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08.02.2017

15:26 Uhr

Hauptstadtflughafen

Bis zu sechs weitere Monate Verzug am BER

Zwei Kilometer Wasserrohre im Terminal müssen ersetzt werden, Hunderte Türen neu angeschlossen. Das kostet Zeit – Zeit, die am Hauptstadtflughafen unter Wowereit vergeudet wurde, wie dessen Nachfolger andeutet.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin schwankt beim BER zwischen Zuversicht und Kritik. dpa

Michael Müller

Der Regierende Bürgermeister von Berlin schwankt beim BER zwischen Zuversicht und Kritik.

BerlinDie neuen Technikprobleme im Terminal des neuen Hauptstadtflughafens bringen das Projekt weitere vier bis sechs Monate in Verzug. Das sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller als Aufsichtsratschef am Mittwoch im Berliner Abgeordnetenhaus. „Es gibt eine Kette von Ärgernissen“, sagte der SPD-Politiker. Dennoch befinde sich das Vorhaben in der „Schlussphase“. Ein neuer Eröffnungstermin wurde aber nicht genannt.

Rund 1000 Türen im Terminal lassen sich nicht ordnungsgemäß elektronisch steuern, zudem muss ein Teil der Wasserrohre für die Sprinkleranlage ausgetauscht werden. Das Ziel einer Eröffnung noch in diesem Jahr hatten die Verantwortlichen deshalb im Januar aufgegeben. Die Finanzierung sei bis Mitte 2018 gesichert, sagte Müller. Eventuelle Mehrkosten könne die Flughafengesellschaft wegen steigender Einnahmen an den Bestandsflughäfen Tegel und Schönefeld möglicherweise selbst tragen.

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Flughafenchef Karsten Mühlenfeld erläuterte, Wasserleitungen mit einer Länge von zwei Kilometern müssten ersetzt werden. Wie viel Arbeit das mache, sei noch nicht abzuschätzen. Die Türen brauchen nach Worten des Ingenieurs keine neuen Kabel. Jedoch müssen die bestehenden Anschlüsse in den Schaltschränken neu gesteckt werden. „Das dauert Monate, weil man jede einzelne Tür ausprobieren muss.“

Müller kritisierte Mühlenfeld, der die Probleme lange als kurzfristig lösbar dargestellt habe. „Da gibt es schon noch ein Erkenntnisproblem der Geschäftsführung.“ Zugleich lobte Müller Mühlenfeld dafür, dass er alle behördlichen Stempel für das Projekt bekommen habe.

Der Aufsichtsratschef erneuerte seine Aussage, dass es nach der geplatzten Eröffnung des Flughafens 2012 zwei Jahre nicht vorangegangen sei. „Die Jahre 2012 bis 2014 waren verschenkte Jahre.“ Damals waren Rainer Schwarz und Hartmut Mehdorn Flughafenchefs, den Aufsichtsrat führten die Regierungschefs von Berlin und Brandenburg, Klaus Wowereit und Matthias Platzeck (beide SPD). Müller nannte keine Namen.

Als Fehler bezeichnete er etwa den Rauswurf der Generalplaner 2012 und dass der damalige Technikchef Horst Amann eine Bestandsaufnahme der zahlreichen Mängel im Terminal nicht zu Ende führen konnte. „Einige haben mehr an den nächsten großen Ausbauplan gedacht als diese Katastrophe erstmal in Ordnung zu bringen.“

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Peter Klose

08.02.2017, 16:20 Uhr

Zitat:
"Die neuen Technikprobleme im Terminal des neuen Hauptstadtflughafens bringen das Projekt weitere vier bis sechs Monate in Verzug."

Schon dem ersten Satz muß man wohl leider widersprechen, weil die "neuen" Probleme eben immer noch die alten sind. Die Steuerung des Brandschutzes versagt kläglich. Konkret sind es eben die Brandschutz- und Fluchttüren, die nicht befehlsgemäss funktionieren und deshalb im Brandfall zur Katastrophe führen können. Die medialen Berichte über die Aufsichtsratssitzung schreiben alle von Detailproblemen, die jetzt nur noch - nach Plan - abgearbeitet werden müssten.

Tatsächlich aber sind es eher fundamentale konzeptionelle Fehler, die da durchscheinen, weil der Brandschutz von einer Vielzahl von Gewerken von annähernd genauso vielen unterschiedlichen Firmen realisiert werden soll und hier schlicht die Zusammenarbeit nicht funktioniert. Die Steuerung der Türen der Firma Bosch soll die technischen Parameter einer anderen Firma "verstehen", was sie aber nicht oder nur teilweise tun. Die Erklärungen die hier offiziell abgeliefert werden klingen alle nur nach dem Verschleiern von zentralen Fehlerursachen, indem der Anschein geweckt wird es müssse lediglich an der Verkabelung oder den Schaltschränken etwas geändert werden oder daß eben wegen des langen Stillstandes die Türen mittlerweile eingerostet seien.

Hier zeigen sich wohl schlicht Mängel an der Grundkonzeption, das Fehlen von genau definierten Schnittstellen zwischen den verschiedenen herstellern und Geräten, sowie eines von allen Seiten eingehaltenen technischen Kommunikationsprotokolles. Das ist die Grundvoraussetzung dafür daß sich die verschiedenen Geräte auch untereinander verstehen.

Die Bedeutung einer 100-prozentig funktionierenden Türsteuerung im Brandfall hat sich ja aufs grausamste bei der letzten großen Flughafenbrandkatastrophe in Deutschland gezeigt. Mehrere Opfer erstickten weil sich eine Aufzugtür nicht mehr schliesen liess und giftiger Rauch ungehindert eindrang.

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