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04.05.2015

09:08 Uhr

Hauptstadtflughafen

Bund setzt auf eigene BER-Kontrolleure

VonDaniel Delhaes, Silke Kersting

Der Bund will mit einer eigenen Stabsstelle versuchen, die Probleme beim Berliner Hauptstadtflughafen in den Griff zu bekommen. Die Mitarbeiter sollen daran arbeiten, Berichts- und Controlling-Strukturen zu verbessern.

Der Bund will eine eigenen Stabsstelle für den Berliner Hauptstadtflughafen einführen. dpa

Der Hauptstadtflughafen in Berlin

Der Bund will eine eigenen Stabsstelle für den Berliner Hauptstadtflughafen einführen.

BerlinDer Bund will mit einer eigenen Stabsstelle versuchen, die Probleme beim Berliner Hauptstadtflughafen BER in den Griff zu bekommen. Zum 1. Mai hat das Bundesverkehrsministerium eine eigene „Stabstelle Flughafen Berlin/Brandenburg“ eingerichtet, wie das Handelsblatt (Montagausgabe) aus Regierungskreisen erfuhr.

Bis zu zehn Mitarbeiter sollen daran arbeiten, die Berichts- und Controllingstrukturen in der Flughafengesellschaft zu verbessern. Ziel des Stabs sei es, „Handlungsoptionen“ zu erarbeiten „und insbesondere auch, diese in Abstimmung mit den Gesellschaftern Berlin und Brandenburg gegenüber der Geschäftsführung des Flughafens Berlin/Brandenburg durchzusetzen“, wie in einem Vermerk steht.

Auch gehe es darum, wieder „eine Gesprächsebene mit den anderen Gesellschaftern zu finden“, wie es hieß. Der Stab ist Staatssekretär Michael Odenwald zugeordnet. In der Vergangenheit hatte es vor allem wegen der mangelnden Kontrolle immer wieder Streit zwischen den Gesellschaftern gegeben.

Mit der Entscheidung für die Stabstelle verzichtet der Bund darauf, ein externes Controlling über Baufortschritt, Kosten und Zeitpläne einzurichten, wie es Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) noch 2014 angekündigt hatte. Es sollte den Gesellschaftern berichten, nicht an die Geschäftsführung. Bei der Stabstelle handle es sich um „eine reine Bundesangelegenheit“, hieß es nun im Ministerium.

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

1990er Jahre

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

2004-2005

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

2006-2008

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

2010-2011

Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

August 2012

Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

September 2012

Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

Januar 2013

6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

Februar 2013

13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

März 2013

4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

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