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11.02.2017

14:14 Uhr

Hauptstadtflughafen

Blamieren und verdienen am BER

Es wird gebaut, umgebaut, abgerissen und neu gebaut: Im Terminal des neuen Hauptstadtflughafens gibt es für Baufirmen immer etwas zu tun – je länger, desto besser. Davon profitieren selbst insolvente Unternehmen.

Auch in diesem Jahr wird es nichts mit der Eröffnung des Großflughafens Berlin-Brandenburg. dpa

Hauptstadtflughafen BER

Auch in diesem Jahr wird es nichts mit der Eröffnung des Großflughafens Berlin-Brandenburg.

BerlinErst als das Drama um den neuen Hauptstadtflughafen schon Jahre währt, nennt auch Roland Vetter das Kind beim Namen. „Dass wir mit Sanierungen unser Geld verdienen, ist eigentlich nicht unser Plan“, bekennt der frühere Projektleiter des Gebäudetechnik-Ausrüsters Imtech. „Wir haben uns alle sauber blamiert“, klagt der Ingenieur im Berliner Abgeordnetenhaus.

Blamieren und verdienen – das sind die Pole, zwischen denen viele Unternehmen auf der Dauerbaustelle für den drittgrößten deutschen Airport seit Jahren pendeln. Der BER ist für sie kein Ruhmesblatt, aber er bringt auch gutes Geld. Am Dienstag hat Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld dem Aufsichtsrat erklärt, warum es auch dieses Jahr nichts wird mit der Eröffnung.

Der Hauptstadtflughafen und die geplatzten Eröffnungstermine

Schlimme Serie

Der Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg ist noch längst nicht betriebsbereit, hat aber schon eine lange Geschichte. Bereits mehrere Male wurde der Eröffnungstermin abgesagt. Die Serie verpasster Termine.

Januar 1992

Beginn der Planungen für den Flughafen.

September 2006

Erster Spatenstich. Der 30. Oktober 2011 wird als Eröffnungstermin festgelegt.

Juni 2010

Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung auf den 3. Juni 2012 verschoben.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung abgesagt. Wenige Tage später wird der 17. März 2013 als neues Datum für die Inbetriebnahme genannt.

September 2012

Eine Analyse des Technikchefs Horst Amann ergibt zahlreiche Mängel über den Brandschutz hinaus. Der Aufsichtsrat verschiebt die Eröffnung auf den 27. Oktober 2013.

Januar 2013

Auch der Termin 27. Oktober platzt, Amann führt inzwischen eine Liste mit Zehntausenden Baumängeln.

Januar 2014

Flughafenchef Hartmut Mehdorn sagt, Ziel sei ein Betriebsbeginn noch im Jahr 2015.

Dezember 2014

Auf Vorschlag Mehdorns beschließt der Aufsichtsrat einen Zeitplan mit Ziel einer Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017. Baulich soll das Milliardenprojekt im März 2016 fertig sein.

August 2015

Der neue Flughafenchef Karsten Mühlenfeld sagt, die Baufertigstellung werde nicht bis März 2016 gelingen. Grund sei die Insolvenz des Gebäudetechnikausrüsters Imtech Deutschland.

März 2016

Der Flughafen muss umfangreiche Genehmigungsunterlagen an mehreren Stellen nachbessern, möglicherweise auch noch mehr umbauen. Das ergibt sich aus Nachforderungen des Bauordnungsamts. Zweifel an der Eröffnung bis Ende 2017 werden laut.

Dezember 2016

Aus dem Umfeld der Gesellschafter (Bund, Berlin, Brandenburg) sickert durch: Bis Ende 2017 klappt es nicht, es werde nun das Frühjahr 2018 angepeilt. Mitte Januar 2017 bestätigen Berlins Regierender Bürgermeister Müller und Flughafenchef Mühlenfeld, dass die Eröffnung erneut verschoben werden muss.

Quelle: dpa

Seit dem ersten Spatenstich sind die Kosten von 2 auf mindestens 6,5 Milliarden Euro gestiegen – größtenteils Geld des Steuerzahlers oder Kredite, die im schlimmsten Fall die öffentliche Hand tilgen muss. Viele verdienen daran, darunter namhafte Konzerne.

Vetter gibt in seinem Bericht an den Untersuchungsausschuss schon vor gut einem Jahr ein Beispiel: Imtech soll eigentlich für 52 Millionen Euro Starkstrom in das Terminal legen. Doch es gibt immer wieder Umplanungen. Die Bauherren ziehen sogar eine zusätzliche Etage in den 700 Meter langen Gebäuderiegel ein, als der Keller schon gegossen ist. Nachträge bringen Imtech weitere 20 Millionen Euro.

Je näher die geplante Eröffnung 2012 rückt, desto mehr entgleitet der Flughafengesellschaft die Kontrolle über das Treiben der vielen Firmen. Die Baustelle stürzt ins Chaos. Vom Brandschutz bis zum Datennetz passt bei wichtigen Systemen vieles nicht mehr zueinander. Die Eröffnung platzt – und Vetters Leute bekommen einen weiteren Auftrag: Kabel neu zu verlegen. Für 45 Millionen Euro. Damit haben sich die Kosten allein für diesen Auftrag mehr als verdoppelt.

Imtech ist ein besonderer Fall. Denn im Angesicht der drohenden Insolvenz schreckten Mitarbeiter auch nicht vor Bestechung zurück, um Millionen aus der staatlichen Flughafengesellschaft zu quetschen. Nichts dergleichen ist bekannt von anderen BER-Baufirmen, die der Airport-Betreiber immer wieder zur Eile drängt – darunter Siemens, Bosch, T-Systems und Caverion als bekannteste Namen. Eine Einnahmequelle ist das Projekt aber auch für sie.

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