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25.08.2015

14:54 Uhr

Henkel, Colgate-Palmolive & Co.

Russland verbannt westliche Waschmittel

Russland reagiert mit Gegenmaßnahmen auf die Sanktionen des Westens. Der Kreml verbietet bestimmte Agrarprodukte und ließ Lebensmittel vernichten. Nun werden auch Waschmittelmarken aus den russischen Regalen verbannt.

Sanktionen und fehlende Kaufkraft

Henkel bricht der Absatzmarkt nach Russland weg

Sanktionen und fehlende Kaufkraft: Henkel bricht der Absatzmarkt nach Russland weg

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Moskau/DüsseldorfDie russische Verbraucherschutzbehörde will einige Waschmittelmarken ausländischer Hersteller nicht länger in Regalen der heimischen Supermärkte sehen. Mehrere Produkte der Konsumgüterriesen Henkel, Procter&Gamble, Colgate-Palmolive und Clorox entsprächen nicht den Gesundheitsvorschriften, begründete die Behörde am Dienstag ihre Entscheidung. Händler seien angewiesen worden, sie aus ihrem Sortiment zu entfernen.

Unter anderem erhielt der Handelskonzern Metro eine entsprechende Aufforderung, der mit 82 Großmärkten in Russland vertreten ist. Beamte der Gesundheitsbehörde überprüften zudem überraschend ein Henkel-Waschmittelwerk in der Region Perm. Russland ist der viertgrößte Markt weltweit für den Hersteller von Pritt und Persil.

Auswirkungen der Russland-Sanktionen auf deutsche Branchen

Maschinenbau

Der wichtige Industriezweig leidet besonders stark unter dem Einbruch des Russland-Geschäfts – denn die Branche ist für mehr als ein Fünftel (2014: 22 Prozent) aller deutschen Ausfuhren in das Riesenreich verantwortlich. 2014 brachen sie um 17 Prozent ein. Damit ging Geschäft im Volumen von 1,3 Milliarden Euro verloren. Russland fiel damit in der Rangliste der wichtigsten Abnehmerländer auf Rang zehn zurück. 2013 war das Land noch der viertgrößte Absatzmarkt für den deutschen Maschinenbau. In diesem Jahr setzt sich der Trend fort: Allein bis Mai gingen die Exporte um 30 Prozent zurück.

Elektroindustrie

Die deutsche Elektroindustrie hat 2014 so viel Waren ins Ausland geliefert wie nie. Insgesamt kletterten die Exporte um 4,9 Prozent auf den Rekordwert von 165,5 Milliarden Euro. Und das, obwohl das Russland-Geschäft um 1,2 Milliarden Euro geringer ausfiel als 2013 – und damit die mit Abstand größte Belastung des Exportwachstums der Branche war.

Auto

Der russische Automarkt brach im vergangenen Jahr um zehn Prozent ein. Das trifft nicht alle deutschen Hersteller gleichermaßen. Für Daimler ist Russland nur ein vergleichsweise kleiner Markt. Europas größter Autobauer Volkswagen muss dagegen spürbare finanzielle Einschnitte in Kauf nehmen. Der Autobauer Opel stellt wegen der Absatzkrise sein Geschäft auf dem einstigen Hoffnungsmarkt bis zum Jahresende komplett ein.

Textilien

Gelitten hat auch die deutsche Textilindustrie. Der Gesamtverband Textil und Mode spricht von einem Exportminus von zwölf Prozent. Für den Hemdenhersteller Olymp ist Russland inzwischen nur noch der zweitgrößte Markt. Dem Hemdenhersteller macht unter anderem der schwache Rubel zu schaffen, der seine Produkte vergleichsweise teurer macht.

Nahrungsmittel

Russland galt lange als wichtigster Absatzmarkt für deutsche Agrar- und Lebensmittelexporteure außerhalb der EU. Schon vor den Sanktionen erschwerten nach Angaben des Verbandes BVE aufwendige Einfuhrvorschriften sowie Handelshemmnisse und Betriebssperrungen das Exportgeschäft. 2013 seien die Agrarausfuhren um 14,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken, Lebensmittelexporte um 16 Prozent. 2014 habe sich der Rückgang wegen des russischen Importverbotes verschärft. Die Agrarexporte brachen 2014 um 28 Prozent ein, die Lebensmittelexporte um 32 Prozent.

Die Europäische Union (EU) und die USA haben Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt. Hintergrund ist die Ukraine-Politik der Regierung in Moskau. Russland reagiert mit Gegenmaßnahmen und hat unter anderem die Einfuhr bestimmter EU-Agrarprodukte verboten. Präsident Wladimir Putin hatte auch verfügt, dass illegal aus dem Westen eingeführte Lebensmittel vernichtet werden.

Die russische Verbraucherschutzbehörde erklärte weiter, sie teste auch Wasch- und Reinigungsmittel anderer Hersteller. Details teilte sie nicht mit. Wasch- und Reinigungsmittel dürfen nur dann in Russland verkauft werden, wenn ihre Sicherheit durch Prüfungen und ein staatliches Zertifikat bestätigt ist. „Alle Wasch- und Reinigungsmittel, mit denen wir den russischen Markt beliefern, haben von den zuständigen Behörden das staatliche Registrierungszertifikat erhalten“, erklärte ein Henkel-Sprecher. Henkel suche nun den Dialog mit den russischen Behörden, „um den Hintergrund der Maßnahmen zu verstehen“. Henkel ist seit 1991 in Russland vertreten, der Konzern beschäftigt dort rund 2500 Menschen und unterhält mehrere Fabriken.

Der Handelskonzern Metro erklärte, er solle auf eine Aufforderung der Behörden hin einige Produkte nicht mehr in Russland anbieten. Es handele sich aber nur um einige Produkte aus den Bereichen Wasch- und Reinigungsmittel sowie Kosmetik. Der Anteil dieser Produkte am gesamten Angebot der Metro-Großmärkte sei „nicht bedeuten“.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

25.08.2015, 14:47 Uhr

Rußland macht es richtig. Die Russen haben das Recht, sich zu wehren, und sie sind offenbar klug genug, daß sie nur solche Gegensanktionen verhängen, die nicht der eigenen Wirtschaft schaden.

Wenn die Firma Henkel etwas gegen die zu erwartenden Umsatzeinbußen unternehmen will, sollte sie nicht in Moskau vorstellig werden, sondern bei der Regierung in Berlin. Die trägt schließlich die Verantwortung für die suicidalen Rußlandsanktionen. Rußland reagiert nur defensiv. Es würde morgen alle Gegensanktionen aufheben, wenn der Westen zur Vernunft zurückfände.

Und wenn die deutsche Regierung sich weiter unbelehrbar zeigt, sollte Henkel sich wenigstens innerhalb der Interessenverbände der deutschen Industrie dafür einsetzen, daß die Verbände endlich deutlich und klar öffentlich gegen die Sanktionspolitik Deutschlands Stellung nehmen.

J

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