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23.02.2016

15:07 Uhr

Hapag-Lloyd zieht Bilanz

Wettstreit auf den Weltmeeren

VonJacqueline Goebel
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Im achten Jahr der Schifffahrtskrise ist Größe wichtiger denn je. Eine Übernahmewelle überrollt die Branche, neue Riesen entstehen. Das setzt auch Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd unter Druck.

Das Containerschiff Kyoto Express von Hapag-Lloyd wird im Hamburger Hafen umgeschlagen: Die Reederei ist zurück in der Gewinnzone. dpa

Hapag Lloyd

Das Containerschiff Kyoto Express von Hapag-Lloyd wird im Hamburger Hafen umgeschlagen: Die Reederei ist zurück in der Gewinnzone.

Als Michael Behrendt sein Amt als Chef von Hapag-Lloyd vor beinahe zwei Jahren an seinen Nachfolger Rolf Habben Jansen abtrat, gab er diesem einen guten Rat: „Size matters“, sagte er. Größe zählt.

Seitdem hat Habben Jansen bei Hapag-Lloyd vieles richtig gemacht: Unter seiner Leitung ist die Hamburger Reederei mit dem chilenischen Konkurrenten CSAV fusioniert. Im November haben die Hamburger endlich ihren Börsengang geschafft, trotz aller Schwierigkeiten. Habben Jansen hat neue Kooperationen geschlossen. Er hat die Kosten reduziert.

Die vorläufigen Jahreszahlen, die der Konzern an diesem Dienstag vorgelegt hat, belegen: Hapag-Lloyd hat sich nun wieder in die Gewinnzone zurückgekämpft. Der Betriebsgewinn lag im Schlussquartal bei 17,8 Millionen Euro. Vor einem Jahr hatte ein Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von knapp 305 Millionen Euro zu Buche gestanden.

Auch im Gesamtjahr schrieb die Nummer fünf unter den weltweiten Containerlinien operativ schwarze Zahlen, weil die Kosten dank der Fusion mit der Containersparte mit CSAV sanken. Der Betriebsgewinn betrug 366,4 (Vorjahr: Verlust 382,8) Millionen Euro. Der Umsatz kletterte nach den vorläufigen Zahlen im vergangenen Jahr um fast ein Drittel auf 8,8 Milliarden Euro.

Die größten Reedereien der Welt

Platz 10

OOCL – 104 Schiffe

Die Orient Overseas Container Line wurde 1947 in Shanghai durch den Unternehmer Tung Chao Yung unter dem Namen „Orient Overseas Line“ gegründet. Noch im selben Jahr begann Tung regelmäßiger Routen nach Nordamerika und Europa zu etablieren. Auf der Flucht vor den Kommunisten siedelte Tung mit seinem 1949 nach Hongkong um. 1969 wurde das Unternehmen zur „Orient Overseas Container Line“ und transportierte als erste asiatische Reederei regelmäßig Containerfracht über den Pazifik. Von 1979 bis 1989 stand mit dem Öltanker Seawise Giant das bis heute größte jemals (nicht an einem Stück) gebaute Schiff im Dienst der Flotte.

Quelle: Alphaliner, Stand 06. Januar 2016

Platz 9

CSCL - 124 Schiffe

Die China Shipping Container Lines (CSCL) gehören zu den jüngsten Reedereien der Containerschifffahrt und gehört zur China Shipping Group. Seit 1997 expandiert die chinesische Reederei massiv – und steuert alleine in China über 40 Häfen an.

Platz 8

Hamburg Süd – 134 Schiffe

Es ist ein Unternehmen mit Tradition: Hamburg Süd ging 1871 aus dem Zusammenschluss von elf Hamburger Handelsgesellschaften hervor. Heute gehört die Reederei zum Oetker-Konzern. Im März 2015 übernahm sie den chilenischen Konkurrenten CCNI.

Platz 7

PIL – 147 Schiffe

Mit der Küstenschifffahrt und kleinen Liniendiensten von Singapur in die Häfen Südostasiens begann 1967 die Erfolgsgeschichte der Pacific International Lines. In den folgenden Jahrzehnten dehnte die Reederei ihr Containerliniennetz von Asien nach Europa und schließlich in die ganze Welt aus. Bis heute ist PIL ein Familienunternehmen.

