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13.05.2016

13:19 Uhr

Hapag-Lloyd bildet Allianz

Eine neue Macht auf den Weltmeeren

VonChristoph Schlautmann

Hapag-Lloyd macht es der Lufthansa nach: Eine neue Allianz mit asiatischen Konkurrenten, die über 620 Schiffe fast, soll die Linien im Wettbewerb stärken. Doch für die größte deutsche Reederei gibt es dabei auch Risiken.

Die größte deutsche Reederei verbündet sich mit Konkurrenten aus Asien. dpa

Hapag-Lloyd Containerschiff „Tsingtao Express“

Die größte deutsche Reederei verbündet sich mit Konkurrenten aus Asien.

DüsseldorfUnter Führung der Hamburger Container-Reederei Hapag-Lloyd kommt es zu einer neuen Allianz auf den Weltmeeren. Wie das seit November börsennotierte Unternehmen mitteilte, soll das Bündnis mit weiteren fünf Reedereien im April 2017 unter dem Namen „THE Alliance“ an den Start gehen.

Ein neuer Zusammenschluss war bereits erwartet worden, weil Hapags bisheriger Verbund „G6“ vor dem Aus steht. Der bisherige Partner NOL/APL aus Singapur war neulich erst von dem französischen Wettbewerber CMA CGM geschluckt worden, die koreanische Hyundai Merchant Maritime (HMM) befindet sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und das G6-Mitglied OOCL aus Hongkong entschied sich für einen Wechsel zum neugegründeten Konkurrenzverband „Ocean Alliance“, der vergangenen Monat unter der Führung von CMA CGM entstand.

Die Allianzen auf den Weltmeeren funktionieren ähnlich wie die in der Luftfahrt, wo sich die Airlines der „Star Alliance“ oder „One World“ die Netzverbindungen teilen. Mit ihren Zusammenschlüssen sorgen die Container-Reedereien etwa dafür, dass eine Linienverbindung („Loops“) in kurzen Abständen wie an einer Perlenkette verkehrt, ohne dass sämtliche Schiffe von nur einer Reederei gestellt werden müssen. Zudem verbünden sich die Reedereien beim Einkauf von Treibstoff oder beim Aushandeln von Hafengebühren. Im Insolvenzfall eines Mitglieds tragen sie außerdem die Haftung.#

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Hapags neue Allianz, die mehr als 620 Schiffe und damit 18 Prozent der weltweiten Flottenkapazität umfasst, muss sich allerdings mit dem dritten Rang begnügen. An der Spitze bleibt der Zusammenschluss der beiden Weltmarktführer Maersk aus Dänemark MSC aus der Schweiz. Der unter „2M“ firmierende Zusammenschluss kommt aktuell auf Transportkapazitäten von 5,56 Millionen Standardcontainer (Teu). Und auch die „Ocean Alliance“ ist mit 5,45 Millionen Teu deutlich größer.

Branchenexperten wie Bodo Knop vom Düsseldorfer Logistikdienstleister SRTS geben außerdem zu bedenken, dass sich der neue „THE Alliance“-Partner Hanjin in schwerer Schieflage befindet. Die verlustreiche wie überschuldete Reederei, die zu einem Drittel der Fluggesellschaft Korean Airlines gehört, befindet sich derzeit in einem Restrukturierungsprogramm unter Führung der Gläubiger. Ohnehin fuhren im vergangenen Jahr vier der neuen Hapag-Partner operative Verluste ein.

Das Risiko, am Ende insbesondere für die Koreaner finanziell einspringen zu müssen, hält Hapag-Lloyd dennoch für überschaubar. „Es haften schließlich alle Mitglieder“, hieß es dazu in Hamburg. Denkbar sei zudem, dass auch die koreanische HMM, die derzeit ebenfalls in der Sanierung steckt, dem Bündnis mit Verspätung beitritt.

Wachstum für „THE Alliance“ könnte außerdem von der arabischen UASC kommen. Sie verhandelt derzeit mit Hapag-Lloyd eine Fusion, wobei die Gespräche nach Angaben aus Verhandlungskreisen „nach Plan“ verlaufen. Führen sie zum Erfolg, wächst das Bündnis um weitere 0,5 Millionen Teu an Transportkapazität.

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