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29.05.2013

15:22 Uhr

Hauptversammlung

Neues Gesetz könnte Post in die Quere kommen

Post-Chef Frank Appel bekräftigt auf der Hauptversammlung die Prognose. Man habe keine Baustellen, „wir können frei am Markt agieren“. Das will die Bundesregierung offenbar ändern – und Konkurrenten per Gesetz helfen.

Frank Appel: „Es ist derzeit nicht abzusehen, wann sich die Konjunktur erholt“. AP/dpa

Frank Appel: „Es ist derzeit nicht abzusehen, wann sich die Konjunktur erholt“.

FrankfurtDie Deutsche Post sieht sich trotz der lahmenden Weltwirtschaft auf Kurs und will mit Investitionen auch in neue Geschäftsfelder ihr Wachstum absichern. "Es ist derzeit nicht abzusehen, wann sich die Konjunktur erholt", sagte Konzernchef Frank Appel am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Frankfurt. Er rechne mit einem Anziehen der Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2013 oder im nächsten Jahr.

Die Post profitiere weiter von ihrer starken Position in Asien und dem Boom im Online-Handel, mit dem das Unternehmen in Deutschland das rückläufige Briefgeschäft ausgleicht. Gleichzeitig böten der Fernbus-Markt, der E-Post-Brief oder Online-Einkäufe im Supermarkt Wachstumspotenzial. "Wir haben keine Problem-Baustellen, wir können frei am Markt agieren", sagte Appel.

Der Firmenchef bekräftigte die Ergebnisziele für dieses Jahr und für 2015. Demnach erwarten die Bonner 2013 einen Anstieg des operativen Ergebnisses (Ebit) auf 2,7 bis 2,95 (2012: 2,67) Milliarden Euro. Die global ausgerichtete Sparte DHL mit dem Express-, dem Fracht- und dem Kundenlogistikgeschäft soll mit 2,0 bis 2,15 Milliarden Euro den Großteil zum Ebit beitragen, das deutsche Brief- und Paketgeschäft zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro erzielen.

Das Unternehmen bekam im ersten Quartal zwar die schwache Konjunktur zu spüren, dank des boomenden Online-Handels und florierender Geschäfte in Asien stieg das Ebit aber immer noch um 2,9 Prozent auf 711 Millionen Euro. 2015 soll das operative Ergebnis dann bei 3,35 bis 3,55 Milliarden Euro liegen. "Wir glauben, dass es bis dahin eine konjunkturelle Belebung geben wird", sagte Appel.

Was Paketlogistik im E-Commerce-Zeitalter leisten muss

Packstation

Ende 2001 wurden in Dortmund und Mainz die ersten Packstationen in Betrieb genommen, heute stehen mehr als 2.500 dieser Automaten in ganz Deutschland den Kunden von DHL zur Verfügung. An sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr können sie hier ihre Pakete abholen. Insbesondere für Berufstätige ist die Zustellung an eine Packstation eine sinnvolle Alternative zur Heimzustellung.

Online-Retoure

Für den Betreiber fällt damit die kostenintensive und wenig umweltfreundliche Produktion vieler ungenutzter Retouren-Label weg. Der Käufer muss nicht wie bisher üblich diese Label lange aufbewahren, sondern kann sie bei Bedarf zuhause ausdrucken. Der Shop-Betreiber wiederum hat die Möglichkeit zu wissen, welche Retouren überhaupt zu ihm unterwegs sind – und kann sie bereits für den Wiederverkauf einplanen, wenn sie noch gar nicht wieder bei ihm angekommen sind. Das erhöht die Umlaufgeschwindigkeit der Ware und verringert die Kapitalbindung.

Wunschzustellung

Registrierte DHL-Kunden können bei der Bestellung ihrem Händler ihre DHL-Kundennummer angeben. Sie werden dann von DHL per SMS kostenlos über den voraussichtlichen Zustelltag informiert. Ebenfalls per SMS kann der Kunde antworten und, für einen geringen Preisaufschlag, einen anderen Zustelltag vereinbaren und damit selbst bestimmen, wann er sein Paket empfangen möchte.

Internationale Retouren

Dank dieses vollständig webbasierten Verfahrens können Kunden die Sendungen bei allen Filialen der Postgesellschaften im Zielland zurückgeben. Den Online-Händlern stehen dabei drei unterschiedliche Varianten zur Verfügung, von einer Online-Buchungsmaske mit Link zum Retouren-Label bis zur Vollintegration in den eigenen Webauftritt.

Angebote für Shop-Betreiber

Vom Aufbau eines Web-Shops über die logistische Abwicklung und Lagerhaltung bis hin zum Kunden- und Debitoren-Management reichen die Fulfillment-Lösungen, die DHL für Versandhändler offeriert. Damit kann der Händler sehr flexibel auf die Nachfrage in seinem Shop reagieren und die von seinen Kunden erwartete Servicequalität sichern. Hinzu kommen spezielle Angebote für Powerseller wie der kostenlos herunterladbare DHL Versandhelfer: Mit Portorechner, Ausfüllhilfe, Online-Frankierung, Sendungsverfolgung, Postfinder und Adressbuch.

In Asien ist DHL mit zeitkritischen Versendungen Marktführer - 20 Prozent der Umsätze von DHL kommen von dort. Bis 2017 will die Sparte ein Drittel seiner Erlöse in dieser Region erzielen. Chancen sieht die Post aber auch in einem wesentlich kleineren Geschäft: dem deutschen Fernbus-Markt, der 2013 geöffnet wurde. Zusammen mit dem ADAC will das Unternehmen bis zum Frühjahr 2014 rund 60 Fernbusse zwischen 30 deutschen Städten auf die Reise schicken und das Netz danach noch weiter ausbauen.

Das Marktpotenzial sieht der Logistiker bei 400 bis 500 Millionen Euro. "Wir haben durch unsere Filialstruktur hier echte Wettbewerbsvorteile", sagte Appel. Auch das Geschäft mit dem digitalen E-Post-Brief nehme langsam an Fahrt auf. In diesem Jahr werde der Umsatz mit diesen verschlüsselten Emails, die vor allem für Dokumente gedacht sind, die 100-Millionen-Euro-Marke erreichen, nach einem Umsatz von 20 Millionen Euro im Vorjahr.

Kommentare (1)

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GuenterFrey

31.07.2013, 11:07 Uhr

Alle Postexperte, einschließlich Bundesnetzagentur und Monopolkommission, wissen: Die Postgesetz-Novelle ist seit Jahren überfällig. Die übermächtige Lobbyarbeit der Deutschen Post hat sie immer wieder verhindert. Auch jetzt wieder: Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat das Gesetz so spät vorgelegt, dass es in dieser Legislaturperiode nicht mehr verabschiedet werden kann. Und schon wieder ist Zeit gewonnen. Bis dass Thema von der Bundesregierung erneut aufgegriffen wird, kann Monate dauern. Solange werden die Wettbewerbsunternehmen betrogen.

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