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18.06.2014

14:38 Uhr

Hauptversammlung

Air Berlin und die 70 Aktionäre

VonCarsten Herz

Auf der Hauptversammlung der angeschlagenen Fluglinie in London hagelt es kaum Kritik am Management. Statt dessen übt sich mancher Kleinaktionär in einer seltenen Übung: der Danksagung.

Rote Zahlen

Schafft Air Berlin den Weg aus der Krise?

Rote Zahlen: Schafft Air Berlin den Weg aus der Krise?

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LondonLange hält die Ruhe auf der Hauptversammlung der angeschlagenen Fluggesellschaft Air Berlin nicht an. Schon wenige Minuten nach Beginn der Aktionärsversammlung, die die nach britischem Recht organisierte Airline seit Jahren fern der Heimat im britischen London veranstaltet, gibt es erste Kritik. „Die Lage von Air Berlin gleicht einem Fallschirmsprung ohne Fallschirm“, mault Kleinaktionär Manfred Klein aus Saarbrücken.

Doch wer glaubt, dass an diesem Mittwoch eine Generalabrechnung der Investoren folgt, der sieht sich getäuscht. Statt dessen übt sich mancher Kleinaktionär in einer selten Übung für ein hochdefizitäres Unternehmen: der Danksagung. „ Ich möchte mich bei Ihnen trotz aller widrigen Umstände bedanken“, schiebt Klein bald nach. Auch andere Anleger sprechen dem Führungszirkel Mut zu.

Kuscheln in schwierigen Zeiten: Schon bald ist klar, dass Vorstandschef Wolfgang Prock-Schauer einen leichten Stand hat, als er in einem Hotel-Sall in der Nähe des größten Londoner Flughafens Heathrow vor die Aktionäre tritt. Allerdings ist die Zahl der Männer und Frauen auf dem Podium von Vorstand und Verwaltungsrat auch fast größer als die der gut 70 angereisten Aktionäre.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Tiefrote Zahlen, Ungewissheit über den weiteren Kurs der Airline: War da was? Die meisten Anleger sind in London trotzdem nicht auf Krawall gebürstet. Es ist eher Resignation, die aus den Worten mancher Aktionäre spricht. Schon der vorherige Vorstandschef Hartmut Mehdorn habe Aufbruchsstimmung verbreitet, ruft Kleinaktionär Bruno Böhm aus Lübeck in den kleinen Saal. „Es kommt mir alles wie ein Déjà-vu vor.“ Auch Martin Stutzbach aus dem niedersächsischen Wunstorf schlägt in diese Kerbe. „Wir sind immer in der gleichen Situation: Im nächsten Jahr soll alles besser werden – nur bleiben die Ergebnisse immer schlecht.“ Er sei im Augenblick noch nicht überzeugt, dass es bei Air Berlin besser werde.

Das ist auch keine ganz große Schwierigkeit: Air Berlin ist seit Jahren finanziell angeschlagen. Nur Finanzspritzen des Großaktionärs, der Fluggesellschaft Etihad aus Abu Dhabi, verhinderten bisher das Schlimmste. Wegen eines übereilten Expansionskurses steht die mit ihrem „Mallorca-Shuttle“ bekannt gewordene Air Berlin tief in der Kreide und schrieb in den vergangenen fünf Jahren nur einmal Gewinne. Etihad gehören inzwischen knapp 30 Prozent an der zweitgrößten deutschen Airline. Der Aktienkurs der Lufthansa-Rivalin dümpelt derzeit um die 1,40 Euro – in den besten Zeiten unter der Regie von Firmengründer Achim Hunold wurden mehr als 22 Euro für eine Air-Berlin-Aktie fällig.

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