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04.10.2012

17:39 Uhr

Hochfrequenzhandel

Börsen geraten ins Visier der Ermittler

VonRolf Benders

US-Aufseher ermitteln gegen amerikanische Börsen. Sie sollen Hochfrequenzhändler gegenüber anderen Anlegern bevorzugen. Vor allem kleine Handelshäuser fühlen sich benachteiligt.

Händler im Handelsraum der Nyse. Reuters

Händler im Handelsraum der Nyse.

New York Die Diskussion um die Gefahren des Wertpapierhandels mit superschnellen Computern nimmt in den USA eine überraschende Wendung. Statt der Hedge-Fonds und der Broker mit ihren High-Tech-Systemen geraten nun die Börsen in den Fokus der Ermittler.

Der Vorwurf: Eigentlich dazu verpflichtet, jeden Anleger gleich zu behandeln, sollen Börsen die Hochfrequenzhändler mit unfairen Vorteilen anlocken und so deren Geschwindigkeitsrausch noch verstärken. Man müsse die verzögerte Versorgung der Öffentlichkeit mit Daten und die zur Verfügung stehenden Ordertypen weiter sowie Hochfrequenzhandel insgesamt untersuchen, sagte die Chefin der US-Börsenaufsicht Mary Schapiro am Dienstag bei einer Anhörung zum Thema.

Die größten Börsenpannen

Nasdaq lahmgelegt

Ein Softwarefehler führt dazu, dass die US-Börse Nasdaq im August 2013 einige Stunden den Handel komplett einstellen muss. Nach der Wiederaufnahme des Handels steigt der Markt – die Aktie des Börsenbetreibers aber verliert.

Dow Jones (2013)

Am 23. April 2013 meldete der Twitter-Account der US-Nachrichtenagentur eine Explosion im Weißen Haus. Die Meldung war jedoch falsch – Hacker hatten das Nutzerkonto übernommen. Dennoch brach die Börse innerhalb von Sekunden um mehr als ein Prozent ein. Möglicher Grund: Computer werteten die Meldung als wahr und lösten Verkaufssignale aus.

Kraft-Aktie (2012)

4. Oktober 2012: Die Nasdaq und mehrere andere Börsen haben nach einem ungewöhnlichen Kurssprung von Kraft Foods einen Teil des Handels mit der Aktie annulliert. Grund für den plötzlichen Anstieg der Papiere von 45,55 auf 58,54 Dollar war nach Angaben der US-Technologiebörse der Fehler eines Börsenmaklers. Nähere Angaben machte sie nicht. „Die Systeme von Nasdaq haben normal funktioniert und der Prozess der Industrie zum Umgang mit solchen Angelegenheiten verlief wie geplant“, hieß es in einer Erklärung.

Software-Panne bei Knight Capital (2012)

Durch einen Fehler hatte die Knight-Software enorm viele Orders platziert, die heftige Kursschwankungen auslösten. Dem Treiben konnte erst nach einer Dreiviertelstunde ein Ende gesetzt werden. In dieser Zeit hatten sich bereits 440 Millionen Dollar Verlust angehäuft, die das US-Brokerhaus fast zum Zusammenbruch brachten.

Das Facebook-Desaster (2012)

Die Erfolgsstory von Facebook bekam an der Börse einen starken Dämpfer. Nach gravierenden Pannen im Handelssystem der Technologiebörse Nasdaq in New York stürzte der Kurs des Börsenneulings rapide in die Tiefe. Beteiligte Firmen erlitten Millionen-Verluste. Die Schweizer Großbank UBS, die 290 Millionen Euro verlor, drohte sogar mit einer Klage gegen die Börse.

Pannen-Start für BATS (2012)

Die Erstnotiz der drittgrößten US-Börse BATS Global Markets im März 2012 endete mit einem Totalschaden. Die neuen BATS-Aktien sackten innerhalb weniger Minuten von 16 Dollar auf unter einen Cent. Schuld daran war eine neue Software. BATS musste die falschen Transaktionen zurücknehmen - und nahm dabei die eigenen Aktien gleich mit von der Börse

Fünf-Minuten-Chaos bei der Citigroup durch Kursrutsch

Die Aktien der Citigroup fielen im Juni 2010 nach Massenverkäufen durch elektronische Handelssysteme zeitweise um 17 Prozent. Doch da die Börsenaufsicht SEC nach dem „Flash Crash“ bereits zuvor beschlossen hatte, Aktien aus dem Index S&P 500 vom Handel auszusetzen, falls diese innerhalb von fünf Minuten mehr als zehn Prozent steigen oder fallen, stoppte das Sicherungssystem den Kursrutsch. Der Handel stand fünf Minuten lang still. Am Ende des Tages lag die Citigroup-Aktie sieben Prozent im Minus.

Flash Crash, 2010

Der „Flash Crash“ wurde im Mai 2010 durch den Hochfrequenzhandel ausgelöst: Durch einen blitzartigen Kurseinbruch lösten sich innerhalb weniger Minuten fast eine Billion Dollar Marktwert in Luft auf. Der Kurs des Dow Jones fiel um rund 1.000 Punkte. Einige Aktien verloren in der Zeit rund die Hälfte ihres Wertes. Der Spuk dauerte eine halbe Stunde lang an. Der sogenannte Hochfrequenzhandel, bei dem Tausende Transaktionen binnen Millisekunden durch Computer ausgelöst werden, stand schon vorher in der Kritik.

