Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.07.2015

15:40 Uhr

Hitzewelle

Gefühlter Ausnahmezustand

Während viele Menschen unter der Hitzewelle leiden, bleiben die Unternehmen cool: Die Wirtschaft steckt Höchsttemperaturen zumeist locker weg. Doch es gibt auch neuralgische Stellen – etwa bei der Deutschen Bahn.

Die Menschen müssen sich mit der Hitze arrangieren, der Wirtschaft gelingt das meist problemlos. Bert Bostelmann für Handelsblatt

Bankenviertel, heißer Julitag

Die Menschen müssen sich mit der Hitze arrangieren, der Wirtschaft gelingt das meist problemlos.

DüsseldorfDeutschland stöhnt und ächzt unter der Hitze. 39 Grad Celsius im Schatten zeigte das Thermometer am Donnerstag – der heißeste Tag des Jahres. Und am Samstag soll es bis zu 40 Grad werden, sagt der Deutsche Wetterdienst voraus. Das wäre knapp unter dem Allzeithoch von 40,2 Grad aus den Jahren 1983 und 2003. Solche Hitzewellen werden sich wegen des Klimawandels häufen, warnen Meteorologen.

Doch weite Teile der Wirtschaft lässt die Hitze vorerst kalt. Viele Unternehmen leiden weit mehr unter Frost und Stürmen als unter dem Hoch „Annelie“. Trotz des stark erhöhten Strombedarfs für Klimaanlagen und Ventilatoren geben die Netzbetreiber Entwarnung. „Solange das Wetter so konstant bleibt, bereitet es uns keine Schwierigkeiten“, sagt Andreas Preuß vom Betreiber Amprion. „Der höchste Stromverbrauch tritt in Deutschland regelmäßig nicht im Sommer, sondern an dunklen Wintertagen auf“, berichtet Fiete Wulff von der Bundesnetzagentur. Im Januar und Februar benötige man extrem viel Elektrizität für Beleuchtung. Die Stromkonzerne werden in den kommenden Tagen allerdings ständig eine Zahl im Blick haben: die Wassertemperatur der Flüsse. Denn ab etwa 28 Grad Celsius sind Elbe, Neckar und Rhein zu warm, um Kohle- und Atommeiler kühlen zu können.

Engpässe in der deutschen Stromversorgung sind durch die Hitzewelle zunächst ebenso wenig zu erwarten wie Störungen der Logistik des Einzelhandels. Hier müssen geschlossene Kühlketten bei jedem Wetter gewährleistet sein – zumindest bis in die Geschäfte. Damit die Kühlung auch danach nicht abreißt, bieten beispielsweise Metro und Real ihren Kunden in diesen Tagen Transportboxen mit Kühlakkus an.
Prekärer ist die Lage allerdings bei der Deutschen Bahn – ein Unternehmen, wo sich Hitzeprobleme und unternehmerische Verantwortung für die Fahrgäste durchkreuzen. Schon am Donnerstag beschwerten sich Kunden auf Twitter über lauwarme Kaltgetränke und nicht richtig funktionierende Klimaanlagen.

An ihren coolen Slogan aus dem Jahr 1966: „Alle reden vom Wetter. Wir nicht“ dürften die Bahnverantwortlichen in diesen Tagen allenfalls mit einem flauen Gefühl zurückdenken. Denn der legendäre Bahnspot hat sich inzwischen in reinsten Bahnspott verwandelt. Zu frisch sind noch die Erinnerungen an sommerliche Notarzteinsätze am Gleis, weil ausgefallene Klimaanlagen Fahrgäste an den Rand des Zusammenbruchs gebracht hatten. „Die Klimaanlagen an Bord aller DB-Züge sind auf Temperaturen von bis zu 35 Grad ausgelegt“, sagt eine Konzernsprecherin. Dies heiße aber nicht, dass sie bei höheren Werten ausfalle. Die Temperatur läge auch dann noch in der „Komfortzone“. In früheren Jahren, das belegen interne Bahn-Papiere, war die Kühlung auf nicht mehr als 32 Grad ausgelegt.

Während die Deutsche Bahn inzwischen glaubt, die rund 3 400 Klimaanlagen ihrer ICE unter Kontrolle zu haben, schwitzen nun in vielen Regionalbahnen die Passagiere. „In vielen Zügen funktioniert die Klimaanlage nicht“, bestätigt Lothar Ebbers vom Fahrgastverband pro Bahn in Nordrhein-Westfalen die aktuellen Beschwerden. Die deutsche Bahn bezieht ihre Klima- und Heizungsanlagen von Zulieferern. Deren Namen will die Bahn auch auf Anfrage nicht preisgeben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×