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07.03.2006

13:14 Uhr

Hans Rudolf Wöhrl will aussteigen

LTU und DBA kommen bis 2007 in neue Hände

Gerade erst ist Hans Rudolf Wöhrl beim Düsseldorfer Ferienflieger LTU eingestiegen. Schon kündigt er seinen weitgehenden Ausstieg bis Ende 2007 an. Auch von der DBA will er weg. Bis dahin hat Wöhrl speziell mit LTU aber noch einiges vor.

Seit Mitte Februar ist Wöhrl größter Anteilseigner bei LTU. Foto: dpa

Seit Mitte Februar ist Wöhrl größter Anteilseigner bei LTU. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. „Nach meinem 60. Geburtstag werde ich mich mal etwas ganz anderem widmen“, sagte Wöhrl am Dienstagabend in München. Er wolle dann weder operativ noch beratend tätig sein noch eine Position im Aufsichtsrat bekleiden, sagte er. Wöhrl hält über seine Beteiligungsgesellschaft Intro neben 60 Prozent an der LTU auch die Mehrheit an dem Billigflieger DBA. Auf die Frage, ob er mit seinem Rückzug Ende 2007 auch seine Anteile an den beiden Gesellschaften abgebe, sagte Wöhrl: „Mit Sicherheit werde ich sie nicht in der Höhe behalten.“

Die Mehrheit an LTU werde er relativ schnell wieder abgeben, da er die Geschäftsführung an der Fluggesellschaft beteiligen wolle – als Motivation für die Sanierung. Wöhrl hatte Mitte Februar überraschend die Mehrheit an dem defizitären Ferienflieger übernommen und will ihn zu einem modernen Billigflieger für die Langstrecke umbauen. Nötig seien dazu Einsparungen von 45 bis 55 Mill. Euro in diesem Jahr. „LTU muss sehr schnell in die Puschen kommen. Entweder sie ist in einem halben Jahr gedreht oder nie“, drängte er auf rasche Erfolge. Es gebe „keine Überlebensgarantie“ für das Unternehmen.

Für 2006 strebt Wöhrl eine schwarze Null für den Ferienflieger an, auch ein Verlust von 10 bis 15 Mill. Euro wäre aus seiner Sicht noch akzeptabel. Die bereits unter den bisherigen Eigentümern geplanten Personalkosteneinsparungen in Höhe von 15 Mill. Euro sollen über einen Gehaltsverzicht von etwa 2 Prozent umgesetzt werden. „Wenn es auf diese sanfte Form nicht kommt, gibt es sicher eine sehr viel härtere Lektion“, sagte Wöhrl. Wenn es nicht gelinge, die geplanten Einsparungen bei den Personalkosten zügig umzusetzen, ließen sich auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen. Quersubventionen zwischen DBA und LTU werde es nicht geben.

Weitere 15 Mill. Euro an Ergebnisverbesserungen sollen aus Synergien und Kostenersparnissen kommen, beispielsweise durch einen gemeinsamen Treibstoffeinkauf und die Zusammenlegung von Versicherungen. Der LTU-Umsatz soll sich um 15 bis 25 Mill. Euro verbessern, etwa über ein besseres Marketing. „Wenn es so weitergelaufen wäre wie bisher, wäre ein Verlust von 40 bis 60 Mill. Euro in diesem Jahr herausgekommen“, sagte Wöhrl.

Die beiden Marken DBA und LTU sollen voraussichtlich getrennt voneinander weitergeführt werden. „Im Moment erscheint uns das nach vielen Überlegungen der sinnvollste Weg“, sagte Wöhrl. Die mehr auf Geschäftsreisen fokussierte DBA werde sich auch künftig auf das Geschäft mit Flügen von bis zu 90 Minuten Länge konzentrieren und die LTU auf Langstreckenflüge. Dabei könnte LTU die erste Airline sein, die im „Low-Fare-Segment“ weltweit Luftfahrt betreibt.

Ein Börsengang sei derzeit „für keines der beiden Unternehmen relevant“, sagte Wöhrl. Ein solcher Schritt komme für ihn nur unter der Prämisse der Flugzeugfinanzierung in Frage.

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