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23.07.2012

12:28 Uhr

HKX-Jungfernfahrt

Mit Siebzigerjahre-Flair in die Zukunft

VonTobias Döring

Seit heute rollt der Hamburg-Köln-Express über die Gleise. Mit Kampfpreisen buhlt der neue Konkurrent der Deutschen Bahn um Passagiere. Wir haben den HKX getestet – und manch erstaunten Bahnkunden erlebt.

Jungfernfahrt für den HKX: Rheingold-Waggons aus den Siebzigerjahren wurden umgeschminkt. dpa

Jungfernfahrt für den HKX: Rheingold-Waggons aus den Siebzigerjahren wurden umgeschminkt.

Essen/DüsseldorfEs ist kurz vor 10 Uhr und gleich wird der „DPF 1800“ auf Gleis eins im Essener Hauptbahnhof erwartet. Ziel: Köln. „Können Sie mir sagen, was DPF heißt?“, fragt eine junge Frau mit Kinderwagen. Das hatte zuvor ein Bahn-Mitarbeiter am Infopunkt erklärt. „Das ist der HKX.“ Eine Privatbahn sei das, von Hamburg nach Köln. „Die fahren heute wohl auch den ersten Tag“, sagt er weiter. „Die sollen günstige Preise haben, müssten Sie mal im Internet gucken.“

Dann fährt der Hamburg-Köln-Express, Kürzel HKX, ein. Was der „DPF 1800“ ist, ist jetzt aufgeklärt. Doch mit dem Zug können trotzdem die wenigsten Passagiere etwas anfangen. Auf dem Wagenreihungsplan für Gleis eins ist der Zug jedenfalls noch nicht verzeichnet. Dass gerade die neue private Konkurrenz zur Deutschen Bahn im Fernverkehr eingefahren ist, wissen die Wenigsten. Ein Asiate fragt den Schaffner, ob er mit seinem Bahn-Ticket denn mitfahren könne. Er erntet Kopfschütteln.

Nur wenige steigen zu, die meisten warten auf den Regionalexpress nach Aachen, der wenige Minuten später hier abfährt. In den türkisfarbenen Wagen sitzen dennoch einige Passagiere in plüschigen Abteilen. Der HKX fährt mit den sogenannten Rheingold-Waggons, die in den Siebzigerjahren als Luxuszug der Bundesbahn die schöne Rheinstrecke entlangfuhren – ausschließlich mit Erster Klasse. Dieser hier ist Baujahr 1965, aber trotzdem schon klimatisiert.

So fährt man mit dem HKX

Stationen

Der Hamburg-Köln-Express bis zu dreimal täglich von Hamburg nach Köln und zurück. Der HKX hält in Hamburg Altona, Hamburg Dammtor, Hamburg Hbf, Hamburg Harburg, Osnabrück, Münster, Gelsenkirchen, Essen, Duisburg, Düsseldorf und Köln.

Fahrzeit

Für die Strecke zwischen Hamburg und Köln benötigt der HKX gut vier Stunden. Ein IC/EC der Deutschen Bahn braucht in etwa genauso lange. Selbst die meisten ICEs sind auf der Strecke kaum schneller unterwegs.

Preis

Die Fahrkarten für den HKX kosteten in der Startphase 20, 40 oder 60 Euro für eine einfache Fahrt Hamburg-Köln oder Köln-Hamburg. Mittlerweile beträgt der Höchsttarif 68 Euro. Bucht man Hin- und Rückfahrt erhält man zehn Prozent Rabatt auf den gesamten Fahrpreis. Kurzstrecken sind günstiger, die Strecke Essen-Düsseldorf kostet zum Beispiel zehn Euro. Später will HKX auf ein nachfrageorientiertes, variables Preissystem umstellen. Bei der Deutschen Bahn ist die einfache Fahrt Hamburg-Köln im IC zum Normalpreis von 83 Euro zu haben.

Ticketkauf

Buchbar sind die HKX-Tickets derzeit nur über die Webseite des privaten Bahn-Unternehmens und per Telefonhotline. Die Fahrkarten kann man sich dann selber ausdrucken bzw. zuschicken lassen. HKX würde die Tickets gerne auch in den Bahnhofs-Servicecenter der Deutschen Bahn verkaufen. Bisher gab es dabei mit dem Staatsunternehmen jedoch keine Einigung.

Die Waggons hat HKX von der Vogtlandbahn, einer Tochter der italienischen Staatsbahn, angemietet. Eigentlich wollte die Privatbahn heute zur Premierenfahrt mit firmeneigenen Waggons unterwegs sein, doch die Umrüstung des Zugmaterials in Polen hat sich immer weiter verzögert. Deshalb also Rheingold. Den Journalisten gefällt’s. Mehrere Kamerateams, Fotografen, Radio-Reporter und die schreibende Zunft bevölkert den Zug.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

23.07.2012, 13:17 Uhr

Schöne Sache! Ich hoffe nur, dass man auch genug Tickets für 20-30 Euro bekommt.

Bei 60 Euro kann man auch mit dem Auto fahren.

Account gelöscht!

23.07.2012, 14:34 Uhr

Jetzt sollte man die Fahrplanerei aus der DB raustrennen, damit das alles auch fair koordiniert wird.
Sonst bekommen wir frueher oder spaeter genau so ein Chaos wie die Briten.

Platos_Retreat

23.07.2012, 15:15 Uhr

70er Jahre .. Gibt es dann wenigstens auch Raucherabteile?

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