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18.06.2014

14:09 Uhr

Hauptstadtflughafen

Siemens-Manager wird neuer Technikchef am BER

Der alte Technikchef des BER musste wegen Korruptionsverdachts gehen – nun gibt es einen Nachfolger: Der bisherige Siemens-Manager Jörg Marks soll die technische Leitung beim Bau des Hauptstadtflughafens übernehmen.

Erste Hilfe für den BER: Es gibt einen Nachfolger für den entlassenen Technikchef. dpa

Erste Hilfe für den BER: Es gibt einen Nachfolger für den entlassenen Technikchef.

BerlinDer bisherige Siemens-Manager Jörg Marks soll den neuen Hauptstadtflughafen startklar machen. Der 46-Jährige wechselt im August als Technikchef auf der Baustelle in Schönefeld. Der Ingenieur übernimmt die Aufgaben des in der Korruptionsaffäre gefeuerten Technikchefs Jochen Großmann, wie der Flughafen am Mittwoch mitteilte.

„Herr Marks ist mein absoluter Wunschkandidat“, hob Flughafenchef Hartmut Mehdorn hervor. Seine wichtigste Aufgabe sei die zügige und sichere Fertigstellung und Inbetriebnahme des Flughafens.

Marks kennt die Aufgabe, Mehdorn hat seinen neuen Technikchef beim derzeit wichtigsten Auftragnehmer des Flughafens abgeworben: Als Regionalchef der Gebäudetechnik-Sparte ist Marks seit 2008 für die Siemens-Arbeiten auf der Baustelle verantwortlich.

Zunächst hatte Siemens die Entrauchungsanlage gebaut, seit Oktober hat das Unternehmen zusätzlich den Auftrag, das Nachströmen von Frischluft zu regeln. Die Probleme mit der Anlage galten als Hauptgrund für die Absage der Eröffnung vor zwei Jahren.

Der Rauch zieht nach Berechnungen und Versuchen des Flughafens im Brandfall nicht so ab, dass Menschen das Terminal unbeschadet verlassen können. Deshalb wird die Steuerung der Türen und Fenster umgebaut, mehr als 90 Kilometer Kabel müssen neu verlegt werden. Zudem wird die Anlage im kritischen Teil in drei Abschnitte zerlegt, um sie beherrschbar zu machen.

Das sind die größten Probleme des BER

Dauerbaustelle

Bis zu 400 Bauarbeiter sind derzeit im Terminal des neuen Hauptstadtflughafens im Einsatz. Woran sie nach Angaben der Betreiber arbeiten und was darüber hinaus zu tun ist.

Brandschutz

Weil die Anlage nicht funktionierte, platzte die Eröffnung 2012. Zwei Jahre später glauben die Betreiber, die Lösung zu kennen. Sie teilen die Anlage im kritischen Bereich in drei Abschnitte, das soll die Steuerung einfacher machen.

Kabeltrassen

Weil die Firmen zeitweise bauen konnten wie sie wollten, sind viele Kabelbrücken über- oder fehlbelegt. Nun werden Kabel kilometerweise neu gezogen. Zudem ist ein Teil der 4000 Räume im Flughafen falsch nummeriert, was zu Chaos führen könnte, weil die Lüftungsklappen den Nummern folgen. Auch hier wird nachgearbeitet.

Restarbeiten

Von der gerissenen Kachel bis zu handfestem Baupfusch haben die Betreiber 150.000 Mängel gefunden. Hier arbeiten Firmen nach.

Schallschutz

Die Großbaustelle jenseits der Baustelle: Lange bekamen die Anwohner zu schwachen Schallschutz. Ein Gericht schritt 2013 ein, die Arbeit begann weitgehend von vorn. Es geht um Fenster, Dämmungen und Lüfter für bis zu 25.500 Wohnungen.

Sanierung Nordbahn

Der Neubau übernimmt die Piste vom benachbarten Altflughafen Schönefeld. Sie muss saniert werden, doch die Behörden verlangen zunächst den Schallschutz für die Anwohner. Geplanter Baubeginn: März 2015.

Korruptionsaffäre

Wegen des Bestechlichkeitsvorwurfs gegen den bisherigen Technikchef Jochen Großmann werden nun alle Vergabeverfahren überprüft, mit denen dieser zu tun hatte. Unterlegene Bewerber könnten auf Schadenersatz klagen.

Finanzierung

4,3 Milliarden Euro sind bislang bewilligt, doch das Geld geht im Frühjahr aus. Mehdorn fordert mehr als 1,1 Milliarde Euro zusätzlich. Die Flughafeneigentümer Berlin, Brandenburg und der Bund dürfen aber nur Geld nachschießen, wenn die EU-Kommission das genehmigt. Dafür wird die Zeit langsam knapp.

Mehdorn hat deutlich gemacht, dass er an diesem Konzept Großmanns festhält. Siemens hat jedoch auch acht Monate nach Auftragsvergabe kein Kabel neu verlegt. Noch läuft die Arbeit an Plänen dafür, die das Unternehmen vom Flughafen erhält. Marks kann hier nun selbst für Tempo sorgen.

Mehdorn hob am Mittwoch ausdrücklich Marks' langjährige Kenntnis der Herausforderungen hervor. Siemens-Vorstand Roland Busch zeigte sich am Mittwoch überzeugt, dass Marks „die gute Zusammenarbeit“ zwischen beiden Unternehmen fortsetzen werde.

Der Flughafen hatte Marks' Vorgänger Großmann erst vor zwei Wochen fristlos entlassen. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt gegen den Dresdner Ingenieur, weil er sich einem Auftragnehmer gegenüber bestechlich gezeigt habe und weil er Bietern Preisabsprachen ermöglicht habe. Großmann will diese Vorwürfe entkräften.

Marks ist der vierte Technikchef in gut zwei Jahren. Manfred Körtgen verlor seinen Job wegen der geplatzten Flughafen-Eröffnung im Juni 2012, seinen Nachfolger Horst Amann drängte Mehdorn als neuer Flughafenchef im vergangenen Herbst aus dem Projekt. Großmann war nur wenige Wochen angestellt. Marks wird nicht in die Geschäftsführung der staatlichen Betreibergesellschaft aufrücken, wie es vor Mehdorns Zeit am Flughafen für die Technikchefs üblich war.

Von

dpa

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