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08.05.2013

18:43 Uhr

Hauptstadtflughafen BER

Ohne Konzept

Vor einem Jahr platze die Eröffnung des Hauptstadtflughafens. Einen neuen Termin gibt es bis heute nicht. Geschäftsführer Hartmut Mehdorn will wenigstens Teile eröffnen. Doch das lehnt der Aufsichtsrat ab.

Der neue Hauptstadtflughafen ist weiterhin ohne Eröffnungstermin. dpa

Der neue Hauptstadtflughafen ist weiterhin ohne Eröffnungstermin.

SchönefeldEin Jahr nach der geplatzten Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens bleibt unklar, wann und wie der Flughafen ans Netz geht. Der Aufsichtsrat des Hauptstadtflughafens reagierte am Mittwoch zurückhaltend auf die Idee, den Neubau Schritt für Schritt in Betrieb zu nehmen. „Damit können wir nichts anfangen“, sagte Vize-Aufsichtsratschef und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nach einer Aufsichtsratssitzung in Schönefeld. Der neue Geschäftsführer Hartmut Mehdorn hatte sich auf eine Teileröffnung festgelegt. Ihm stellte der Aufsichtsrat eine Finanzchefin zur Seite, die Betriebswirtin Heike Fölster.

Wowereit mahnte von Mehdorn „geschlossene Konzepte“ an, um den BER-Flughafen so schnell wie möglich zu eröffnen. Mehdorn hatte sich dafür ausgesprochen, BER in mehreren Etappen in Betrieb zu nehmen und den derzeitigen Flughafen Berlin-Tegel anders als rechtlich vorgesehen sechs Monate nach BER-Betriebsaufnahme nicht zu schließen. Vor einem Jahr, am 8. Mai 2012, hatte die Flughafengesellschaft die für den 3. Juni 2012 geplante BER-Eröffnung abgesagt. Als Grund nannten die Betreiber Probleme mit der Brandschutz- und Entrauchungsanlage. Sie funktioniert noch immer nicht einwandfrei. Einen neuen Eröffnungstermin gibt es bislang nicht.

Wowereit betonte, Mehdorns Vorschlag sei „nicht das Konzept der Flughafengesellschaft“. Er könne sich nicht vorstellen, dass eine weitere Offenhaltung Tegels parallel zu BER bei den Mitgesellschaftern Bund und Brandenburg eine Mehrheit finden würde. „Zur Schließung von Tegel gibt es keine Alternative“, betonte Wowereit und verwies auf die geltende und gerichtlich überprüfte Rechtsgrundlage.

Auf die Frage, was in diesem Jahr erreicht sei, sagte Wowereit: „Es war für den Flughafen und für die Region kein gutes Jahr.“ Leider habe man das im zurückliegenden Jahr nicht korrigieren können. Ein riesiger Erfolg sei es aber, dass an den alten Flughäfen die Passagierzahlen weiter gestiegen seien. „Der Flughafen soll so schnell wie möglich ans Netz gehen“, forderte Wowereit. Deshalb sei auch zu prüfen, ob ein Seitenflügel des Terminals vorab in Betrieb gehen kann, in dem der Brandschutz schon läuft. Dort könnten zunächst die Fluggesellschaften vom benachbarten alten Flughafen Schönefeld einziehen.

Die Airlines aus Tegel müssten aber innerhalb weniger Monate nachkommen, hob Wowereit hervor. Der Flughafen am Rande der Berliner Innenstadt dürfe nicht „über Jahre“ offen bleiben. „Wenn Schönefeld geöffnet ist, muss Tegel geschlossen werden. Darauf verlassen sich die Leute.“

Die Schlüsselfiguren des Flughafenbaus

Rainer Schwarz

Der ehemalige Sprecher der Flughafen-Geschäftsführung war monatelang unter Beschuss. Er soll den Aufsichtsrat zu spät und unvollständig über die Riesenprobleme mit der Gebäudetechnik informiert haben. Mitte Januar musste Schwarz gehen.

Horst Amann

Der Technikchef und erfahrene Planungsmanager wurde im August als Retter des Projekts aus Frankfurt nach Berlin geholt. Er versprach die Flughafeneröffnung im Oktober 2013, konnte das aber nicht halten.

