Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.05.2012

16:51 Uhr

Harte Konkurrenz

Die Lufthansa im Zangengriff

VonJens Koenen, Sven Prange

Irrflug der Lufthansa: Neben den Billig-Anbietern machen dem Konzern vor allem die arabischen Premium-Flieger harte Konkurrenz. Noch sucht der Konzern nach der richtigen Strategie - und setzt dabei viel aufs Spiel.

Christoph Franz: Der Lufthansa-Chef hat die richtigen Fragen gestellt. Reuters

Christoph Franz: Der Lufthansa-Chef hat die richtigen Fragen gestellt.

Düsseldorf/FrankfurtTobias Eggendorfer und Christoph Franz haben mehr Gemeinsamkeiten, als sie wahrhaben wollen. Der IT-Unternehmer aus Hamburg und der Vorstandschef der Lufthansa verbringen viel Zeit im Flugzeug, sie fliegen bevorzugt in der Business-Class, können ähnlich gut über die Vor- und Nachteile einzelner Flughäfen und Flugzeugtypen referieren und haben sich intensiv mit den Details der Geschäftsfliegerei beschäftigt. Eggendorfer zückt als Kunde die Senator-Karte, wenn er an Bord möchte. Franz geht alsUnternehmenschef in den Flugzeugen der Kranich-Linie ein und aus. Wer beiden aber zuhört, wie sie aus dem Alltag der größten Fluglinie Europas berichten, der hört von zwei Welten.

Wenn Eggendorfer über die Lufthansa spricht, klingt enttäuschte Liebe durch: Er kann sich dann stundenlang aufregen. Darüber, wie die Sitze im Flugzeug unbequemer wurden, wie seine Beine weniger Platz bekamen, wie das Menü an Bord zum Schokoriegel schrumpfte und wie schließlich seine Meilen des Bonusprogramms „Miles & More“ entwertet wurden.

Wenn Franz über die Lufthansa spricht, klingt die erfüllte Liebe zum Kunden durch: „Wir investieren in unsere Kunden und unser Produkt.“ Und er zählt auf: Von drei Milliarden Euro, die man in den Bord-Service investiere, ist da die Rede. Davon, dass die Lufthansa nie zuvor mehr Lounges für ihre Kunden vorgehalten habe als heute, niemals zuvor so viele Komfortsitze angeboten habe.

Das Resultat: Eggendorfer klagt nun gegen Franz, weil er sich von den Serviceversprechen des Lufthansa-Chefs getäuscht fühlt. Vordergründig geht es darum, dass der Lufthansa-Chef den Gegenwert der Bonusmeilen für Vielflieger abwerten will. In Wirklichkeit geht es aber um das Verhältnis der Lufthansa zu ihren Kunden.

Zwei Männer, die trotz vieler Gemeinsamkeiten so aneinandergeraten können. Wie kann das sein? Beide für sich haben irgendwie recht. Dass beide sich dennoch nicht auf eine Version einigen können, zeigt, dass etwas aus dem Lot geraten ist in der einst so heilen Welt der Lufthansa. Wenn die Passagiere derzeit an Bord steigen, wenn die Aktionäre am 8. Mai zur Hauptversammlung strömen, die Mitarbeiter ihre Maschinen betreten, dann stoßen sie auf ein Unternehmen, das seinen Platz in der Zukunft sucht.

Wie angestrengt diese Suche verläuft, offenbarte diese Woche. Zuerst kündigte der Chef des Passagiergeschäfts, Carsten Spohr, einen verschärften Sparkurs an. Gestern legte der Vorstand nach: Gut 3000 Arbeitsplätze in der Konzernverwaltung sollen zur Diskussion stehen.

Kommentare (17)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

KursWechsel

02.05.2012, 18:01 Uhr

Der Begriff KUNDE scheint im Lufthansa Management nicht mehr vorzukommen,anders kann man die ganzen negativen Veränderungen der letzten Jahre nicht mehr nachvollziehen. Warum sind andere Airlines auf den Langstrecken viel beliebter... weil die Service anbieten um die Flugzeit für den Kunden so angenehm wie möglich zu gestalten, Lufthansa geht exakt den gegensätzlichen Weg.. sprich bietet dem Kunden nichts mehr. Beispiel Flühe mit Boing 747, die hat in der Economy Klasse lediglich einen Monitor im Gang, also kein Entertainment, mit 1,85m sind die Knie am Sitz davor. Mahlzeiten sind bei ca. 3-3,50€ und so "schmeckt" es auch... Ergebnis viele lassen nach wenigen Bissen das Essen liegen. 10 Kunden mehr reinzuquetschen, diese ohne moderne Unterhaltung 10 Stunden fliegen und dann nicht einmal vernüftiges Essen liefern. Alternativen, in Europa hat gerade Turkish Airline die Preise gewonnen, auf Langstrecken sind Singapur Airlines, Emirates etc. für das selbe Geld mit wesentlich besserem Service unterwegs.
Vielleicht sollte man sich bei der Lufthansa einfach mal ein paar Externe reinholen, anstatt immer nur mit den Eigengewächsen, die anscheinend ausschließlich dem Finanz- und Controllingbereich entstammen, zu arbeiten. So macht man aus der einstigen Vorzeigeairline recht schnell eine völlig austauschbare allerwelts Airline und die wird Probleme bekommen.. die Orientierung sollte sicherlich nicht der Billigflieger sein...

niemand

02.05.2012, 18:15 Uhr

Erbsenzähler haben nicht mal in der Gastronomie Überlebenschancen. Zum Schluß geht es der Lufthansa wie der DSG, wenn sie weg ist vermissen sie alle.
Wer den Kunden ärgert hat verloren!

Randnotiz

02.05.2012, 18:18 Uhr

Bin Gestern, 1. Mai, mit Singapur Airlines Flug SQ 026 von Singapur nach Frankfurt geflogen. Dauerlächeln aber durchschnittlicher Service, schlechtes Essen, Sitzmonitor hatte die letzten beiden Stunden nicht funktioniert. Man sollte nicht immer auf die Lufthansa eindreschen!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×