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11.01.2005

07:50 Uhr

Hersteller praktisch ausverkauft

Solarwirtschaft bleibt auf der Sonnenseite

VonWolfgang Gillmann

Die Solarwirtschaft in Deutschland boomt. Kaum eine Branche kann für das vergangene Jahr ein derartiges Wachstum vorweisen wie die Hersteller von Modulen und Anlagen zur Stromgewinnung aus Sonnenkraft. Die hohe Förderung durch die rot-grüne Regierung hat die Nachfrage kräftig steigen lassen.

DÜSSELDORF. Nach Angaben der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft in Berlin wurden im vergangenen Jahr in Deutschland erstmals mehr Fotovoltaik-Anlagen installiert als beim bisherigen Spitzenreiter Japan. Während in Deutschland Solaranlagen mit einer Höchstleistung von rund 300 Megawatt in Betrieb gingen, waren es in Japan nach Schätzung des Verbandes Anlagen mit einer Leistung von 280 Megawatt. Auf dem dritten Rang folgen die USA mit rund 90 Megawatt.

Die Bundesregierung will bis 2050 mindestens 50 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien erzielen. Nachdem der Anteil 2003 noch bei knapp acht Prozent lag, soll er bis 2010 auf mindestens 12,5 Prozent steigen. Dafür erhalten Erzeuger von Solarstrom bis zu 62,4 Cent für die mit Solarkraft erzeugte Kilowattstunde von ihren regionalen Stromversorgern.

Die starke Nachfrage hat die Industrie zu hohen Investitionen veranlasst. „Die inländischen Fotovoltaikhersteller verdoppelten im vergangenen Jahr ihre Produktionskapazitäten“, sagt Carsten Körnig, Geschäftsführer der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft. Die deutsche Solarbranche steigerte nach seinen Angaben 2004 ihren Umsatz um 60 Prozent auf über zwei Mrd. Euro. Viele Unternehmen hätten noch mehr Solaranlagen verkaufen können, doch die Kapazitäten geben nicht mehr her. „Die Hersteller sind bis 2006 praktisch ausverkauft“, sagt Patrick Hummel, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. „Vor allem das Rohmaterial Silizium ist knapp.“ Hersteller wie Wacker erweitern zwar ihre Kapazitäten, doch Hummel erwartet erst von 2006 an eine bessere Versorgung mit dem begehrten Rohstoff. Inzwischen nimmt die Solarindustrie fast halb so viel Silizium ab wie die Halbleiter-Hersteller.

Auch international investiert die Industrie stark in Fotovoltaik. Große Energiekonzerne wie BP, Shell und RWE steigen direkt oder über Töchter in die Produktion von Solarzellen und Modulen ein. Sharp hat vergangene Woche zwei weitere Fertigungslinien für Solarzellen in Japan in Betrieb genommen. Dadurch verfügt der Weltmarktführer bei Fotovoltaikmodulen jetzt über zehn Fertigungslinien mit einer Kapazität von 400 Megawatt.

In Deutschland waren die Aktien der börsennotierten Hersteller von Solaranlagen und Modulen die Renner des vergangenen Jahres, während die Windenergie mit Problemen kämpfte. Unternehmen wie Solarworld, Sunways, Solarfabrik oder Solon verbuchten Kurssteigerungen um bis zu 700 Prozent. Anbieter wie Conenergy stehen kurz vor dem Schritt an die Börse. Analyst Hummel erwartet zwar weiteres Wachstum, gibt aber zu bedenken, dass einige Kurse bereits recht hoch liegen. Deshalb empfiehlt er aktuell auch nur die Aktien von Solarworld zum Kauf. Das Bonner Unternehmen hatte vor kurzem schwarze Zahlen und einen Aktiensplitt angekündigt.

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