Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.04.2014

20:45 Uhr

Hauptstadtflughafen

BER kostet 1,1 Milliarden Euro mehr

VonDaniel Delhaes

ExklusivDer neue Hauptstadtflughafen entwickelt sich immer mehr zum Milliarden-Grab: Nach Informationen des Handelsblatts geht BER-Chef Hartmut Mehdorn von insgesamt 5,4 Millarden Euro aus – 1,1 Milliarden Euro mehr als bisher.

BER-Chef Hartmut Mehdorn: Mehr Geld für den Flughafenbau. dpa

BER-Chef Hartmut Mehdorn: Mehr Geld für den Flughafenbau.

BerlinDer Chef der Berliner Flughäfen, Hartmut Mehdorn, verlangt von den Gesellschaftern weitere 1,1 Milliarden Euro, um den Hauptstadtflughafen BER fertigstellen zu können. Die Zahl hat Mehdorn in einem Gespräch mit Berichterstattern des Haushaltsausschusses im Deutschen Bundestag genannt. „Diese Summe ist laut Mehdorn bis zur Inbetriebnahme des Flughafens noch notwendig“, sagte ein Haushaltspolitiker dem Handelsblatt (Freitagausgabe). Die zusätzlichen Finanzmittel deckten die restlichen Baukosten ab sowie die Kosten für den Schallschutz. Eine mögliche Modernisierung des alten Flughafens Schönefelds zur Ausweitung der Kapazitäten sei dabei nicht berücksichtigt, habe Mehdorn gesagt. Diese Summe hatte ein Mitglied des BER-Aufsichtsrats bereits am Dienstag dem Handelsblatt bestätigt.

Die Summe ist ab 2015 notwendig. Bis dahin reichen nach Auskunft Mehdorns die von den Gesellschaftern (Bund sowie die Bundesländer Berlin und Brandenburg) zuletzt bewilligten 1,2 Milliarden Euro. Von dem Geld wurden bislang 325 Millionen Euro ausgezahlt. Die restlichen 875 Millionen soll der Aufsichtsrat in seiner Sitzung an diesem Freitag freigeben. Der Kostenrahmen für den Flughafen lag bislang offiziell bei 4,3 Milliarden Euro. Zusätzliche Mittel muss die EU-Kommission genehmigen.

Spekulationen, nach denen der Bau bis zu acht Milliarden Euro kosten könnte, hatte der Vize-Aufsichtsratschef des neuen Hauptstadtflughafens, Rainer Bretschneider, zuletzt zurückgewiesen.

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

1990er Jahre

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

2004-2005

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

2006-2008

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

2010-2011

Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

August 2012

Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

September 2012

Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

Januar 2013

6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

Februar 2013

13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

März 2013

4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

Die Liquidität des Flughafens soll bis Ende des Jahres reichen, spätestens dann müssen die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund, weitere Steuergelder nachschießen. Zuletzt hatten die Eigentümer Ende 2012 weitere Gelder bewilligt. Im Dezember waren die Gelder von der EU-Kommission genehmigt worden. Auch dieses Mal muss die EU den Plänen zustimmen.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.04.2014, 09:31 Uhr

Der "arme" Herr Mehdorn, kann er doch mit jeder Bauzeit-Verlängerung auch sein Einkommen verlängern - und die beteiligten Pöstchen-Politiker natürlich gleichermaßen..!

Account gelöscht!

11.04.2014, 09:42 Uhr

Noblesse oblige...

Account gelöscht!

11.04.2014, 09:44 Uhr

" .... 1,1 Milliarden Euro mehr als bisher."

Geht ja noch, es geht aufwärts !

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×