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27.11.2012

09:29 Uhr

Hellmut Patzelt

Karstadt-Betriebsratschef im Fadenkreuz

VonChristoph Schlautmann, Oliver Stock

ExklusivDie Bochumer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Karstadts obersten Arbeitnehmervertreter. Besonders die Bonuszahlungen an den Ex-Chef Middelhoff bereiten Probleme. Die Ermittlungen treffen den Verdi-Mann zur Unzeit.

Unter Verdacht: Gegen Betriebsratschef Patzelt wird ermittelt. dapd

Unter Verdacht: Gegen Betriebsratschef Patzelt wird ermittelt.

DüsseldorfDie Begegnung der Karstadt-Kontrolleure am 11. Dezember 2008 in Essen dauerte nicht länger als eine Tasse Kaffee. Als Aufsichtsratschef Friedrich Carl Janssen die fünf Mitglieder des Ständigen Ausschusses der Konzernmutter Arcandor zur Sondersitzung begrüßte, markierten die Zeiger 12.45 Uhr. Auf der Tagesordnung: die Bonusregelung für das laufende Jahr 2008.

Schon zehn Minuten später, um 12.55 Uhr, war die Abstimmung beendet und der Waren- und Versandhauskonzern um 3,845 Millionen Euro ärmer. Allein der scheidende Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff sollte für „seinen strategischen Weitblick und die mutigen Entscheidungen“ 2,295 Millionen Euro einstreichen. Dem Versandhausvorstand Marc Sommer spendierten sie 900.000 Euro für „die Sanierung des Versands und den Turn-around“ der Katalogtochter Quelle – die sieben Monate später ihre Zahlungsunfähigkeit erklärte.

Für den leichtfertigen Umgang mit dem Konzernvermögenhatten die Aufsichtsräte schon zu diesem Zeitpunkt kaum einen Grund. Allein eine eilig durchgezogene Kapitalerhöhung hielt Arcandor in der Adventszeit vor vier Jahren noch über Wasser. Kurz darauf rang der Vorstand der Belegschaft ein 150 Millionen Euro schweres Sparprogramm ab, um Schlimmeres zu verhindern. Trotz allem machten schon damals erste Insolvenzgerüchte die Runde.

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Die spendierfreudige Entscheidung von damals holt nun Karstadts obersten Arbeitnehmervertreter ein. Wie das Handelsblatt erfuhr, ließ die Staatsanwaltschaft Bochum am 13. November Privaträume und das Fuldaer Büro von Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt, 58, durchsuchen. Der Verdacht: Der kaufmännische Karstadt-Angestellte könnte sich bei der Gewährung der fragwürdigen Bonuszahlungen strafbar gemacht haben.

„Alle, die an der Entscheidung mitgewirkt haben, gelten potenziell als Beschuldigte“, sagte Bochums Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek dem Handelsblatt. Der Sprecher der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität nannte zwar auf Anfrage keine konkreten Namen, bestätigte aber Hausdurchsuchungen.

Für den seit April 2008 als Vize-Aufsichtsratschef amtierenden Gesamtbetriebsratschef kommen die Ermittlungen zur Unzeit. Die Gewerkschaft Verdi hat ihn auf den vordersten Listenplatz bei den anstehenden Betriebsratswahlen gesetzt, was dank der Verdächtigungen für Unruhe sorgen dürfte. Gestern stellte sich Verdi hinter die Patzelt-Kandidatur. „Ermittlungen oder laufende Verfahren ändern daran nichts“, sagte eine Sprecherin, „und wir kommentieren diese auch nicht.“ Patzelt selbst war für eine Anfrage nicht zu erreichen. Eine Bitte an sein Büro um Stellungnahme blieb gestern unbeantwortet.

Dabei gibt es genügend Ungereimtheiten, die es zu klären gilt. So hält der Aufsichtsrat in seinem Sitzungsprotokoll ausdrücklich fest, dass Middelhoff seine für die Bonuszahlung festgelegten Ziele damals deutlich verfehlte. Den angepeilten Konzernertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) habe er nur zu 80 Prozent erreicht, stellte der Aufsichtsrat fest. Hinter dem Bonus-Kriterium „Cash-Flow-Konzern“ notierte Karstadt-Justiziar Martin Müller in seinem Protokoll lakonisch: „Zielerreichungsgrad 0 %“.

Was Arbeitnehmervertreter Patzelt dennoch dazu getrieben hat, den schwer nachvollziehbaren Bonuszahlungen zuzustimmen, bleibt dessen Geheimnis.

Kommentare (2)

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peddarhatz

27.11.2012, 10:31 Uhr

na ja ,nach allem was ich so erlebe in meinem leben als aktionär,kann ich feststellen,daß die mädels und buben auf der arbeitnehmerbenk entweder keine ahnung haben oder mit tief in den honigtopf greifen,oft kommt beides zusammen

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Leser

27.11.2012, 18:03 Uhr

Hier hat jemand keinerlei Ahnung von vernünftiger Rechtschreibung und Zeichensetzung und läßt Sachlichkeit vermissen! Wichtigtuer!

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