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14.03.2014

11:24 Uhr

Haribo

Das algige blaue Gummibärchen

VonTill Simon Nagel, Jonas Jansen

Jahrelang hat sich das Süßwarenunternehmen Haribo als Erfinder des Gummibärchens geweigert, blaue Bären in Tüten zu packen. Das könnte sich jetzt ändern. Doch die Farbe stammt nicht etwa aus Heidelbeeren.

DüsseldorfEs gibt blaue Autos, blaue Häuser, blauen Enzian und blaue Drinks. Doch eine Sache, die gab es bislang nicht – blaue Gummibärchen. Unzählige Fans des süßen Gummitiers und Verschwörungstheoretiker aller Art fragen sich seit Jahren, warum von rot über gelb, grün und transparent alle Farben möglich sind, nur blau nicht. Ganze Internetseiten beschäftigen sich mit dem Thema und Filmbeiträge liefen dazu im Fernsehen. Nun sind sie alle Schnee von gestern.

Das blaue Gummibärchen. PR

Das blaue Gummibärchen.

Denn der Süßwarenhersteller Haribo wirbt mit Fotos von blauen Gummibärchen. Für eine Jubiläumsausgabe der Goldbären können die Kunden über zwölf neue Geschmacksrichtungen im Netz abstimmen – auch über blaue Bären in der Geschmacksrichtung Heidelbeere. Nur für kurze Zeit, von Sommer bis Herbst, soll es die Fan-Edition genannten Tüten mit bunten Bären in ungewöhnlichen Farben geben. Vorausgesetzt, die blauen Bären setzen sich in der Abstimmung gegen den Konkurrenten Granatapfel durch.

Ein Novum in der Geschichte der Goldbären – und natürlich ein cleverer Werbetrick. Auf der Haribo-Seite im sozialen Netzwerk Facebook sind die Bärenfans in heller Aufregung. Doch woran liegt es eigentlich, dass es nicht schon viel länger Goldbären in der Farbe blau gibt?

Haribo: Vom Jahrmarkt auf den Weltmarkt

Gründung der Firma

1920 gründet Johann Riegel, genannt Hans, die Firma Haribo. Der Name ist eine Abkürzung: Er besteht aus den Anfangsbuchstaben des Namens sowie der Heimatstadt Bonn. Das Gummibärchen hieß anfangs übrigens noch Tanzbär, inspiriert von den Tieren auf den Jahrmärkten, wo Haribo die Leckereien verkaufte. Seit den 1920er Jahren produziert das Unternehmen außerdem Lakritz.

Die Söhne übernehmen

Die beiden Riegel-Söhne Hans und Paul übernehmen 1946, kurz nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft, den Betrieb – samt dem Rezept für die Gummibärchen. Paul leitet die Produktion, Hans den kaufmännischen Bereich. Parallel studiert er in Bonn Wirtschaftswissenschaften.

Effektive Werbung

Zur Bekanntheit der Marke dürfte auch die Werbung beitragen. Zum einen erweist sich das Engagement von TV-Star Thomas Gottschalk als Coup, der seit 1991 für die Marke wirbt. Zum anderen ist der Slogan der Firma so eingängig, dass ihn jeder kennt: „Haribo macht Kinder froh – und Erwachsene ebenso.“ Der zweite Teil stammt von Hans Riegel selbst.

Internationale Expansion

Die beiden Brüder bauen Haribo zu einem international tätigen Süßwarenkonzern aus. Sie übernehmen Firmen – nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, den Niederlanden und der Türkei. Außerdem gründen sie über die Jahre Vertriebsniederlassungen in aller Welt.

Die Macht wird aufgeteilt

Paul Riegel stirbt 2009. Seniorchef Hans Riegel verständigt sich mit dessen Erben auf eine Machtteilung. Seit 2010 gibt es eine neue Unternehmensstruktur: An der Holding halten Hans Riegel und die Erben von Paul Riegel je 50 Prozent.

Hans Riegel organisiert Übergang

Im März 2013 feiert Hans Riegel seinen 90. Geburtstag. „Ich bin fast täglich im Büro“, sagt er da noch. Nach einer Operation im Juli gibt er aber doch einen Teil der Kontrolle ab, er lässt sich vom Manager Felix Theato vertreten. Im Oktober 2013 stirbt der Seniorchef.

Die Spekulationen im Internet darüber reichen von einem Mangel an blauen Früchten über den Ekel des Verbrauchers vor blauem Essen bis hin zu mysteriösen Strahlenexperimenten und geheim gehaltenen blauen Bären in den Haribo-Testlabors.

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