Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.08.2016

15:00 Uhr

Hapag-Lloyd und UASC

Jansens teurer Traum von 1001 Nacht

VonChristoph Schlautmann

Die Container-Reederei UASC, die sich Hapag-Lloyd einverleiben will, schreibt schon jetzt höhere Verluste als gedacht. Die Eigentümer müssen Bargeld nachschießen. Für Hapag-Chef Jansen gibt es dafür heftigen Gegenwind.

Der Chef von Hapag Lloyd verteidigte auf der Hauptversammlung die Übernahme von UASC. dpa

Rolf Habben Jansen

Der Chef von Hapag Lloyd verteidigte auf der Hauptversammlung die Übernahme von UASC.

HamburgUm die Übernahme ihrer Container-Reederei UASC durch den Hamburger Rivalen Hapag-Lloyd nicht platzen zu lassen, müssen die arabischen Eigentümer voraussichtlich noch einmal kräftig Geld in die Hand nehmen. Weil der verlustreichen Schifffahrtsgesellschaft vom Persischen Golf das Eigenkapital schneller dahinschmilzt als erwartet, haben die Verkäufer nach heutigem Stand 33 Millionen US-Dollar nachzuschießen.

Um diese Summe liegt das Eigenkapital von UASC schon jetzt unter der vereinbarten Mindestgrenze von 1,95 Milliarden Dollar. Grund sind die galoppierenden Verluste des Übernahmekandidaten, der 2015 gut 384 Millionen Dollar verlor, im ersten Halbjahr 2016 darüber hinaus noch einmal 201 Millionen Dollar.

Die Baustellen von Hapag-Lloyd

Sinkende Frachtraten

Weil sich Container-Reedereien einen Wettlauf um immer größere Schiffe leisten, damit die eigenen Betriebskosten sinken, wachsen die Überkapazitäten auf den Weltmeeren. Das drückt die Frachtraten bei den meisten so sehr, dass kaum noch ein Anbieter Gewinne erzielt. Die Beratungsagentur Drewry rechnet damit, dass 2016 in der Branche ein Gesamtverlust von fünf Milliarden Dollar zusammenkommen wird.

Fragwürdige Übernahme

Spätestens zum Jahresende will sich Hapag-Lloyd den arabischen Rivalen UASC einverleiben. Der aber bringt nicht nur vier Milliarden Dollar an Schulden in die Firmenehe, sondern auch einen verlustreichen Betrieb. Allein in den ersten sechs Monaten 2016 verbrannte der Übernahmekandidat 200 Millionen US-Dollar. Inzwischen ist fraglich, ob die angepeilten Synergieeffekte den Gesamtkonzern überhaupt über die Nulllinie bringen werden. Zudem erhalten die Araber, die ihre gesamte Reederei in Hamburg einbringen, im Gegenzug 28 Prozent der Konzernaktien. Das verwässert die Dividende, sollte sie in ferner Zukunft einmal gezahlt werden.

Verpatzter Börsengang

Bis zu 29 Euro sollte die Aktie ursprünglich zum Börsengang am 6. November 2015 bringen. Kurz vor dem IPO aber musste Hapag-Lloyd den Ausgabekurs deutlich senken – auf 20 Euro, weil das Interesse auf Seiten der Anleger mäßig blieb. Doch selbst davon sind die Papiere heute weit entfernt. Wer damals zugriff, verlor seither rund 18 Prozent. Wie ein Damoklesschwert hängt zudem eine angekündigte Verkaufsabsicht über der Aktie. Der Reisekonzern Tui, der knapp neun Prozent hält, will sich bei Gelegenheit von den Papieren trennen.

Zwang zu neuen Kooperationen

Über mehrere Jahre teilte sich Hapag-Lloyd die Schiffsrouten mit fünf weiteren Reedereien in der Kooperation „G6“. Das half, Überkapazitäten und Engpässe zu verringern. Doch damit wird im April 2017 Schluss sein. Schon jetzt stieg der Singapurer Partner NOL/APL aus dem Verbund aus, weil er vom französischen Rivalen CMA CGM geschluckt wurde. OOCL aus Hongkong wird in einen konkurrierenden Verbund wechseln, Hyundai Merchant Maritime (HMM) gilt wegen finanzieller Schwierigkeiten als unsicherer Partner. Hapag-Lloyd gründete deshalb mit fünf teilweise neuen Partnern die „THE Alliance“, die im kommenden Jahr startet. Die Neuordnung aber dürfte mit Umbauten und erheblicher Unruhe verbunden sein.

Auf der Hauptversammlung am Freitag in Hamburg sorgte die geplante Übernahme deshalb für Skepsis. „UASC hat die schlechteste Marge aller Containerlinien weltweit“, warnte Karlfried von Websky, Aktionärsvertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).

Auch die Verschuldung, die sich durch die Übernahme auf 8,3 Milliarden Dollar verdoppelt, bereitet den Anteilseignern Sorge. So hat die Ratingagentur Moody's errechnet, dass die Nettoverschuldung nach dem UASC-Zukauf dem Siebenfachen des Betriebsgewinns (Ebitda) entsprechen wird. „Dieses Verhältnis bis 2018 wieder zu halbieren, wie es der Hapag-Lloyd-Vorstand angekündigt hat, halten wir für ein ehrgeiziges Ziel“, glaubt von Websky.

Mit Zustimmung der Hapag-Hauptversammlung soll der von Dubai aus gesteuerte Wettbewerber zum Jahresende auf den Hamburger Konzern verschmolzen werden. Die Altaktionäre von UASC, darunter die Staatsfonds von Saudi Arabien und Katar, erhalten im Gegenzug 28 Prozent an Hapag-Lloyd. Den Zukauf bewertet das mit 540 Millionen Euro.

Hapag-Lloyd-Vorstandschef Rolf Habben Jansen verteidigte die Übernahme auf der Hauptversammlung trotz der Risiken vehement. „Durch die Fusion wird unsere Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessert“, sagte er. Mit dem Zusammenschluss festige man langfristig die Marktposition unter den fünf größten Containerreedereien. Ab 2019 stellte er zudem jährliche Synergieeffekte von 435 Millionen Dollar in Aussicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×