Platz 6

Cosco - 169 Schiffe

Die China Ocean Shipping Company wurde in Europa bekannt, weil die Reederei in der Finanzkrise 50 Prozent der Anteile am Hafen in Piräus übernommen hat. In der Containerschifffahrt haben die Chinesen ihr weltweites Netz in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut.

Platz 5

Hapag-Lloyd - 172 Schiffe

Hapag-Lloyd ging 1970 aus der Fusion von Hapag und Norddeutschem Lloyd hervor. 2014 übernahm der Konzern den chilenischen Konkurrenten CSAV, um im Wettbewerb der Großen mithalten zu können. Muttergesellschaft ist der Tui-Konzern.

Platz 4

Evergreen - 192 Schiffe

Anders als der Name vermuten lässt, kommt die Reederei Evergreen aus China, genauer: aus Taipeh. Zum Konzern gehören die Uniglory Marine aus Taiwan, die Evergreen Marine UK (vorher: Hatsu Marine) aus Großbritannien und die Lloyd Triestino (einst Österreichischer Lloyd, seit 2006 Italia Marittima). Darüber hinaus hält die Reederei Beteiligungen an der Fluggesellschaft Eva Air und an der Hotelkette Evergreen Laurel.

Platz 3

CMA CGM - 461 Schiffe

Aus Compagnie Générale Maritime (CGM) und der Compagnie Maritime d'Affrètement (CMA) entstand 1999 die größte Reederei Frankreichs, die auch weltweit in der Top drei landet. Mit der CMA CGM Marco Polo betreibt das Unternehmen eines der größten Containerschiffe der Welt, an Bord ist Platz für über 16.000 Container.

Platz 2

MSC - 487 Schiffe

Eine der größten Reedereien der Welt kommt ausgerechnet aus der Schweiz. Die Mediterranean Shipping Company (MSC) aus Genf wuchs jahrelang rasant durch den Kauf gebrauchter Containerschiffe, bestellt mittlerweile aber auch neue Schiffe. Wichtigster Umschlagplatz ist der Hafen in Antwerpen, weltweit steuert die Reederei 270 Häfen an.

Platz 1

APM-Maersk - 585 Schiffe

Das größte Containerimperium der Welt wird von Kopenhagen aus gesteuert. Seit 1904 sind die Dänen im Frachtgeschäft tätig und unterhalten mittlerweile Niederlassungen in 135 Ländern. Neben der Containerschifffahrt gehört auch die Öl- und Gasförderung zum Geschäft von Maersk.

Doch auf den Weltmeeren bleibt die Situation für Hapag-Lloyd schwierig. In Deutschland ist Hapag-Lloyd zwar schon lange die größte Reederei. International rutscht das Unternehmen in der Rangliste weiter nach unten. Vor einem Jahr kam Hapag-Lloyd auf Platz vier. Heute ist sie nur sechstgrößte Reederei der Welt. Rolf Habben Jansen muss die Frage beantworten, ob Hapag-Lloyd noch die kritische Masse hat, um beim Kräftemessen auf den Weltmeeren mithalten zu können.

Im achten Jahr der Schifffahrtskrise ist die See rau wie nie. Es gibt zu viele Schiffe für zu wenige Containern auf den Meeren. Die Transportpreise sind im Keller. Mittlerweile ist die Not so groß, dass viele Reedereien ihre Schiffe an asiatischen Inseln oder norwegischen Fjorden abstellen, statt mit ihnen von Hafen zu Hafen zu pendeln.

Zwischen Asien und Europa, der wichtigsten Schifffahrtsroute, ist die Transportmenge im vergangenen Jahr um vier Prozent gesunken, ermittelte der Analysedienst Container Trades Statistik. Viele Reedereien schreiben Rekordverluste. Der Branchendienst Drewry prognostiziert, dass die Branche in diesem Jahr einen Verlust von fünf Milliarden Dollar anhäuft.

Die Unternehmen suchen deshalb nach Partnern, um sicher durch die schwierigen Zeiten kommen. Eine Übernahmewelle rollt über die Weltmeere. Und Hapag-Lloyd droht immer weiter zurückzufallen.

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