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20.02.2014

18:41 Uhr

Hauptstadtflughafen

Mehdorns große Luftnummer

Blamage für Hartmut Mehdorn: Der BER-Chef wollte im Sommer einen Teil des Hauptstadtflughafens eröffnen, um die Abläufe zu testen. Doch daraus wird nichts: Der Manager konnte den Aufsichtsrat nicht überzeugen.

Am Terminal des neuen Flughafens Berlin Brandenburg: Mehdorn warnte, ohne den Test stiegen die Risiken für die Inbetriebnahme des neuen Flughafens. dpa

Am Terminal des neuen Flughafens Berlin Brandenburg: Mehdorn warnte, ohne den Test stiegen die Risiken für die Inbetriebnahme des neuen Flughafens.

SchönefeldHartmut Mehdorn ist mit seinem Plan für einen Testbetrieb am neuen Hauptstadtflughafen gescheitert. Der Berliner Flughafenchef begrub am Donnerstag das Vorhaben, mit wenigen Flügen die Abläufe in einem Seitenflügel des neuen Terminals zu testen. „Wir müssen konstatieren, dass wir für dieses Vorhaben nicht genügend Unterstützung finden konnten“, schrieb Mehdorn in einem Brief an die Mitarbeiter – nach intensiven Gesprächen mit den Flughafen-Eigentümern Berlin, Brandenburg und dem Bund.

Mehdorn wollte eigentlich von Juli an mit bis zu sechs Flügen täglich der Gesellschaft Germania im Nordflügel einen Probebetrieb aufnehmen, um damit einen Großteil der Systeme und Abläufe im Terminal zu testen. Dafür brauchte er aber noch die Genehmigung des Aufsichtsrats.

Dessen Vorsitzender, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), hatte sich bis zuletzt zurückhaltend über den Plan geäußert. Auf die Frage, ob der Probebetrieb durchgeführt werden sollte, hatte er der „Berliner Morgenpost“ in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview lediglich gesagt: „Wenn eine Baugenehmigung dafür vorliegt, befassen wir uns noch einmal damit.“

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

1990er Jahre

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

2004-2005

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

2006-2008

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

2010-2011

Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

August 2012

Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

September 2012

Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

Januar 2013

6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

Februar 2013

13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

März 2013

4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

Wowereit wollte sich am Rande der Abgeordnetenhaus-Sitzung nicht zu der Absage äußern. Mehdorn hatte ihn als Aufsichtsratschef mit einem auf den 18. Februar datierten Brief informiert, der der dpa vorliegt. „Wir bedauern dieses sehr, sehen jedoch keine anderen Möglichkeiten“, heißt es darin.

Neben dem fehlenden Rückhalt in dem Kontrollgremium gefährdete zuletzt auch der knappe Zeitplan das Vorhaben. In dem als Wartehalle konzipierten Nordflügel hätten die Betreiber für den Testbetrieb erst Schalter und Gepäckbänder aufbauen müssen. Bislang fehlt selbst für den Urzustand die Genehmigung. Sie wird frühestens Ende März erwartet, später erst die Umbau-Genehmigung.

Auch Mehdorn verweist in seinem Mitarbeiterbrief auf den Zeitplan. Das Kontrollgremium treffe sich erst im April wieder: „Dann würden wir angesichts der bevorstehenden Beschaffungsprozesse mit dem Test in den Winter rutschen, und das macht operativ keinen Sinn.“ Nach Mehdorns Angaben konnte eine für Montag dieser Woche vorgesehene Sonder-Aufsichtsratssitzung für die Genehmigung nicht stattfinden.

Zuvor hatte Mehdorn gewarnt, ohne den Test stiegen die Risiken für die Inbetriebnahme des neuen Flughafens. Er werde nun „alternative Testszenarien“ suchen, auf die er zunächst nicht näher einging. Der Flughafenchef hatte kürzlich angekündigt, den alten Airport in Schönefeld nach der Eröffnung des Neubaus in Betrieb zu lassen, um dort Billigflieger abzufertigen. Damit wollte er mögliche Engpässe am Neubau abfangen, die schon zur Eröffnung befürchtet werden.

In Berlin wächst unterdessen der Ärger über den Flughafen-Partner Brandenburg. Hintergrund ist der Streit um den Lärmschutz und die Landtagswahl im September. „Es gibt gerade auch von Brandenburger Seite häufig neue Forderungen“, sagte Wowereit in einem Interview. Der Aufsichtsratschef sieht auch „Störmanöver von verschiedenen Seiten“. Auch den Testbetrieb – kurz vor dem Wahltermin – soll dem Vernehmen nach Brandenburg besonders kritisch gesehen haben.

Von

dpa

Kommentare (9)

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BITTEkaufMICH

20.02.2014, 17:46 Uhr

unser HAHAHAHAHAHAHAHAHArtmütchen

Westfale

20.02.2014, 17:49 Uhr

Baut den Flughafen doch einfach nur fertig. Es kommt auf ein Jahr wirklich nicht an. Solche Bauten sind auf mindestens 100 Jahre ausgelegt. Da ist es völlig schnuppe, ob BER nun 1015 oder 2016 oder 2017 eröffnet wird.

An dem Projekt haben einfach zu viele Politiker und zu viele abgehalfterte Manager die Finger drin. Zu viele Alpha-Tierchen; zu wenig produktiv arbeitetendes Volk.

Account gelöscht!

20.02.2014, 17:57 Uhr

„Wir müssen konstatieren, dass wir für dieses Vorhaben nicht genügend Unterstützung finden konnten.“

Wer ist WIR? Was will ER uns damit sagen? WIR sind der Staat?

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