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27.11.2012

16:06 Uhr

Hauptstadtflughafen

Ist der Pannen-Airport zu klein?

Der neue Flughafen sei nicht zu klein, meint der Betreiber des neuen Hauptstadtflughafens. Der frühere Planer sieht das allerdings anders. Spätestens 2014 werde das Verkehrsaufkommen für den Airport zu groß sein.

Die Check-in-Schalter des künftigen Hauptstadtflughafens. dpa

Die Check-in-Schalter des künftigen Hauptstadtflughafens.

BerlinAuf dem künftigen Hauptstadtflughafen in Schönefeld sind nach Darstellung des Betreibers keine Engpässe bei der Passagierabfertigung zu erwarten. „Die Sorge, der Flughafen könnte zu klein sein, ist unbegründet“, erklärte die Flughafengesellschaft am Dienstag. Der Airport, der nach dreimaliger Verschiebung am 27. Oktober 2013 in Betrieb gehen soll, sei in allen Bereichen auf eine Startkapazität von 27 Millionen Fluggästen im Jahr ausgelegt.

Der frühere Flughafenplaner Dieter Faulenbach da Costa rechnet hingegen damit, dass der Flughafen Berlin Brandenburg das erwartete Verkehrsaufkommen nicht wird meistern können. Es sei spätestens 2014 mit mehr als 27 Millionen Passagieren pro Jahr zu rechnen, dafür gebe es zu wenig Check-in-Schalter, sagte der Diplom-Ingenieur und Architekt Faulenbach da Costa in Potsdam bei der Vorstellung eines Gutachtens zum Airport.

Die Studie hatte er im Auftrag der Brandenburger CDU-Fraktion erstellt. „Zu spät, zu klein, zu teuer“ nannte er das Flughafen-Projekt.

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

1990er Jahre

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

2004-2005

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

2006-2008

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

2010-2011

Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

August 2012

Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

September 2012

Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

Januar 2013

6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

Februar 2013

13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

März 2013

4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

Von

dpa

Kommentare (4)

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jfw

27.11.2012, 16:46 Uhr

Berlin muss Flughafen Tegel behalten – ein wachsende Metropole die ihre beiden Cityflughäfen schließt ist jawohl ein schlechter Scherz. Wir haben schon eine Großstadt in Deutschland ohne Flughafen – wer nach München will, kann nur nach Erding fliegen und eine Stunde in die Stadt pendeln.

Außerdem könnte sich Berlin mit einer „Tegelgebühr“ sanieren – es gibt mittlerweile nicht mehr nur Rucksacktouristen in Berlin, sondern auch Passagiere die 20 Euro pro Landung investieren würden, um nicht im Umland landen zu müssen. 1-2 Millionen Passagiere würden so nicht nur den brandenburgischen Pannenairport entlasten, sondern auch die Berliner Stadtkasse.

Die Mallorcataxis können ja gern aus Brandenburg starten – aber wer für einen Termin nach Berlin muss, sollte nicht dort landen müssen. Eine Wiedereröffnung eines Innenstadtflughafens in Berlin kann wohl ausgeschlossen werden – also besser nicht schließen!

cosmoB

27.11.2012, 17:02 Uhr

Interessant, dass dieser Architekt gerade seine Studie vor der brandenburgischen CDU-Fraktion vorstellt. Standort, Grösse und Verzögerung haben wir doch einem gewissen Herrn Diepgen (CDU) zu verdanken, der anstatt den Flughafen in Sperenberg 24 Stunden zu betreiben und ihn bereits Ende der 90iger Jahre fertig zu haben auf dem Standort Schönefeld bestand, der schon immer ungeeignet war für einen Grossflughafen. Nachdem die Verzögerung den Flughafen München gross gemacht hat und viele Entwicklungschancen im Umfeld eines frühen Grossflughafens verpasst wurden, stellt sich nun die CDU hin und wusste es schon immer besser.

Account gelöscht!

27.11.2012, 17:03 Uhr

Um das feststellen zu können müsste er ja 2014 tatsäclich in Betrieb sein.

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