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11.04.2014

19:28 Uhr

Hauptstadtflughafen

Mehdorn wegen Mehrkosten unter Druck

Der neue Hauptstadtflughafen entwickelt sich immer mehr zum Milliarden-Grab. Im Aufsichtsrat wächst gleichzeitig die Ungeduld mit Flughafenchef Mehdorn. Auch die geplante Nachtflugregelung sorgt für Probleme.

Flughafenchef Hartmut Mehdorn. Langsam geht dem Aufsichtsrat die Geduld aus. dpa

Flughafenchef Hartmut Mehdorn. Langsam geht dem Aufsichtsrat die Geduld aus.

Schönefeld Wegen der Mehrkosten am Hauptstadtflughafen gerät Airportchef Hartmut Mehdorn unter Druck. Der Aufsichtsrat wollte bei einer Sitzung am Freitag in Schönefeld zunächst genauere Angaben zum weiteren Finanzbedarf des Milliardenprojekts erhalten. Es geht wahrscheinlich um 1,1 Milliarden Euro zusätzlich.

Eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums sagte, die Summe werde dem Kontrollgremium vorgelegt. Zugleich betonte sie am Abend, sie könne den Betrag nicht bestätigen, weil der Aufsichtsrat noch tage. Das Kontrollgremium mit Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) an der Spitze rang auch um ein längeres Nachtflugverbot. Ergebnisse wurden bis zum Abend nicht bekannt.

Die Summe von 1,1 Milliarden Euro hat Mehdorn in mehreren Gremien genannt, nach dpa-Informationen auch am Donnerstag bei einem Treffen mit Haushaltspolitikern des Bundestags. Damit würden die Gesamtkosten auf 5,4 Milliarden Euro steigen.

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

1990er Jahre

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

2004-2005

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

2006-2008

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

2010-2011

Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

August 2012

Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

September 2012

Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

Januar 2013

6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

Februar 2013

13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

März 2013

4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linkspartei) sagte vor Beginn der Aufsichtsratssitzung: „Ich weiß nicht, um wie viel Geld es geht.“ Es liege ihm bislang ein Sammelsurium von Zahlen vor, die er „nicht nachvollziehen“ könne. Die Geschäftsführung müsse nun für Klarheit sorgen.

Die Grünen im Bundestag sprachen von einer neuerlichen Kostenexplosion, die zeige, „dass das Management und das Controlling des Aufsichtsrats versagen“. „Und das werden bestimmt nicht die letzten Kostensteigerungen sein“, sagte Grünen-Haushaltsexperte Sven-Christian Kindler. „Viele Risiken und Kosten sind bisher nicht eingepreist.“

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