Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.06.2016

13:01 Uhr

Hochgeschwindigkeitszug

Russland will den Hyperloop

VonAndré Ballin

Russland will den Hochgeschwindigkeitszug in Fernost – am liebsten den von Elon Musk erdachten Hyperloop. Das Projekt soll Moskau und Peking verbinden – und könnte zu einer Gefahr für Siemens werden.

... das wünscht sich Wladimir Putin für den Anbindung des Güterverkehrs mit China. AP

Schneller Zug in der Röhre

... das wünscht sich Wladimir Putin für den Anbindung des Güterverkehrs mit China.

St. PetersburgEigentlich wollte der Kreml US-Multimilliardär Elon Musk schon in diesem Jahr als Stargast für das Petersburger Wirtschaftsforum präsentieren. Gerüchten zufolge war Oligarch und Milliardär Roman Abramowitsch als Brautwerber geschickt worden. Doch Musk zierte sich und schickt nun nur die zweite Garde. Wohl auch, weil das US-State Department ziemlich deutlich klar gemacht hatte, dass es das Forum in St. Petersburg ablehnt und warnte vor „Risiken wirtschaftlicher Natur, als auch für das Image“.

Nun hat die russische Regierung Musk allerdings einen guten Grund für seine persönliche Teilnahme im nächsten Jahr geliefert: Denn das von ihm erdachte Konzept des Hyperloop soll nach Russland kommen - mit einem Unternehmen, dass diese Technologie umsetzt.

„Wir haben vereinbart, dass wir mit der Ausarbeitung des Projektes schon heute beginnen, um das erste Modell schon auf dem Östlichen Wirtschaftsforum Anfang September in Wladiwostok vorstellen zu können“, sagte Verkehrsminister Maxim Sokolow.

Die Firmen von Elon Musk

Zip 2

Als das Internet massentauglich wurde, gründeten Elon Musk und sein Bruder Kimbal die Firma Zip 2, ein durchsuchbares Firmenverzeichnis – damals eine Innovation. Große Zeitungsverlage schlossen mit dem Start-up Verträge ab. 1999 übernahm der Computerhersteller Compaq die Firma für gut 300 Millionen Dollar, Musk erhielt 22 Millionen Dollar.

X.Com

Musk dachte schon länger darüber nach, wie man mit einer Online-Bank die Finanzbranche umkrempeln könnte. Er engagierte die besten Programmierer und gründete 1999 mit dem Großteil des Verkaufserlöses von Zip2 X.Com. Die Firma experimentierte mit radikalen Konzepten und ermöglichte etwa den Versand von Geld per E-Mail.

Paypal

Auch andere entwickelten ein Bezahlsystem fürs Internet – etwa das Start-up Confinity mit seinem Dienst Paypal. Erst konkurrierten X.com und Confinity, dann schlossen sie sich zusammen. Eine große Finanzierungsrunde ermöglichte weiteres Wachstum, 2002 übernahm Ebay den Dienst für 5,1 Milliarden Dollar. Musk erhielt davon 165 Millionen Dollar.

Space X

Mit dem Geld konnte Musk seine Faszination für den Weltraum ausleben. Die erträumte Marsmission war zunächst unrealistisch, der Unternehmer ließ sich aber 2002 davon überzeugen, eine günstige Rakete zu entwickeln. Heute bietet Space X tatsächlich Raumflüge zu deutlich günstigeren Konditionen an als etwa Boeing oder Lockheed Martin.

Tesla Motors

Das bekannteste Musk-Projekt ist Tesla, auch wenn andere die Firma gründeten und der Macher erst 2004 mit seinem Geld dazu stieß. Zunächst nahm in der Autobranche niemand die Idee eines reinen Elektrofahrzeuges ernst, dank der Ingenieursleistung von Tesla ist das jetzt anders. Bei allem Erfindergeist ist die börsennotierte Firma immer noch nicht profitabel.

Solar City

Weil Solarzellen teuer waren, gründeten Lyndon und Peter Rive 2006 die Firma Solar City. Sie produzierte selbst keine Module, sondern finanzierte die Anlage vorab, so dass die Kunden sie nicht auf einen Schlag bezahlen mussten. Ihr Cousin Elon Musk stieg als Investor ein und war größter Anteilseigner. Die Firma gehört zu den größten Anbietern von Solarzellen in den USA. Im November 2016 stimmten die Aktionäre Musks Plan zu, Solar City durch den Autobauer Tesla übernehmen zu lassen.

Hyperloop

Als Musk vom Eisenbahnsystem enttäuscht war, ersann er eine Alternative: Transportkapseln sollen durch Druckluftröhren schießen und so auch lange Strecken in kurzer Zeit bewältigen. Mehrere hochrangige Ingenieure von Space X und Tesla erarbeiteten ein Konzept. Derzeit ist eine Verbindung zwischen Los Angeles und Las Vegas geplant. Kosten: mehr als 8 Milliarden Dollar.

Die 70 Kilometer lange Strecke dürfte lauft Sokolow zwischen 30 bis 40 Milliarden Rubel (umgerechnet 400 bis 540 Millionen Euro) kosten und soll von der chinesischen Grenze bis zum Hafen Sarubino, auf dem Landweg rund 200 Kilometer südlich von Wladiwostok, führen. Die russische Regierung ist dabei offenbar bereit, als Co-Investor aufzutreten. Sokolow sprach von einem Pilotprojekt, das den Güterverkehr zwischen den beiden Ländern beschleunigen soll. Etwa zehn Millionen Tonnen Güter pro Jahr sollen auf der Strecke befördert werden.

Die russische Eisenbahn AG, RZD, hat in der Vergangenheit bereits mehrfach Interesse an der Hyperloop-Technologie bekundet. Das Konzept elektrisch getriebener Transportkapseln, die auf einem Luftkissen durch eine Röhre geschossen werden, soll Geschwindigkeiten von über 1.000 Kilometer pro Stunde ermöglichen. Laut Musk ist das System potenziell billiger als der Bau einer Highspeed-Bahnstrecke.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×