Strafe für Morgan Stanley (2007)

Morgan Stanley musste im Februar 2007 für den Fehler eines Händlers 300.000 Dollar Strafe an die Börse New York zahlen. Der Banker wollte einen Order über 100.000 Wertpapiere abgeben, übersah aber automatischen Multiplikator von 1000. Dementsprechend hatte seine Order einen Wert von 10,8 Milliarden Dollar statt der gewünschten 10,8 Millionen Dollar. Erst nachdem Aktien im Wert von 875,3 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt hatten, wurde der Fehler bemerkt. Die Bank hat die Handelsvorschriften am Desk seitdem deutlich verschärft.

Football vermasselt 50 Millionen Dollar Deal

Ein äußerst ungewöhnliches Missgeschick passierte einem Händler der Bank of America im September 2006. Er wartete auf die Anordnung seines Vorgesetzten, um einen fertig vorbereiteten Deal über 50 Millionen Dollar abzuschließen. Es fehlte nur noch der Druck auf die Enter-Taste. Während er wartete, warf ein Trainee einen Football durch den Raum und traf die Tastatur, inklusive der Enter-Taste.

Milliarden statt Millionen, 2002

Ein Händler von Bear Stearns verzählte sich im Oktober 2002 beim Verkauf von Aktien bei den Nullen und handelte sie für vier Milliarden Dollar anstelle von vier Millionen. Bevor der Vertipper auffiel, gingen bereits Wertpapiere im Wert von 600 Millionen Dollar an neue Besitzer. Dadurch sank der Leitindex Dow Jones um 2,3 Prozent.

100 Millionen für Verdreher

Im Dezember 2001 begleitete UBS Warburg den Verkauf neuer Aktien des japanischen Unternehmens Dentsu. Ein Händler vertippte sich und verkaufte statt 16 Dentsu-Aktien zu 600.000 Yen 610.000 Aktien zu je 6 Yen. Innerhalb kürzester Zeit verkaufte die USB dadurch 61.915 Aktien, was etwa der Hälfte des Emissionsvolumens entspricht. Die UBS verlor durch die Panne 100 Millionen Dollar, weil sie die Aktien zum Marktpreis zurückkaufen musste.

Lehman Banker verkauft zu viel (2001)

Ein Händler der Investmentbank Lehman Brothers verkaufte 2001 aus Versehen hundertmal mehr Aktien als er wollte. Darunter waren auch Schwergewichte wie AstraZeneca und BP. Der Banker vernichtete damit zeitweise 30 Milliarden Pfund an Börsenwert.

Tippfehler mit Folgen (1999)

Ein Aktienhändler der UBS gab im Januar 1999 zu viele Nullen in seinen Rechner ein und handelte damit innerhalb von nur zwei Minuten zehn Millionen Aktien des Pharmakonzerns Roche, obwohl nur sieben Millionen Stück existierten. Das Handelsvolumen überstieg die Marktkapitalisierung von Roche um knapp die Hälfte.

Der Schwarze Montag (1987)

Am 19. Oktober 1987 bricht der Dow Jones um fast 23 Prozent auf 1.728 Punkte ein, der größte prozentuale Tagesverlust in der Geschichte des Index. Der seinerzeit beliebte Programmhandel - eine Art Vorläufer des heutigen Algo-Tradings - hat den Absturz noch verschlimmert.

Vor allem kleinere Handelshäuser fühlen sich benachteiligt. "Seit die Börsen vor ein paar Jahren selbst an die Börse gingen und nun Gewinne machen müssen, bekommen die besonders lukrativen Kunden schnellere Daten und besondere Ordertypen", sagt Sal Arnuk, Gründer des Brokers Themis Trading, der zehn Leute beschäftigt. Und in der Tat haben die Börsen ökonomisch betrachtet allen Grund in Zeiten schrumpfender Margen die Hochfrequenzhändler als Kunden besonders zu umgarnen. Schließlich machen diese in vielen Fällen zwei Drittel der Handelsumsätze aus.

Börsenkritiker Haim Bodek: „Das ganze System muss überprüft werden“

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Der ehemalige US-Computerhändler Haim Bodeck wirft den US-Börsen vor, aus Profitgier bestimmte Profianleger unfair zu bevorzugen.

Doch langsam wird der SEC offenbar klar, dass die Börsen dabei die übrigen Investoren benachteiligen. So wurde die Nummer Eins der Branche, die New York Stock Exchange (Nyse), Mitte September in einer aufsehenerregenden Entscheidung mit einer Geldstrafe von fünf Millionen Dollar belegt: Die Nyse habe 2008 gegen die Regel verstoßen, allen Anlegern einen fairen Zugang zum Handel zu gewähren, indem sie bestimmten Kunden Daten schneller zur Verfügung gestellt habe als anderen, lautete die Begründung.

Kommentare (9)

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zuko

04.10.2012, 18:27 Uhr

So! Wo ist jetzt jener Blogger. der etwa Anfang/Mitte September all das als wörtlich "Quatsch" hinstellte? Der sogar auf Nachfragen noch nachkotzte?

maximilian@baehring.at

04.10.2012, 19:41 Uhr

Europa ist seit Generationen ein EMmigartions und KEIN EINWANDERUNGSland - siehe die Besiedelung Nord und Südamerikas oder die Kolonialzeit. Und daß wir kurzfristig Fachkräftemängel beseitigen müßten ist Blödsinn denn dei Kidner dier erwachsenen Jungen Menschen bilden dann eine Generation die genauso zur Shcule gehen muß wie usner anchwuschs. Wer behauptet wir benötigten hochqualifizeiret Zwandeung denkt kurzfristig aber nicht mittel- oder langfristig. Der unternationale projektorinetierte AUSTAUSCH von sepailisiertem Personal ist was anderes.

bernardo

04.10.2012, 19:51 Uhr

Wir brauchen insbesondere Menschen, gleichgültig ob zugewandert oder nicht, die fehlerfrei deutsch schreiben können!!!

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