche. Nicht nur drücken Schulden von umgerechnet 4,5 Milliarden Euro die siebtgrößte Schifffahrtslinie der Welt unter Wasser, auch die Bilanz ist Leck geschlagen. In vier der vergangenen fünf Jahre schrieb Hanjin rote Zahlen. Und auch dieses Jahr steuert das Unternehmen wieder auf einen Verlust zu.

Aber noch ist umstritten, ob die mögliche Teilübernahme durch den Lokalrivalen der von der Regierung erhoffte Befreiungsschlag für Koreas Reeder ist. HMM ist ebenfalls hoch verschuldet und wird von der KDB gestützt. Außerdem ist nicht gesagt, dass auch im großen Umfang Schiffe aus dem Verkehr gezogen und damit Überkapazitäten abgebaut werden.

Doch unbestritten hat HMM einen Vorteil: Der Sanierungsplan des Unternehmens wurde bereits abgesegnet und nun unter Aufsicht der Gläubiger umgesetzt. Laut Bloomberg ist die KDB durch einen Tausch ihrer Kredite gegen Firmenanteil mit einem Anteil von 14 Prozent bereits größter Aktionär. Zudem will die Regierung HMM offenbar nicht eine Fusion und damit die Schulden Hanjins aufdrücken, sondern nur gesunde Unternehmensteile. Genaues ist nicht bekannt.

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Allen Unsicherheiten zum Trotz feierten die Anleger schon die Tatsache, dass die Regierung nun einen Gewinner gezogen hat. Der Aktienkurs von HMM stieg zwischenzeitlich um 28 Prozent an, bevor er mit 9330 Won 25 Prozent höher als am Vortag aus dem Handel ging.

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