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21.02.2015

15:01 Uhr

Hauptstadtflughafen

Mühlenfeld wird neuer BER-Chef

Lange wurde hinter den Kulissen gerungen. Nun haben die Gesellschafter Berlin und Brandenburg ihren Kandidaten gegen den Bund durchgesetzt. Der Neue hatte eigentlich erst einen anderen Job angetreten.

Der Manager könnte neuer Geschäftsführer des Berliner Hauptstadtflughafens werden. dpa

Karsten Mühlenfeld

Der Manager könnte neuer Geschäftsführer des Berliner Hauptstadtflughafens werden.

SchönefeldKarsten Mühlenfeld wird neuer Chef des krisengeplagten Hauptstadtflughafens. Der frühere Rolls-Royce-Manager wurde am Freitag „mit großer Mehrheit“ vom Flughafen-Aufsichtsrat gewählt, wie Vize-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider sagte. Der 51-Jährige soll das milliardenschwere Großprojekt zu Ende führen, damit es im zweiten Halbjahr 2017 in Betrieb gehen kann. „Es ist für mich sehr schön zu zeigen, welche Fähigkeiten in mir stecken, hier diesen komplexen Betrieb rechtzeitig ans Netz zu bringen“, sagte Mühlenfeld.

Er soll den scheidenden Flughafenchef Hartmut Mehdorn sobald wie möglich ablösen. Einen genauen Termin gibt es noch nicht. Mehdorn will den Chefposten spätestens am 30. Juni aufgeben. „Herr Mühlenfeld ist ein Manager mit sehr großer Erfahrung im Projektmanagement, in der Steuerung von großen Projekten“, hob Bretschneider hervor.

Der Bund habe den Personalvorschlag Mühlenfeld, der von den beiden anderen Gesellschafter Brandenburg und Berlin kam, nicht unterstützt, sagte Bretschneider. Details zu dem Abstimmungsergebnis im Aufsichtsrat wollte er aber nicht nennen. Schon vor der Aufsichtsratssitzung waren sich der Bund und die beiden Länder nicht über die Personalie einig geworden.

Das sind die größten Probleme des BER

Dauerbaustelle

Bis zu 400 Bauarbeiter sind derzeit im Terminal des neuen Hauptstadtflughafens im Einsatz. Woran sie nach Angaben der Betreiber arbeiten und was darüber hinaus zu tun ist.

Brandschutz

Weil die Anlage nicht funktionierte, platzte die Eröffnung 2012. Zwei Jahre später glauben die Betreiber, die Lösung zu kennen. Sie teilen die Anlage im kritischen Bereich in drei Abschnitte, das soll die Steuerung einfacher machen.

Kabeltrassen

Weil die Firmen zeitweise bauen konnten wie sie wollten, sind viele Kabelbrücken über- oder fehlbelegt. Nun werden Kabel kilometerweise neu gezogen. Zudem ist ein Teil der 4000 Räume im Flughafen falsch nummeriert, was zu Chaos führen könnte, weil die Lüftungsklappen den Nummern folgen. Auch hier wird nachgearbeitet.

Restarbeiten

Von der gerissenen Kachel bis zu handfestem Baupfusch haben die Betreiber 150.000 Mängel gefunden. Hier arbeiten Firmen nach.

Schallschutz

Die Großbaustelle jenseits der Baustelle: Lange bekamen die Anwohner zu schwachen Schallschutz. Ein Gericht schritt 2013 ein, die Arbeit begann weitgehend von vorn. Es geht um Fenster, Dämmungen und Lüfter für bis zu 25.500 Wohnungen.

Sanierung Nordbahn

Der Neubau übernimmt die Piste vom benachbarten Altflughafen Schönefeld. Sie muss saniert werden, doch die Behörden verlangen zunächst den Schallschutz für die Anwohner. Geplanter Baubeginn: März 2015.

Korruptionsaffäre

Wegen des Bestechlichkeitsvorwurfs gegen den bisherigen Technikchef Jochen Großmann werden nun alle Vergabeverfahren überprüft, mit denen dieser zu tun hatte. Unterlegene Bewerber könnten auf Schadenersatz klagen.

Finanzierung

4,3 Milliarden Euro sind bislang bewilligt, doch das Geld geht im Frühjahr aus. Mehdorn fordert mehr als 1,1 Milliarde Euro zusätzlich. Die Flughafeneigentümer Berlin, Brandenburg und der Bund dürfen aber nur Geld nachschießen, wenn die EU-Kommission das genehmigt. Dafür wird die Zeit langsam knapp.

Mühlenfeld hatte erst Anfang des Monats eine neue Stelle als Entwicklungschef für Zentral- und Osteuropa beim Zughersteller Bombardier angetreten. Früher war er in der Entwicklungsabteilung des Triebwerksherstellers Rolls-Royce in Brandenburg tätig.

Zu seiner Motivation, die neue Aufgabe zu übernehmen, sagte Mühlenfeld: „Ich komme aus der Region, ich kenne mich in Brandenburg und Berlin bestens aus. Für mich ist es eine große Herausforderung, diesen Flughafen fertigstellen zu dürfen.“

Der neue Chef wird die schwierige Aufgabe haben, den neuen Airport nach jahrelanger Verspätung bis Ende 2017 endlich fertigzustellen. Planungsfehler und Baumängel haben das Projekt schon mehr als drei Jahre in Verzug gebracht. Bisher platzten vier Eröffnungstermine. Ursprünglich sollte der Flughafen Berlin Brandenburg im Oktober 2011 an den Start gehen. Zudem explodierten die Kosten auf mindestens 5,4 Milliarden Euro.

Kommentare (2)

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Herr Wolfgang Trantow

20.02.2015, 19:14 Uhr

Was haben Autos bzw. Triebwerke mit dem Bau eines Flughafens gemeinsam? Nur Geldvernichtung zu Lasten des Steuerzahlers?

Herr J.-Fr. Pella

23.02.2015, 11:15 Uhr

Berlin, die Steuervernichter (vor allen Dingen mit Geldern aus d. Finanzausgleich, Fördermittel der EU und des Bundes) Nr. 1 schreiben die unendliche Geschichte BER weiter.
Diese Stadt, besetzt mit inkompeten Senatoren und Steuerverschwender aller erste Sahne wollen auch noch die Olympiade 2024 nach Berlin.
Welch ein Schwachsinn!!! Die sollen erst mal die Altschulden verringern oder gar teilweise tilgen.
Griechenland läßt grüßen.

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