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19.01.2014

12:18 Uhr

Hauptstadtflughafen

Überhitzte Kabel bringen BER zum Schwitzen

Neue Planungsfehler beim Pannenflughafen BER: Ein zentraler Kanal für Kabel könnte so sehr überbelegt sein, dass bei vollem Betrieb Leitungen durchschmoren und es zu Kurzschlüssen kommt. Eine Lösung ist nicht im Plan.

Arbeiter verlegen Kabel in der Gepäckabfertigung des neuen Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER). dpa

Arbeiter verlegen Kabel in der Gepäckabfertigung des neuen Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER).

BerlinBeim Bau des Berliner Hauptstadtflughafens sind Medienberichten zufolge neue Planungsfehler aufgetaucht. Der zentrale Kabelkanal unter dem Terminal des neuen Airports BER sei einem flughafeninternen Vermerk zufolge überbelegt und damit wegen Überhitzungsgefahr nicht betriebsbereit, berichteten der "Spiegel" und die "Bild"-Zeitung am Wochenende.

Bei vollem Betrieb könnten Leitungen durchschmoren und Kurzschlüsse verursachen, die weite Teile des Flughafens lahmzulegen drohten. Ein TÜV-Berater habe in dem Vermerk vor einer Inbetriebnahme als "grob fahrlässige Handlung" gewarnt. Zurzeit werde der Einbau einer Klimaanlage geprüft. Sollte sich das als zu kompliziert erweisen, müssten Kabel entfernt werden.

Fragen und Antworten zum Hauptstadtflughafen

Warum ist es so schwer, den Flughafen in Betrieb zu nehmen?

Die größten Probleme sind ungelöst: Noch haben die Ingenieure die Brandschutzanlage im Hauptgebäude des Terminals nicht im Griff. Der größte Entrauchungsabschnitt soll nun geteilt werden - in der Hoffnung, das Ungetüm dann beherrschen zu können. Außerdem strömt die Frischluft im Brandfall noch nicht so nach, wie sie sollte, und verwirbelt mit dem Rauch. Hier wird umkonzipiert. Umbauen können die Techniker aber erst, wenn ein anderes Problem gelöst ist: die hoffnungslos überbelegten Kabeltrassen zu entwirren.
Eigentlich wollte Mehdorn schon in diesen Wochen einen Inbetriebnahme-Zeitplan für den gesamten Flughafen nennen, nun hofft er, den in zwei bis drei Monaten liefern zu können. „Das muss ein Termin sein, den wir risikofrei erreichen können“, sagt Mehdorn nach der Blamage um vier geplatzte Starttermine.

Was hat Mehdorn jetzt vor?

Im Nordflügel des Terminals gibt es einen Großteil der Probleme nicht. In dem für Billigflieger gedachten Trakt will Mehdorn im März oder April die ersten Passagiere einchecken lassen. Es wäre ein Start auf Regionalflughafen-Niveau, mit höchstens fünf Starts und fünf Landungen pro Tag - gerade mal ein Prozent der Kapazität des Flughafens.
Mehdorns Kalkül: Der Großteil der Abläufe am Flughafen kann so getestet werden, bevor alle Airlines von Tegel und Schönefeld-Alt zum Neubau umziehen. Für die Gesamteröffnung wird seit längerem das Jahr 2015 genannt. Aber niemand legt sich fest.

Platzeck geht – übernimmt jetzt Wowereit?

Ja. Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) hört nach einem leichten Schlaganfall auf und gibt auch den Flughafen-Aufsichtsratsvorsitz ab. Als gewählter Stellvertreter war der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit erst einmal eingesprungen. Nun übernimmt er wieder die Spitze im Aufsichtsrat – es gab schließlich keine Konkurrenz.

Seit einem Jahr ist Technikchef Amann auf der Baustelle. Was hat er bewegt?

Der Hoffnungsträger vom Frankfurter Flughafen hat sich in Schönefeld eine Mammutaufgabe gestellt: Eine Bestandsaufnahme aller Mängel, um dann planvoll neu durchzustarten. Von der gebrochenen Fliese bis zur defekten Brandschutzklappe kamen Zehntausende Mängel zusammen - für Projekte dieser Größenordnung keine ungewöhnliche Dimension. Mit dieser Akribie bringt Horst Amann aber den ungeduldigen Mehdorn auf die Palme, der dem Ingenieur im Frühjahr vor die Nase gesetzt wurde. Mehdorn nennt die Amann-Zeit „Schockstarre“ und startete sein Beschleunigungsprogramm „Sprint“. Beide Manager sind heillos zerstritten. Am Freitag brachten sie konkurrierende Konzepte für die Teileröffnung in den Aufsichtsrat.

Wie viel wird der Flughafen am Ende kosten?

Das weiß heute niemand. Bislang gilt die fast ein Jahr alte Zahl von 4,3 Milliarden Euro, doch sie ist nicht zu halten. Denn damals dachten die Verantwortlichen noch, dass in diesem Oktober die ersten Passagiere einchecken. Jeder weitere Monat Verzögerung kostet 34 Millionen Euro. Hinzu kommen Mehrkosten für den Schallschutz. Die 5-Milliarden-Marke ist also in Sichtweite.

Doch für Ersatzkabeltrassen gibt es dem Bericht zufolge noch keine Planung. Weder die Kosten noch die Dauer der Umbauarbeiten seien abzuschätzen, zitierte der "Spiegel" aus dem Vermerk. Ein Sprecher der Flughafengesellschaft habe den Vorgang im Kern bestätigt. Derzeit würden "Lösungen erarbeitet". Laut "Bild" sucht derzeit eine Arbeitsgruppe des Flughafens nach einer Lösung. Der milliardenschwere Hauptstadtflughafen sollte schon lange in Betrieb sein. Wegen immer neuer Bau- und Planungsmängel musste der Start aber mehrmals verschoben werden.

Von

rtr

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