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31.03.2016

21:46 Uhr

Hannover-Kassel

Bahn bestätigt zweiwöchige Sperrung wichtiger ICE-Strecke

Es ist eine der am stärksten befahrenen Bahnstrecken Deutschlands: Wer Ende April und Anfang Mai zwischen Hannover und Kassel unterwegs ist, muss viel Geduld mitbringen. Nicht nur Fahrgastvertreter sind überrascht.

Der Messehalt in Hannover wird weiter bedient. dpa

ICE-Strecke Hannover-Kassel

Der Messehalt in Hannover wird weiter bedient.

BerlinFahrgäste der Deutschen Bahn müssen sich wegen einer zweiwöchigen Sperrung der wichtigen ICE-Strecke zwischen Göttingen und Hannover auf Zugausfälle, Umleitungen und längere Fahrzeiten einstellen. Die vielbefahrene Schnellstrecke werde zwischen dem 23. April und dem 8. Mai gesperrt, bestätigte die Bahn am Donnerstagabend in Berlin. Auf mehreren Abschnitten müsse Schotter erneuert werden.

Die Auswirkungen für die Kunden sollten so gering wie möglich gehalten werden. Im Fernverkehr würden während der zweiwöchigen Sperrung über 90 Prozent der Züge fahren. Auch der Messehalt in Hannover werde bedient. Allerdings werde es wegen der notwendigen Umleitungen zu längeren Fahrzeiten von bis zu einer Stunde kommen. Auch könnten nicht alle Bahnhöfe bedient werden. Für die Fahrgäste gebe es Kulanzregelungen.

Zuvor hatte es Irritationen gegeben, weil das das Eisenbahn-Bundesamt über die bevorstehenden Arbeiten berichtet hatte, die Bahn sich aber zu Details nicht äußerte. Fahrgastvertreter zeigten sich überrascht und kritisierten den kurzen Vorlauf für die Bahnkunden.

Im Fernverkehrs sind folgende ICE-Verbindungen betroffen: Berlin-Kassel-Frankfurt-Stuttgart-München, Berlin-Kassel-Frankfurt-Karlsruhe-Schweiz, Hamburg-Hannover-Kassel-Frankfurt-Karlsruhe-Schweiz/Stuttgart, Hamburg/Bremen-Hannover-Würzburg-Nürnberg/Augsburg-München sowie Hamburg-Hannover-Kassel-Gießen-Frankfurt-Karlsruhe. Auch im Nahverkehr werden einzelne Linien von Ausfällen betroffen sein.

Hier baut die Bahn 2016

Hamburg − Hannover

Von Mai bis Mitte Juli Weichen- und Gleiserneuerung. Umleitungen im Fernverkehr mit bis zu 30 Minuten längerer Fahrzeit, im Nahverkehr 15 Minuten.

Hannover – Göttingen

Von Mitte Juli bis Anfang September teilweise Totalsperrung und Umleitungen. 40 Minuten mehr Fahrzeit im Fernverkehr. Auch Nahverkehr betroffen.

Hannover – Kassel

Möglicherweise kurzfristig Austausch von Schotter. Zeitplan und Umfang möglicher Sperrungen will die Bahn „in Kürze“ bekannt geben.

Mannheim − Karlsruhe/Stuttgart

Längere Fahrtzeiten von fünf Minuten wegen eines Stellwerksbaus von Ende April bis Anfang September und Mitte November bis Dezember.

Münster – Osnabrück

Von Anfang August bis Anfang November teilweise Sperrungen und Umleitungen einzelner Fernzüge, 22 Minuten längere Fahrzeit.

Berlin − Elsterwerda − Dresden

Ab Anfang August sind Fernzüge wegen einer Umleitung 20 Minuten länger unterwegs. 75 Regionalzüge zwischen Flughafen Schönefeld und dem Süden Brandenburgs fallen pro Tag aus.

München − Salzburg/Kufstein

Teilausfälle Ende April und Anfang Mai sowie von August bis Oktober

Köln − Hagen

Längere Fahrzeiten im Fernverkehr wegen Umleitung über Düsseldorf ab Juli. Grund sind Gleiserneuerungen zwischen Solingen und Opladen.

Ulm − Augsburg

Von Ende Juli bis Mitte September Teilausfälle und längere Fahrtzeiten von 20 Minuten wegen Gleis- und Brückenarbeiten, im Nahverkehr 30 Minuten.

Die Bahn betonte, für Besitzer von ICE- oder IC-Zeitkarten im Abo gebe es eine Teilrückerstattung. Betroffene Kunden mit einer BahnCard 100 sollten sich beim BahnCard-Service melden. Bereits erworbene Flex- und Sparpreistickets sowie Reservierungen würden kostenlos erstattet.

Die vielbefahrene Strecke ist in die Jahre gekommen. Von 2019 an soll sie ohnehin grundlegend erneuert werden. Damit die Strecke bis dahin durchhält, hatte die Bahn schon im Februar für die Zeit vom 18. Juli bis 2. September Gleis- und Weichenwechsel zwischen Hannover und Göttingen angekündigt. Hinzu kommen nun die Probleme mit dem Schotter. Er erlaube für Hochgeschwindigkeitszüge bei Temperaturen über 25 Grad Celsius keine sichere Fahrt mehr, berichtete hr-iNFO unter Berufung auf Verantwortliche.

