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16.03.2012

12:11 Uhr

Hartmut Mehdorn

Der gefürchtete Sanierer

VonSilke Kersting, Jens Koenen

Der frühere Bahn-Chef Hartmut Mehdorn war einst der unbeliebteste Manager Deutschlands. In seinen ersten Monaten bei Air Berlin hat der 69-Jährige viel erreicht - nur schwarze Zahlen fehlen.

Der Vorstandsvorsitzende der Fluggesellschaft Air Berlin, Hartmut Mehdorn. dapd

Der Vorstandsvorsitzende der Fluggesellschaft Air Berlin, Hartmut Mehdorn.

Berlin/FrankfurtSein Lebensmotto ist plakativ: Volle Pulle! „Wenn Sie was machen, dann richtig und volle Pulle druff“, rät Hartmut Mehdorn den Unternehmern an einem Morgen vor nicht allzu langer Zeit. Wirtschaftspolitisches Frühstück nennt sich die Veranstaltung der Berliner IHK. Mehdorn, seit knapp einem halben Jahr Chef von der Fluggesellschaft Air Berlin, soll bei Brötchen und Kaffee für Unterhaltung sorgen.

Und das tut er. Wer Gelegenheit habe, über die Luftverkehrsteuer zu wettern, „der soll das tun: immer draufhauen“, gibt der frühere Bahn-Chef den Gästen mit auf den Weg. Ihn selbst regt die vor einem Jahr eingeführte Steuer maßlos auf. Geschäftsschädigend sei sie, „die Branche gibt das nicht her, das können wir nicht verdienen. Abzocke“, stänkert der 69-Jährige.

Air Berlin: Mehdorn versucht sein Meisterstück

Air Berlin

Mehdorn versucht sein Meisterstück

Hartmut Mehdorn hat noch viel zu tun, um die Airline in die Gewinnzone zu bringen.

Mehdorns Wut ist verständlich. Schließlich ist die Steuer auch daran schuld, dass Air Berlin wohl auch dieses Jahr noch nicht in die schwarzen Zahlen kommt. Heute hat Mehdorn die Bilanz für 2011 vorgelegt. Ein kleiner Gewinn – wenn schon nicht 2011, dann wenigstens als Prognose für 2013, das wäre die Krönung in seiner vorläufigen persönlichen Bilanz. Doch er muss sich gedulden. Die Bilanz fällt trübe aus.

Trotzdem erlebt Mehdorn gerade eine bessere Zeit als bei seinem Amtsantritt im September, als er quasi jeden Tag mit Meldungen über die wirtschaftlich schlechte Lage Air Berlins konfrontiert wurde. Damals hatte er Joachim Hunold abgelöst, der nach rund 20 Jahren abgetreten war und als „Entschädigung für den Verlust seiner Position“ einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge mindestens 4,09 Millionen Euro als Abfindung erhalten haben soll.

Viel hat Mehdorn seitdem erreicht, um das Erbe des Unternehmensgründers zu richten.

Das Air-Berlin-Sparprogramm

„Shape & Size“

Das Sparprogramm soll bis spätestens 2013 das Betriebsergebnis (Ebit) um 200 Millionen Euro erhöhen.

Kleineres Streckennetz

Unrentable Strecken sollen aufgegeben werden, die Flotte soll von 170 auf 152 Flugzeuge verkleinert werden.

Ausbau der Drehkreuze

Die Drehkreuze Berlin, Düsseldorf, Palma de Mallorca und Wien sollen ausgebaut werden. Mit Beitritt zum Bündnis Oneworld im Frühjahr 2012 sollen sie Verteilerfunktion für Passagiere von Partner-Airlines übernehmen.

Erhöhung der Nebeneinkünfte

Die Nebeneinkünfte sollen aus Zuschlägen für einzelne Leistungen und Preisanhebungen für einige Strecken erhöht werden.

Bessere Abläufe

Bessere Betriebsabläufe, neues Standortkonzept für Flugzeuge und Crews stehen ebenfalls auf dem Plan. So soll es gelingen, mit zehn Prozent weniger Maschinen nur vier Prozent weniger Flugleistung anzubieten.

Modernisierung

Die Vertriebskanäle werden modernisiert. Künftig sollen mehr Tickets über Internet-Reiseportale verkauft werden.

Einsparungen

In der Verwaltung, beim Einkauf und in der Flugabwicklung sollen die Kosten gesenkt werden.

Die Partnerschaft mit der arabischen Fluggesellschaft Etihad Airways etwa, verkündet am 19. Dezember 2011. Sie hat ihm finanziellen Spielraum beschert. Die Araber zahlen 73 Millionen Euro für ein Aktienpaket aus einer Kapitalerhöhung und gewähren weitere knapp 200 Millionen Euro als Kredit. Außerdem öffnet sich für Air Berlin über das Drehkreuz in Abu Dhabi das Tor nach Afrika, Asien und Australien – ein „Meilenstein“ für die Entwicklung der Fluglinie, sagt Mehdorn.

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