Klaus Wowereit

Der regierende Bürgermeister von Berlin ist nach massiven Attacken als Chef des Flughafen-Aufsichtsrats zurückgetreten. Im Aufsichtsrat sitzt er jedoch nach wie vor. Die Opposition aus Grünen, Linken und Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus hatte einen Misstrauensantrag wegen des Flughafen-Desasters gegen Wowereit eingebracht, der jedoch scheiterte.

Matthias Platzeck

Der brandenburgische Ministerpräsident war zuerst Stellvertreter Wowereits im Aufsichtsrat und folgte ihm Mitte Januar als Chefaufseher. Angesichts der schwierigen Lage stellte Platzeck im brandenburgischen Landtag die Vertrauensfrage.

Peter Ramsauer

Der Bundesverkehrsminister hat in der Krise die Rolle des drängenden Aufklärers eingenommen. Im Ministerium richtete er eine Sonderkommission ein. Ramsauer verlangte massiv die Ablösung des ehemaligen Flughafenchefs Schwarz.

Rainer Bomba

Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium ist Ramsauers Mann im Aufsichtsrat. Die Entscheidungen zu den Terminverschiebungen trug er ebenso mit wie die Erhöhung des Kostenrahmens um 1,2 Milliarden Euro.

Wowereit vertrat als Vize den erkrankten Flughafen-Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD). Er warf dem Bundesverkehrsministerium vor, eine zum jetzigen Zeitpunkt unnütze Debatte über die Teileröffnung lanciert zu haben. Es hatte am Wochenende ein Sitzungsprotokoll zu dem Thema verbreitet. Mehdorn hatte sich jedoch in einem Fernsehinterview festgelegt.

Nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg für einen besseren Schallschutz für die Flughafenanwohner rechnet der Aufsichtsrat mit deutlichen Mehrkosten. „Wenn das Urteil rechtskräftig bleibt, ist es erheblich mehr“, sagte Wowereit, ohne Zahlen zu nennen. Schätzungen gehen davon aus, dass das Programm statt der ursprünglich mit 139 Millionen Euro veranschlagte Programm bis zu 730 Millionen Euro kosten könnte.

Wowereit schloss nicht aus, dagegen vorzugehen, dass das Gericht keine Revision zuließ. „Es ist mir unverständlich, dass die grundsätzliche Bedeutung nicht erkannt worden ist“, kritisierte er das Gericht.

Der Aufsichtsrat hatte sich eigentlich zu der Sondersitzung getroffen, um erstmals eine Finanzchefin für die Betreibergesellschaft zu berufen. Die 52 Jahre alte Heike Fölster sagte, sie freue sich auf die spannende Aufgabe. Sie kommt vom Prüfunternehmen Germanischer Lloyd in Hamburg. Zuvor war sie Finanzchefin des Flughafens der Hansestadt. Flughafenchef Hartmut Mehdorn kennt sie aus gemeinsamen Jahren bei dem Luftfahrtkonzern Daimler-Benz Aerospace in den 90er Jahren.

Kommentare (4)

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Reingerufen

08.05.2013, 17:35 Uhr

Ausgerechnet Herr Wowereit beklagt ein fehlendes Konzept. Selber keins, nicht mal einen Plan, aber schon wieder die große Klappe. Wann wird diese Type endlich entsorgt?

Account gelöscht!

08.05.2013, 20:19 Uhr

Das hat Herr Mehdorn nie gehabt. Bei seiner Letzen 4 Arbeitgeber ist Er gescheitert, und trotzdem holt man Ihn nach BER.... nach dem Motto schlimmer kann es eh nicht passieren. Nun will Er ohne Konzept wie immer dass scheitern der BER noch schlimmer in der Welt darstellen. Wo soll das alles hinführen? die Welt der Luftfahrt lacht schon lange über Uns. Viel Glück Herr Mehdorn, mit deinem " hoffentlich" letzen versuch.

Rechtsberatung

08.05.2013, 23:12 Uhr

Für die Vehältnisse in BER ist der Mehdorn geradezu TOP !

Im übrigen hat der Durchsetzungsvermögen, schaun mer mal wie der Kampf gegen den unfähigen politischen Aufsichtsrat ausgeht.

Außerdem eine gute Idee mit der Verlängerung von Tegel und einem gestaggerten Start-Up.
Uns klein Wowilein hält zwar noch dagegen, hat aber nicht den Arsch in der Hose , um das durchzuhalten....

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