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25.07.2013

16:47 Uhr

Henkel gegen Beiersdorf

Nivea verliert im Streit ums Deo

VonCarina Kontio

Ein schweißtreibender Prozess: Der Deo-Hersteller Henkel („Fa“) hat den Konkurrenten Beiersdorf verklagt. Die Werbesprüche für ein Nivea-Deo stießen den Düsseldorfern übel auf. Die Klage wurde beeindruckend begründet.

Die Nr. 1 gegen Deo-Flecken? Darüber haben Henkel und Beiersdorf vor Gericht gestritten. (Quelle: Nivea-Homepage Screenshot)

Die Nr. 1 gegen Deo-Flecken? Darüber haben Henkel und Beiersdorf vor Gericht gestritten.

(Quelle: Nivea-Homepage Screenshot)

DüsseldorfZwei Konzerne vor Gericht: Das Düsseldorfer Unternehmen Henkel hat sich mit dem Hamburger Rivalen Beiersdorf gestritten. Die Frage, mit der sich das Landgericht Düsseldorf beschäftigen musste: Welches ist „das beste“ Deo? Die Antwort dürfte angesichts von anhaltend hohen Temperaturen in ganz Deutschland auf Interesse stoßen. Und die Juristen haben eine Antwort gefunden.

Es ging um die Frage, ob Beiersdorf sein Produkt „Invisible for Black & White“ als „Das Beste“ und die „Nummer eins“ bewerben darf. Henkels Vorwurf: Die Kampagne sei irreführend und wettbewerbswidrig. Der Streitwert: 150.000 Euro (Aktenzeichen: 14cO94/13).

Das Landgericht hat Henkel, Hersteller der Deo-Marke „Fa“ in vollem Umfang Recht gegeben. „Sämtliche Aussagen sind unzutreffend und unzulässig“, heißt es beim Landgericht. Der Nivea-Gigant muss seine Werbung stoppen. Denn Deo sei nicht gleich Deo.

Der Reihe nach. Beiersdorf hatte sein „Deo“ damit beworben, dass es schwarzen Stoff nicht ausbleicht und auf weißem Stoff keine gelben Flecken hinterlässt. Dazu muss man wissen, dass das Produkt aber kein Deodorant, sondern ein sogenanntes Antitranspirant ist. Während Deos nämlich nur Geruch übertünchen, verhindern Antitranspirantien die Schweißproduktion. Dazu wird der Aluminiumhydroxychlorid (ACH) eingesetzt, was meistens gelbe Flecken macht. Das ist bei Deos nicht der Fall. Daher könne ein Antitranspirant gar nicht das beste Deo gegen Flecken sein.

Top-10-Kosmetikmarken nach Markenwert

11,8 Milliarden Euro

Olay (Oil of Olaz), USA

7,9 Millarden Dollar

Avon, USA

7,7 Milliarden Dollar

L'Oréal, Frankreich

6,2 Milliarden Dollar

Neutrogena, USA

5,6 Milliarden Dollar

Nivea, Deutschland

5,1 Milliarden Dollar

Lancôme, Frankreich

5 Milliarden Dollar

Dove, Großbritannien

3,7 Milliarden Dollar

Estée Lauder

3,3 Milliarden Dollar

Bioré, Japan

2,9 Milliarden Dollar

Shiseido, Japan

Quelle

Brand Finance / Markenwerte 2012, errechnet u.a. auf Basis von Umsatzerwartungen, Kundenbindung und durchsetzbaren Preisen

Über die Darstellung hat sich Henkel geärgert und bei den Richtern eine Stoffprobe eingereicht, mit der glaubhaft gemacht werden konnte, dass das Nivea-Produkt trotzdem Flecken macht. Dieser beeindruckend einfache Nachweis ohne Gutachter oder Labor reichte den Richtern, denn es handele sich nur um ein einstweiliges Rechtsschutzverfahren.

„Beiersdorf hat natürlich jetzt die Möglichkeit, dagegen in Berufung zu gehen“, erklärt das Landgericht. Eine weitere Option für den Nivea-Konzern wäre auch, dass ein Hauptverfahren angestrebt wird, in dem dann aufwändiger und unabhängig per Gutachter gesprüht und geschwitzt werden muss. „Wir sind der Ansicht, dass die Aussagen im Zusammenhang mit diesem speziellen Werbespot von Verbrauchern nicht missverstanden werden“, hieß es in einer Stellungnahme von Beiersdorf. „Aber natürlich nehmen wir das Urteil zur Kenntnis und werden die Begründung noch einmal eingehend prüfen."

Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden Rivalen sich vor Gericht gegenüber stehen. Erst im April trafen sich die Konsumgüterriesen mit der Ex-Marketing-Managerin von Henkel vor dem Arbeitsgericht. Tina Müller wollte erreichen, dass sie im Juli zu Beiersdorf wechseln kann. Doch daraus wurde nichts. Wegen einer Wettbewerbsklausel hätte sie damit drei Jahre warten müssen (Az.: 11 Ca 1115/13). Sie schaute sich nach Alternativen um und erhielt die Zusage, Marketing-Chefin bei Opel zu werden.

Anm. d. Redaktion: Eine erste Version des Texts wurde leicht überarbeitet und ergänzt.

Kommentare (2)

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Nachwuchs

25.07.2013, 19:33 Uhr

DEO? Welcher Mensch weigert sich innerhalb von 24 wenigstens 1x zu waschen? Wieso müssen lt. Werbung sich die Menschen nur noch alle 72 Stunden waschen?

FreundHein

26.07.2013, 08:19 Uhr

Es geht nicht um Waschen oder Hygiene, es geht um Lifestyle. Und damit um viel Geld. Mit einem Stück Kernseife (kaufen Sie mal wieder eine, ich wette, Sie wissen gar nicht, was das ist…) lässt sich das kaum verdienen.
Diese Trottel, die der Kosmetikwerbung aufsitzen duschen mindestens 2 x täglich! Völlig überflüssige Wasser- und Energieverschwendung, macht aber prima krank.
Die Chemiekonzerne verkaufen idR nicht nur Lifestyle-Kosmetik, sondern haben oder hatten (eine heute freundschaftlich durch entsprechende Verbände verbundene (SIC!) Pharmasparten. Da wäscht (SIC!) eine Hand brav weiter die andere.

Das Menschen nach Mensschen riechen und nicht nach Veilchen, sollte kein Problem sein. Im Gegenteil. Die ganze Parfümiererei sorgt doch mit für soziale Spannungen. Wozu kommunizieren wir "in the wild" über Pheromone? Eben!

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