„Die DB Netz AG hat auf festgestellten Instandhaltungsbedarf bislang mit betrieblichen Sofortmaßnahmen und punktuellen Ausbesserungen reagiert“, hieß es beim Eisenbahn-Bundesamt. Nun sei eine umfangreiche Sanierung geplant, um den Oberbau zu verbessern.

Die Trasse gehört zu den wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen des Landes. Wer zwischen München und Hamburg oder Frankfurt und Berlin unterwegs ist, nutzt oftmals die Verbindung zwischen Hannover und Kassel. Betroffen von der Sperrung sind auch Gäste der Industrieschau Hannover Messe (25. bis 29. April). „Gerade die Nord-Süd-Verbindung ist für unsere Besucher extrem wichtig„, sagte ein Messesprecher.

Wie die Deutsche Bahn ihre Kundenfreundlichkeit verbessern will

Mehr Pünktlichkeit

Die Bahn will die Pünktlichkeit ihrer Züge „deutlich steigern“. Dazu sollen alle Betriebsabläufe optimiert werden – unter anderem durch den Einbau von größeren Zeitpuffern in den Fahrplänen an viel befahrenen Netzknotenpunkten und den Einsatz neuer mobiler Wartungsteams, die Störungen an Zügen flexibel beseitigen sollen. Ein neuer Schlepplok-Dienst soll liegengebliebene Züge schneller von den Schienen holen. Um Unwetterschäden zu vermeiden, wird die Baumpflege an den Strecken ausgebaut.

Bessere Internetverbindungen

Im kommenden Jahr will der Konzern den Telefon- und Internetempfang in ICE-Zügen nach eigenen Angaben „deutlich“ verbessern und dafür etwa die Empfangstechnik aufrüsten. Das WLAN-Netz der Bahn soll in den kommenden Jahren nach und nach entlang der Reisekette auf mehr Fernverkehrszüge, Bahnhöfe und auch auf S-Bahn- und Nahverkehrszüge ausgedehnt werden.

Aktuellere Reiseinformationen

Mit neuen Zuganzeigesystemen an den Bahnhöfen will die Bahn ab kommendem Jahr den Informationsfluss in Sachen Gleiswechsel, Ankunftszeitprognosen und Wagenreihenfolgen verbessern. „Mittelfristig“ will sie ein digitales „Live Ticket“ einführen, das sich aktualisiert und Reisende unterwegs mit den für sie relevanten Streckeninformationen versorgt. Wenn nötig, kann es auch Alternativrouten vorschlagen und Umbuchungen vornehmen.

Mehr Service im Zug

Mitarbeiter sollen in Kooperation mit Unternehmen etwa aus der Hotel- und Gaststättenbranche in puncto „Serviceorientierung“ ausgebildet werden. Reisende mit Smartphones und Online-Tickets sollen sich künftig selbst im Zug anmelden können, wodurch eine Fahrkartenkontrolle überflüssig wird („Self Check In“). Zugbegleiter sollen so mehr Zeit für Serviceaufgaben haben.

Komfortablere Bahnhöfe

Die Zuverlässigkeit von Aufzügen und Rolltreppen an den Bahnhöfen in Ballungszentren will die Bahn „signifikant“ auf weit über 90 Prozent steigern. Dazu sollen etwa Entstörbereitschaften auf Zweischichtdienste umstellen und an Wochenenden arbeiten. 31 S-Bahn-Stationen in Metropolen werden renoviert, zudem sollen bundesweit 21 Umsteigebahnhöfe „offener und einladender“ umgestaltet werden. Mit der sogenannten Stationsoffensive richtet der Konzern 350 neue Haltepunkte in ländlichen Gebieten ein.

Mehr Unterhaltung

Das in ICE-Zügen verfügbare kostenlose sogenannte Infotainment-Portal, das etwa Echtzeit-Reiseinformationen und bestimmte Nachrichtenangebote bietet, soll künftig auch in weiteren Zügen und an Bahnhöfen verfügbar sein. Ab Ende 2016 sollen Bahnkunden umsonst „umfangreiche Film- und Musikangebote“ abrufen können. Zusätzlich richtet das Unternehmen eine Datenbank mit „aktuellen Blockbustern“ ein, die Reisende im „Pay per View“-Verfahren gegen Bezahlung ansehen können.

„Was wir als Kundenverband auch nicht verstehen ist, dass man hier Maßnahmen en détail sehr kurzfristig ankündigt“, sagte der Ehrenpräsident von Pro Bahn, Karl-Peter Naumann. Das sei man von anderen Baumaßnahmen nicht gewohnt. Der Grünen-Verkehrspolitiker Matthias Gastel mahnte an, dass die Bahn ihre Baustellen verlässlich koordiniere und frühzeitig kommuniziere. „Sonst gehen ihr weitere Fahrgäste von der Stange.“

Die Bahn hatte Anfang Februar angekündigt, die Zahl ihrer Bauprojekte in diesem Jahr deutlich zu erhöhen. Geplant sind nach Angaben des Unternehmens rund 850 Vorhaben, im vergangenen Jahr waren es 500.

Von

dpa

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